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Bühne

30.07.2014

Ein mehr als gelungener „Jedermann“

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2 Bilder
Auf einem Fest hat Jedermann (vorne) seltsame Erscheinungen. Der Teufel befindet sich bereits unter den Gästen.
Bild: Peter Wieser

Der Theaterverein Krumbach bringt berühmten Stoff der Salzburger Festspiele im Krumbader Theaterstadl. Noch zwei weitere Vorstellungen

Krumbach Orgelmusik im Hintergrund: Die Toccata von Johann Sebastian Bach verbreitet eine fast schaurige Atmosphäre im Theaterstadel in Krumbad. Hinter dem Vorhang sind die Schatten des Teufels und des Sensenmannes zu erkennen. „Jedermann“ – das Spiel vom Leben und Sterben eines reichen Mannes – ein Stück nach Hugo von Hofmannsthal in einer Bearbeitung von Bernd Klaus Jerofke fand am Samstag seine Premierenaufführung, dargeboten vom Theaterverein Krumbach.

„Sie brauchen nicht nach Salzburg zu fahren, um das Stück zu sehen“, hatte Regisseurin und Darstellerin von Jedermanns Mutter zu Beginn gesagt. „Das können sie auch bei uns in Krumbach.“ Dass die Akteure des Theatervereines große Ansprüche an sich stellen, ist bekannt. Einmal im Jahr stehen sie für mehrere Aufführungen auf der Bühne. Nach „Der Zauberer von Oz“ (2009), „Das Gespenst von Canterville“ (2010), sowie den Märchenspielen „Dornröschen“ (2012) und „Frau Holle“ (2013) wollten sie heuer einmal etwas ganz anderes machen. „Jedermann“ – seit 1920 wird das Stück jedes Jahr bei den „Salzburger Festspielen“ aufgeführt – galt als Herausforderung. Ein Improvisieren ist nicht möglich, die Dialoge sind in Reimform. Nichtsdestotrotz: Die Akteure verstanden es gerade dadurch sowie mit ihrer künstlerischen Mimik, die Handlung ausdrucksstark dem Publikum nahezubringen.

Verführerisch im roten Kleid

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Dass Walter Paul in der Person des reichen und besitzliebenden „Jedermann“ seine Rolle geradezu „schauspielerisch lebt“, ist unverkennbar. Zu Beginn wird er, genussvoll ein Glas Wein in der Hand haltend, von seiner Buhlschaft (Martina Schätzthauer) und seiner Köchin (Rosi Schätzthauer) zusammen mit seinen Knechten (Tugay Merk und Moritz Kopp) in einer Badewanne sitzend auf die Bühne geschoben. Beide, 14 und zehn Jahre alt, spielen überzeugt ihre Rollen. Ebenso seine attraktive Gesellin (Gabi Fetschele), die verführerisch in knallrotem Kleid und schwarzer Stola auftritt.

Jedermann ist zwar nicht geizig, doch streng auf seinen Reichtum bedacht. Den armen Geschäftsmann (Olaf Krasnitzky) will er auf sein Flehen mit nur einem einzigen Schilling abspeisen. Auf einem Fest fühlt sich Jedermann plötzlich krank und hat seltsame Erscheinungen. Gott, der Allmächtige, hat bereits beschlossen, ihn vor das Jüngste Gericht zu holen. Weder sein Patenkind, gespielt von Sarah Krasnitzky (zehn Jahre) noch seine Base (Dagmar Sautner) und sein Vetter (Erwin Streicher) wollen mit ihm diese Reise antreten. Ebenso wenig sein Reichtum, der ihm als Figur des Mammon (Olaf Krasnitzky) entgegenblickt.

Welche Rolle spielen Jedermanns Werke, personifiziert und ausdrucksstark dargestellt von Inge Merk? Wird Jedermann vom Tod (Günther Jahn) zum Teufel (Franz Kopp) geleitet oder hat er doch noch eine Chance? Eine spezielle Würze erhält das Stück nicht nur durch deren amüsante Coolness. Während seines Verlaufes wird es von Helmut Busch am Akkordeon immerzu stimmungsvoll begleitet.

Auch in diesem Jahr wirken Andreas Schmiedel, Ingrid Grimme, Heinz Fuhrmann und Gertraud Killy, Bewohner des Dominikus-Ringeisen-Werkes aus Ursberg, als Darsteller mit. Gertraud Killy übrigens ist mit 76 Jahren älteste Akteurin, sie ist seit 2002 bereits mit dabei.

Das aufwendig gestaltete Bühnenbild stammt von Erwin Streicher, für die Maske ist Verena Reichhard und für die Technik Michael Reichhard-Müller zuständig. Als Souffleuse wirkt Hanni Eberhardinger mit. Vor allem die Kostüme zeigen sich aufwendig und mit viel Liebe zum Detail. Eines ist jedoch schade: Die Akteure erhielten zwar für ihre herausragende Darbietung einen überwältigenden Applaus, doch hätten sie und der Theaterstadel Krumbad noch einiges mehr an Besuchern verdient.

Vorstellungen Am Freitag, 1. August sowie am Samstag, 2. August, werden die Akteure jeweils um 19.30 Uhr im Theaterstadel in Krumbad noch einmal auf der Bühne stehen. Karten sind erhältlich an der Abendkasse oder im Vorverkauf bei Papier Marquard in Krumbach, Telefon 08282/4410.

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