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Weinprobe

23.04.2015

Ein gutes Gläschen Wein zum Hornkonzert

Engelbert Schmid (links) führte seine Gäste in den Weinkeller unter der Instrumentenbauerwerkstatt. Auch die amerikanischen Musiker (von links) Michael Thornton, Kolio Plachkov und Margaret McDonald ließen sich nach ihrem Auftritt diese Gelegenheit nicht entgehen.
Bild: Gertrud Adlassnig

Der Mindelzeller Instrumentenbauer und Winzer Engelbert Schmid lud zur Verkostung seiner neuesten Tropfen ein. Begleitet wurde die Veranstaltung vom Konzert zweier Spitzenhornisten

Regelmäßig kommen die internationalen Hornistengrößen nach Mindelzell, genauer gesagt zu Engelbert Schmid. Der baut ihre Spitzeninstrumente und überholt sie. Bei einem kurzen Zwischenstopp auf ihrer Reise von Colorado nach Sofia nutzten zwei Hornisten, Michael Thornton und Kolio Plachkov unterwegs mit ihrer Pianobegleiterin Margaret McDonald, die Gelegenheit, ihre wichtigsten Werkzeuge beim Meister selbst tunen zu lassen. Und der Meister nutzte den Besuch, die Musiker zu einem kleinen Konzert im Mindelsaal zu bitten.

Der vieltalentierte, umtriebige Schmid weiß die Dinge zu verbinden. Schon lange ist er nicht nur einer der weltführenden Hornbauer, der sich nicht nur das Handwerk weitgehend selbst beigebracht, sondern auch die Fertigungsmaschinen entwickelt hat. Seit einem knappen Jahrzehnt ist er auch Winzer –selbstverständlich Autodidakt – dessen spanische Weine mit schöner Regelmäßigkeit Silber- und Goldmedaillen abräumen.

Die Kombination seiner Leidenschaften dürfen die Konzertgäste genießen: Ein Ohren- und Gaumenschmaus begleitet von der gut gelaunten Moderation des Gastgebers, der an diesem langen Abend allerlei aus der Weinbauschule plaudert, Einblick in seinen Werdegang als Weinhersteller gewährt und seine Gäste von Ehefrau Karina großzügig mit Weinproben versorgen lässt.

Die kleine Weinverkostergesellschaft – die Konkurrenz des Bayernspiels war deutlich spürbar – durfte sich zwischen spritzigen Weißweinen und großen Roten dem Spiel der Musiker widmen, die mit fünf Brahmsliedern eröffneten: ebenso unterschiedlich im Charakter wie die verkosteten Weine: temperamentvoll, getragen, romantisch, wild. Mit den Erläuterungen von Engelbert Schmid zum Spiel der beiden Hornisten, die Mitglieder im Symphonieorchester von Colorado in Denver sind, Thornton Solohornist und zusätzlich Hornprofessor an der Universität von Denver, erhielten die Gäste Informationen zu den unterschiedlichen Stilen: Die Amerikaner, so Schmid, spielten das Horn deutlich dunkler mit viel Substanz, während in Europa ein leichterer, hellerer Stil bevorzugt würde. Es sei spannend, die unterschiedlichen Stil-Regionen der Welt zu erfahren. Weiter auf dem Konzertprogramm standen Saint-Saen, Gershwin, Alec Wilder. Den Abschluss bildete ein Concerto des zu Lebzeiten sehr erfolgreichen Rosetti, eines Zeitgenossen Mozarts und ein wahres Gegenstück: Shows Bippries Nr. 1, kurz knackig und sehr amerikanisch. Dazwischen schnüffelten und süffelten sich die Weinverkoster durch die Weiß- und Rotweine von „Don Angel“ dem spanischen Namen von Schmid. Dazu erfuhren sie von den Weinbauprinzipien des Schwaben: Für ihn kommen nur durchgegorene Weine infrage, mit einer extrem geringen Restsüße. Einer seiner Weißen hat dank der spanischen Sonne und vollreif geernteten Trauben nur 1,5 g Restzucker pro Liter, der fruchtig runde Geschmack kommt von den 13 Prozent Alkohol und dem Zuckeralkohol Glyzerin. Von der EU erlaubt sind bei trockenen Weinen bis zu vier Gramm Restzucker.

Auch der Schwefelgehalt steht im Fokus des schwäbischen Weinmachers: Es sei für ihn Prinzip, weit unter der erlaubten Höchstgrenze zu bleiben. Das erreiche er auch durch seine sehr gesunden Weinstöcke, die nur einmal im Jahr, noch vor der Blüte geschwefelt werden müssten.

Genauso zurückhaltend verwendet Schmid, der unter seiner Instrumentenwerkstatt einen zugelassenen Weinkeller betreibt, Schwefel zur Fässerreinigung. In die leeren Eichenfässer füllt er, anstatt sie mit Schwefeltabletten vor Schimmel zu bewahren, Wasser mit einer schwachen Schwefellösung. Das, so Schmid, bekomme den Fässern und dem Wein allemal besser. Probleme gebe es in Spanien mit dem Wasser. Denn aufgrund neuer EU-Regelungen dürfen die Winzer nicht mehr ihre Quellen benutzen und müssen Trinkwasser verwenden, das oft stark gechlort ist. Diese Verunreinigungen wirken sich aber auf den Wein aus.

Schmid umgeht das Problem weitgehend, weil er die gepressten Trauben, auf null Grad gekühlt, von Nordspanien nach Mindelzell transportieren lässt. Dort baut sein Kellermeister Luis die Weine aus. Die Vielfalt der in Mindelzell ausgebauten Weine, vom soliden Zechwein bis zu den prämierten Spitzenweinen (zwischen 40 und 80 Euro die Flasche) wurden bei Tapas, Hornkonzert und einer Kellerbesichtigung goutiert.

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