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Mindelheim/Landkreis

14.10.2017

Eine Liebeserklärung an die schwäbische Heimat

Josef Hölzles neuestes Werk: Der zweite Band aus der Reihe „Brauchtum – Heimat– Geschichten“.
Bild: Hartmann

Josef Hölzle hat ein Buch über das Unterallgäu geschrieben und erzählt darin auch von einem dramatischen Wandel. Vor allem die Menschen sind dem Autor wichtig.

Er ist ein ebenso genauer wie liebevoller Beobachter seiner schwäbischen Heimat. Wo immer sich etwas im Raum Mindelheim verändert, ist das Interesse von Josef Hölzle geweckt. Es ist der Wandel, der den Pfaffenhauser, der früher Chef des Arbeitsamtes Augsburg war, immer fasziniert hat, gepaart mit einer großen Portion Liebe zur Heimat und ihren Menschen. Diese Sympathie für Land und Leute ist auch in seinem neuen Buch „Brauchtum – Heimat – Geschichten“ zu spüren.

Seit Jahrzehnten ist Hölzle Mitarbeiter unserer Zeitung. Besonders schätzen ihn seine Leser für seine Geschichten übers heimische Brauchtum, über die Heimat und ihre Menschen. In zahllosen Beiträgen hat er Geschichten aus dieser Heimat erzählt. Ihm war immer wichtig, keinesfalls in „Geschichts- und Heimattümelei“ zu verfallen, wie er sagt, und in einer Vergangenheit zu schwelgen. „Freud und Leid, Entbehrungen sind mir wichtig zu erzählen.“

So interessiert ihn bei einer Burg nicht nur das historische Gemäuer, sondern eben auch, dass „dort 100 Menschen ums Leben gekommen sind“. Der Alltag der Menschen hat immer sein besonderes Interesse geweckt. So beschäftigt sich ein Beitrag mit der Frage, wie die Menschen früher ihre Lebensmittel konserviert haben – in Zeiten von Kühlschrank, Kühltruhe und Supermärkten, wo viel dieses Wissens verloren gegangen ist.

Dass der Autor es traurig findet, dass die Geborgenheit in der Dorfgemeinschaft heute nicht mehr ganz so intensiv ist wie noch vor einem halben Jahrhundert, lässt er anklingen. Ein Beitrag im Buch erzählt von einer Oma aus Pfaffenhausen, die von ihrer Kindheit in der Großfamilie schwärmt. Ein Wandel hat sich ganz besonders in der Landwirtschaft in atemberaubendem Tempo vollzogen. Hölzle ist auf Wirtschaftsstatistiken aus unserem Landstrich gestoßen, in denen es vor Jahrzehnten nur um die Zahl der Landwirte, die Zahl der Kühe, die Milchmenge und den Fettgehalt ging. Anderes spielte keine Rolle. Dass dieser Wandel auch seine weniger schönen Seiten mit sich brachte, klingt an. Die Natur sei teils zerstört worden, Tierarten seien ausgestorben. Eine Geschichte ist mit „Vom Naturparadies zum Maisfeld“ überschrieben.

Über das Mühlenland oder das schwere Los der Dienstboten erzählt Hölzle ebenso wie über das kirchliche Leben. Der Notzeit nach den Kriegen widmet der Autor ein eigenes Kapitel. So erinnert er zum Beispiel an die Fliegerangriffe 1945 auf das Unterallgäu.

Ein Dokument ist von besonderem Interesse. Zwei Tage vor Kriegsende hat ein SS-Mann in Weilbach ein Fahrrad beschlagnahmt. Der Empfang wurde offiziell durch ein Dokument des Pfaffenhauser Bürgermeister bestätigt, mit Stempel und Unterschrift. Eine Rückerstattung des Radls war natürlich Utopie.

Das Buch ist auf seinen 223 Seiten reich bebildert. Es enthält eine Fülle historischer Aufnahmen, die zum Teil zum ersten Mal veröffentlicht werden und ist eine Einladung zum Entdecken der eigenen Heimat.

Das Buch: Josef Hölzle, „Brauchtum –Heimat – Geschichten. Das Unterallgäu im Spiegel der Zeit“, 19,50 Euro. Erschienen im Verlag Hans Högel KG, Mindelheim. Erhältlich in den Geschäftsstellen der Mittelschwäbischen Nachrichten, der Mindelheimer Zeitung und der Allgäuer Zeitung sowie im Buchhandel (ISBN 978-3-9818338-7-4)

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