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Breitenthal/Krumbach

08.01.2021

Eisschwimmen am Oberrieder Weiher: Ein Wasserwachtler erzählt

Alexander Mayer ist Vorsitzender der Krumbacher Wasserwacht und scheut auch den regelmäßigen Gang in den Oberrieder Weiher nicht. Weil das Silvesterschwimmen heuer ausfallen musste, ging er eben alleine ins Wasser und sendete Neujahrsgrüße aus dem See.
Bild: Georg Drexel

Plus Eisschwimmen hat in Mittelschwaben Tradition. Wasserwachtler aus Krumbach erklären, worauf man dabei achten sollte, und wo die Gefahren liegen.

Still und starr ruht der See. Wer derzeit den Oberrieder Weiher besucht, vielleicht einen kleinen Spaziergang am Ufer entlang macht, kann dort unbeschwert die winterliche Natur genießen. Wer Glück hat, erlebt dabei ein ungewöhnliches Schauspiel: Erwachsene Menschen durchbrechen die dünne Eisfläche auf der Oberfläche des Sees und steigen in das wenige Grad kalte Wasser. Dort drin bleiben sie, mehrere Minuten lang, schwimmen vielleicht sogar ein bisschen. Sind die denn verrückt geworden?

Das Eisschwimmen am Oberrieder Weiher ist fast schon eine Art Volkssport in Mittelschwaben. Seit bald 40 Jahren organisiert die Krumbacher Wasserwacht am Silvestertag eine kollektive Abkühlung im eiskalten See. Vor einem Jahr versammelten sich mehr als 100 Männer und Frauen am nördlichen Ufer des Oberrieder Weihers. Die Tradition war beliebt wie nie. In diesem Jahr musste das Silvesterschwimmen coronabedingt abgesagt werden.

Eisschwimmen: Wasserwacht Krumbach trifft sich normalerweise regelmäßig

Ein paar ganz Harte zieht es dennoch zum See – hauptsächlich von der Wasserwacht selbst. Der im November neu gewählte Vorsitzende Alexander Mayer veröffentlichte auf der Facebook-Seite der Ortsgruppe ein kurzes Video, in dem er aus dem Oberrieder Weiher Neujahrsgrüße schickte. Normalerweise gebe es bei der Wasserwacht eine Schwimmgruppe, die sich auch im Winter regelmäßig trifft, erzählt er. „Da das zurzeit nicht erlaubt ist, haben wir eben gesagt, jeder macht ein Foto oder Video und schickt es.“

Auch die leidenschaftlichen Wassersportler koste der Sprung ins eiskalte Nass Überwindung, sagt Mayer. Vor allem, wenn man für sich ist. In der Gruppe sei die Motivation wesentlich größer. „Das ist, glaube ich, auch der Grund, warum das Silvesterschwimmen so gut ankommt. Es hat einen Eventcharakter, man erlebt es gemeinsam. Mit regelmäßigem Eisschwimmen ist das aber nicht zu vergleichen.“ Beim Silvesterschwimmen seien die Bedingungen optimal, betont der Wasserwacht-Chef. Es gibt ein beheiztes Zelt, die Helfer halten warme Getränke und Decken bereit, medizinisches Fachpersonal und Rettungstaucher sind für den Notfall vor Ort. Das macht aus dem Event in erster Linie einen großen Spaß.

Mediziner aus Krumbach gibt Tipps für Eisschwimmer

Wer aber auch im Winter regelmäßig schwimmen gehen will, muss einiges beachten. Denn das Schwimmen im eiskalten Wasser fordert vom Körper Höchstleistungen. Dr. Max Drexel weiß das sehr gut. Der Krumbacher ist nicht nur erfahrener Allgemeinmediziner, sondern auch der Arzt der Ortsgruppe der Wasserwacht. „Wenn jemand bisher keine Erfahrungen mit Eisschwimmen gemacht hat, würde ich auf jeden Fall empfehlen, sich vorher von einem Arzt durchchecken zu lassen“, rät Drexel. Vor allem Patienten mit Herz- oder Lungenerkrankungen sollten den Sprung in den See besser bleiben lassen. „Der Kreislauf arbeitet dabei auf Hochdruck, um den Körper zu durchbluten. Da schrillen sämtliche Alarmglocken. Aber ein gesunder Körper hält das aus.“

Dr. Maximilian Drexel ist Arzt der Krumbacher Wasserwacht.
Bild: Georg Drexel

Auch wer an einer akuten Erkrankung, etwa einem grippalen Infekt, leidet, sollte auf Sport verzichten und sich stattdessen auskurieren, empfiehlt der Mediziner. Wer aber gesund ist, der könne den Gang ins eisige Wasser wagen. „Mit der Zeit wird der Körper auch abgehärtet und man kann nach ein wenig Training auch einige Minuten im Wasser bleiben und etwas schwimmen.“ Zu lange sollte es aber nicht sein, sonst drohe eine Unterkühlung, sagt Drexel.

Schwimmen im Oberrieder Weiher: Wasserwacht gibt Tipps

Auch Wasserwacht-Vorsitzender Mayer schätzt, dass bei den aktuellen Temperaturen selbst geübte Eisschwimmer nicht länger als fünf Minuten im Wasser verbringen. „Man merkt, dass der Körper an Wärme verliert. Erst an Armen und Beinen, der Körper zentralisiert alle wichtigen Funktionen in der Körpermitte. Wenn die Kälte dann dahin wandert und man ein Engegefühl in der Brust verspürt, sollte man schleunigst raus.“ Neben einer Kopfbedeckung, damit über den Kopf weniger Wärme verloren geht, empfiehlt der Wasserwachtler, dass man immer in Ufernähe bleiben und, wenn möglich, nicht allein zum See gehen sollte. Nach dem Aussteigen rät Mayer, sich sofort abzutrocknen und warme Kleidung anzuziehen, damit der Körper sich wieder aufwärmen kann. Auch ein Tee aus der Thermoskanne kann dabei helfen.

In Corona-Zeiten undenkbar: Zahlreiche Männer und Frauen stiegen am Silvestertag 2019 gemeinsam in den Oberrieder Weiher.
Bild: Georg Drexel

Bleibt nun die Frage: Was haben die Extremschwimmer davon? Auch darauf weiß Alexander Mayer eine Antwort: „Der Körper schüttet Glückshormone aus, der Kreislauf wird ungemein angeregt. Ich fühle mich auch Stunden danach noch richtig erfrischt. Ein wunderbares Gefühl.“ Eine Überwindung, die sich also lohnt.

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