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Wirtschaftsweise: Teil-Lockdown kaum Auswirkungen auf Wirtschaftskraft
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Einen Bärendienst erwiesen

Kommentar Von Stefan Reinbold
22.02.2018

Vermutlich hat es der Vorsitzende der Krumbacher Jungen Union nur gut gemeint, indem er einen zugespitzten Beitrag zur Diskussion um die Marktplatzsperrung leisten wollte.

Vermutlich hat es der Vorsitzende der Krumbacher Jungen Union nur gut gemeint, indem er einen zugespitzten Beitrag zur Diskussion um die Marktplatzsperrung leisten wollte. Es ist das Vorrecht der Jugend, ungestüm sein zu dürfen und auch mal übers Ziel hinauszuschießen. Ja, auch Fehler darf man machen – keine Frage. Aber mit der Art und Weise, wie Sebastian Kaida und seine Mitverfasser sich in dieser Debatte geäußert haben, erwiesen sie ihrem Anliegen einen Bärendienst. Grundsätzlich ist nichts Falsches daran, sich einzumischen und selbst bereits getroffene Entscheidungen noch einmal infrage zu stellen. Es gibt ja Bürger in Krumbach, die mit einer Vollsperrung des Marktplatzes während der Sommermonate nicht einverstanden sind, wie auch die Unterschriften auf Bäurles Liste zeigen. Auch deren Argumente müssen in der Auseinandersetzung um eine gute Lösung gehört werden und dürfen nicht einfach als unqualifizierte Beiträge abgetan werden. Wer aber mit der ausgestreckten Faust in die Debatte stürmt, der riskiert blaue Augen.

In diesem Fall trug der Vorsitzende der Jungen Union selbst eins davon. Mit seinem polemischen, sehr ins Persönliche gehenden Angriff auf die Macher von „Live am Marktplatz“ hat er genau jene Schärfe und Unsachlichkeit in die Diskussion gebracht, die man in dieser Angelegenheit tunlichst vermeiden sollte. So entsteht der Eindruck einer Neiddebatte, bei der die sachlichen Argumente der Gegner einer Vollsperrung in den Hintergrund gedrängt werden. Dabei ist nichts Verwerfliches daran, wenn die Veranstalter „Live am Marktplatz“ nicht nur aus reiner Selbstlosigkeit organisieren. Geld zu verdienen, ist in diesem Land schon noch okay.

Dagegen hat auch die Junge Union, die in der Vergangenheit nicht gerade durch sozialrevolutionäres Gedankengut aufgefallen wäre, sicher nichts. In gewisser Weise ist der Beitrag Kaidas aber symptomatisch für eine Diskussionskultur, die auch die sozialen Medien prägt. Der Gesprächspartner wird dabei schnell zum Gegner und nur der eigene Standpunkt ist legitim.

Interessant ist in dieser Hinsicht auch die Deutung der Diskussionsbeiträge. Der Historiker weiß, dass die Quellen mehr verraten, als die bezweckte Aussage. Insbesondere die – durchaus berechtigte – Kritik Bäurles an unserem Online-Voting zeigt ein Stück weit auf, wo die Kluft in dieser Frage verläuft. In der Tat mag hier auch ein Generationenkonflikt eine Rolle Spielen. Zwischen Progressiven und Konservativen, zwischen Jung und Alt, zwischen den Internetaffinen und denen, die mit dem Netz nicht viel anfangen können. „Jetzt ist die Zeit des Nachdenkens“, sagt Bäurle. Grundsätzlich empfiehlt es sich, nachzudenken, bevor man spricht. Jetzt sollte auch die Zeit anbrechen, in der man besser miteinander als übereinander spricht.

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