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Krumbach

16.03.2017

Eine neue Perspektive für die Krumbacher Innenstadt

Das Reformhaus Glück am Marktplatz gilt als eine Art Leuchtturmprojekt in der Krumbacher Innenstadt.
Bild: Ramona Pickl

Warum das Fachbüro Cima vielversprechende Ansätze sieht, wie das Krumbacher Zentrum fit für die Zukunft wird.

Das neue Reformhaus Glück am Krumbacher Marktplatz? Als Christian Hörmann darüber spricht, gerät er regelrecht ins Schwärmen. „Das ist ja nicht nur eine Verlegung, das ist eine komplette Neukonzeption, mit Gastronomie, mit Farbkonzept, mit einem freundlichen Service. Man spürt, wie viele Gedanken sich hier die Verantwortlichen gemacht haben.“ Das Reformhaus Glück im Bereich des ehemaligen Lipp-Areals gilt derzeit in der Krumbacher Innenstadt als eine Art Leuchtturmprojekt. Doch an vielen Stellen sieht die Lage bekanntlich ganz anders aus, Leerstände häufen sich, vor allem die östliche Karl-Mantel-Straße gilt als Problemzone. Die Innenstadt für die Zukunft fit zu machen: Dafür hat die Stadt Krumbach das bundesweit tätige Fachbüro Cima engagiert, Christian Hörmann leitet das Projekt in Krumbach. Hörmann sieht für Krumbach gute Möglichkeiten, trotz aller Probleme erlebe er in der Stadt eine „Aufbruchstimmung“.

47 mitunter sehr intensive Gespräche mit Eigentümern habe es bereits gegeben. Ziel ist es, bei den Leerständen eine Trendwende herbeizuführen. Eine wesentliche Rolle spielt dabei auch die Neugestaltung der Karl-Mantel-Straße. Bekanntlich soll die Karl-Mantel-Straße als verkehrsberuhigter Geschäftsbereich mit einer Geschwindigkeitsbeschränkung auf 20 Stundenkilometer gestaltet werden, die Straße soll umfassend begrünt werden. Auch die Gehwege werden neu gestaltet. „Ein Glück“, dass diese Maßnahme jetzt komme, sagt Hörmann. In der Karl-Mantel-Straße gibt es etliche Leerstände – unter anderem Laber, zuletzt kündigte auch das Porzellan-, Haushaltswaren- und Geschenkartikelgeschäft Hofmeister seine Aufgabe an.

„Für eine Geschäftsaufgabe gibt es viele Ursachen“, sagt Hörmann im Gespräch mit unserer Zeitung, aber Fakt sei auch, dass die Karl-Mantel-Straße in ihrem bisherigen Zustand nicht zum Bummeln einlade. Aber auch dieses Wohlfühlerlebnis Bummeln sei für Geschäfte mit Blick auf die Onlinekonkurrenz wichtig.

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Wie Hörmann mitteilt, soll die Vergabe der Arbeiten in der Karl-Mantel-Straße am Montag, 27. März im Krumbacher Stadtrat stattfinden. Mit dem Bau werde es dann noch im April losgehen, abgeschlossen werden soll das Projekt voraussichtlich bis Ende September.

Über die Entwicklungsperspektiven für die Innenstadt und das weitere Vorgehen wurde jetzt wieder in der Lenkungsgruppe beraten. Der Gruppe gehören neben Repräsentanten von Stadt und Cima auch Vertreter der heimischen Wirtschaft an. Nach Auskunft der Stadt würden die Betriebe während der Bauzeit in der Regel immer erreichbar sein. Bereits im vergangenen Jahr gab es in der Karl-Mantel-Straße Kanalbau-Arbeiten. Wiederholt wurde in dieser Zeit von Anliegern kritisiert, dass es von der Stadt zu wenig Informationen über den Ablauf gebe. Hörmann kündigt an, dass der Informationsfluss bei der anstehenden Baumaßnahme eine wesentliche Rolle spiele. Unter anderem soll es auf der von der Cima neu eingerichteten Internetseite innenstadt.krumbach.de in einem Baustellenblog aktuelle Informationen über den Fortschritt der Arbeiten in der Karl-Mantel-Straße geben. Mit einem vergleichbaren Projekt habe die Stadt Coburg einen Stadtmarketing-Preis gewonnen, erklärt Hörmann. Auch das deutet an, welchen Stellenwert schnelle und umfassende Informationen über solche Projekte in der Öffentlichkeit inzwischen haben. Die Anlieger seien mit der Cima über Whatsapp verbunden. So sei ein umfassender Austausch auf mehreren Kanälen gewährleistet.

Vorangetrieben wird von Cima auch die Erstellung eines digitalen Schwarzen Bretts, in dem wichtige Eckdaten über die Leerstände in der Stadt zusammengetragen werden. Ziel sei es, Eigentümer und mögliche Investoren zusammenzuführen.

Den Einzelhandel in die Lage versetzen, digitale Möglichkeiten besser zu nutzen: Das ist Thema eines Informationsabends am Dienstag, 21. März, ab 18.30 Uhr im Krumbacher Gasthof Munding. Christian Kramer, eBusiness-Spezialist von Cima, wird dann zum Thema sprechen.

Das Büro Cima möchte Interessenten ein ganzes Bündel von Maßnahmen anbieten. Möglich ist, so Hörmann, auch ein grundlegender Geschäfts-Check. Sortiment, Beleuchtung, Service oder auch Fassade: Gewissermaßen wie bei einer Generaluntersuchung beim Hausarzt könne auf Wunsch alles unter die Lupe genommen werden. Bei der Fassadengestaltung könnten auch staatliche Zuschussmöglichkeiten genutzt werden.

Auch die Schulen sollen eingebunden werden

Auch die Schulen sollen in das Projekt Innenstadt eingebunden werden. Schüler könnten, so Hörmann, über Krumbach ein Video drehen. Jugendliche hätten auf ihre Stadt eine ganz andere Perspektive als Erwachsene, für Kommunalpolitiker könne dies eine interessante Erkenntnis sein. In Gauting beispielsweise sei ein derartiger Film sogar im Rat gezeigt worden.

Cima-Mitarbeiter Markus Jocher möchte voraussichtlich im Mai in einer Informationsveranstaltung das Thema Service im Einzelhandel aufgreifen. Gespräch, Miteinander: Immer wieder nennt Cima-Projektleiter Hörmann diese Stichworte. Schon jetzt sei in Krumbach eine vielversprechende Aufbruchstimmung entstanden, die eine gute Grundlage für das Kommende sei.

Cima ist derzeit 14 Stunden pro Woche für Krumbach tätig. Im historischen Rathaus ist ein Büro eingerichtet. Regelmäßige Öffnungszeiten gibt es derzeit noch nicht, in der Regel sind Mitarbeiter einmal pro Woche vor Ort. Telefonisch sind die Cima-Mitarbeiter über 08282/8264371 erreichbar. Mailadresse: info@innenstadt.krumbach.de

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Die Diskussion ist geschlossen.

16.03.2017

Googelt man die Begriffe „Innenstadt + Leerstand“ finden sich "ungefähr 140.000 Ergebnisse".

Allein daran mag man absehen, dass das Problem nicht nur Krumbach und nicht nur die östliche Karl-Mantel-Straße betrifft (, wobei die Leerstände rund um den Gesundbrunnenplatz (Karl-Mantel-Str. 15, 21, 27 und 10) sowie Glas- und Geschenke-Hofmeister sogar im westlichen Bereich der Karl-Mantel-Straße liegen... ).

Wenn die Attraktivität einer Einkaufsstraße und die Behebung von Leerständen tatsächlich im Wesentlichen von einem hochpreisigen Gehwegbelag abhingen, wäre die Lösung leicht. Die anhaltende Diskussion und die flächenhafte Verbreitung des Problems von Bremen über Potsdam bis nach Bad Aibling zeigt, dass es aber wohl so einfach nicht ist und auch nicht sein kann.

Im Gegenteil: so schön und aus städtebaulicher Sicht wünschenswert eine hochwertige und "edle" „Luxussanierung“ der Karl-Mantel-Straße für die Planer sein mag, so gefährlich ist sie, weil sie hier – der geschickten Handhabung der Straßenausbaubeitragssatzung sei Dank - überwiegend auf Kosten der Anlieger durchgeführt werden soll. Eines ist damit sicher: für die meisten Eigentümer wird kein Geld für irgendwelche Fassadenverschönerungen übrig bleiben. Nicht mal welches für dringend notwendige bauliche Maßnahmen an Gebäuden, die zum Beispiel eine verbesserte Nutzung der Ladenlokale oder Praxisräume ermöglichten, die leer stehen. Und dass die gewerblichen Mieten sich nach solchen finanziellen Kraftakten der Eigentümer erhöhen, zeigen Beispiele aus anderen Städten.

Ob sich also ein einziges Unternehmen mehr oder neu ansiedelt, ist mehr als fraglich. Im Gegenteil. Und wenn die örtlichen Händler konzeptionell ohnehin mehr auf den Internethandel setzten sollen, dann ist die ganze Verschönerungsaktion mehr als unsinnig. Eine Straße mit sauber asphaltierten Gehwegen und ausreichend geplanten Parkplätzen punktet dann genauso, ohne dass es wieder mal heißt:

„Straße saniert, Anlieger ruiniert“.

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