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Thannhausen/Babenhausen

11.01.2020

Er macht die "Hex vom Karraberg" zur Comicfigur

Daniel Czeschner legt die Thannhauser Sage von der Hex vom Karraberg in einem sorgfältig gestalteten Comic vor.
2 Bilder
Daniel Czeschner legt die Thannhauser Sage von der Hex vom Karraberg in einem sorgfältig gestalteten Comic vor.
Bild: Gertrud Adlassnig

Plus Daniel Czeschner aus Babenhausen interpretiert einen Sagenstoff neu: Er verwandelt die Thannhauser „Hex vom Karraberg“ in eine Comicfigur. Wie er darauf kam.

Mickey Maus, Asterix, die Simpsons: Wer kennt sie nicht? Sie alle gehören in die Riege der seit Jahrzehnten bekannten und beliebten Comic-Helden. Nicht nur Kinder warten Woche für Woche auf neue Abenteuer von Snoopy, Garfield und Co. Doch Comics müssen nicht immer Resultat reiner Fantasie sein. Sie können Anleihe aus der Literatur sein oder einen Sagenstoff aufgreifen und neu interpretieren. Das macht Daniel Czeschner aus Babenhausen.

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Der gebürtige Thannhauser hat den Comic als künstlerisches Ausdrucksmittel für sich entdeckt. Vor Jahren arbeitete er für seine Facharbeit am Simpert-Kraemer-Gymnasium Krumbach Goethes Faust im Comicformat aus. Und es hat ihn seither nicht mehr losgelassen. Auch wenn Studium, Berufseinstieg und Familiengründung sein Leben in den folgenden Jahren dominierte, hat er den Comic als Gestaltungsmöglichkeit nie aus den Augen verloren.

Nun legt er einen zweiten, weit professioneller ausgearbeiteten Comic vor. „Diesmal hatte ich nicht nur die Erfahrung der Faustumsetzung, ich hatte auch alle Zeit der Welt.“ Die hat er sich genommen. Vier Jahre hat Daniel Czeschner an seinem neuen Werk gearbeitet, bevor er einen ersten Probedruck in Auftrag gab. Der Stoff für sein neues „Bilderbuch“ könnte modisch dem Genre „Fantasy“ zugeordnet werden, doch der schwäbische Hobbykünstler spricht lieber von Sage.

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Immerhin ist das Thema lokal allgemein bekannt. „Die Hex vom Karraberg“ hat Daniel Czeschner schon seit Kindertagen begleitet. Sie war Gegenstand des Heimatkundeunterrichts in Thannhausen. Und sie hat ihn nie mehr ganz verlassen. „Irgendwie war sie da und ist schon lange als Idee im Hinterkopf gewesen. Auch die Mode der Regionalkrimis hat mich da ein wenig beeinflusst. Da kam mir der Gedanke: Warum nicht auch einen Regionalcomic gestalten?“, sagt er.

Die Hex vom Karraberg erwies sich als der perfekte Stoff für eine Bildgeschichte. Doch bevor sich Daniel Czeschner an die Ausgestaltung machen konnte, hatte er noch viele Monate der Recherche vor sich. „Ich hatte aber Glück. Ich bin im Internet fündig geworden und habe sehr viel über die Hex vom Karraberg gefunden. Sogar die umfangreichste Geschichte, veröffentlicht in einem Buch für die „reifere Jugend“, von Dr. Wilhelm Bauberger war im Original von 1920 als vollständiger Text im Internet.“

Daniel Czeschner hat sich durch die Quellen gearbeitet, die Kernaussage herausgearbeitet und schließlich eine eigene Geschichte kreiert. Um dem Leser das Leben und Wirken seiner Hex plastisch vorführen zu können, musste sich der Zeichner verschiedene Szenen ausdenken, Begegnungen, die die Hex vom Karraberg gehabt haben könnte, mit eindrucksvollen und typischen Gestalten der Zeit, etwa Rittern. „Es geht im Kern um eine Frau, die besondere medizinische Kenntnisse hatte und den Menschen helfen wollte. Diese Edeltrude lebte zurückgezogen allein und die Kinder hatten Angst vor ihr. Ob sie wirklich gelebt hat oder nur eine Sagengestalt war, konnte ich nicht herausfinden,“ sagt er. Daniel Czeschner nimmt in seinem Comic die Stimmung der Zeit auf, mit ihrer Hexenhysterie. Und zu guter Letzt lässt er seine Leser nicht im Stich, sondern löst „Das Geheimnis der Hex vom Karraberg nach einer schwäbischen Legende“ auf seine Weise auf.

Wie Städte einst ausgesehen haben

Daniel Czeschner hat aus der Hex Edeltrude ArkSana gemacht. „Ich wollte in diesem Namen das Geheimnisvolle und die medizinische Absicht, die diese Frau umgibt, miteinander verbinden.“ Für seinen Comic hat der Zeichner nicht nur die tradierte Geschichte der mysteriösen Kräuterfrau erforscht und ihr eine eigene Vita gegeben. „Ich musste mich auch damit auseinandersetzen, wie zur Zeit der Geschichte Städte ausgesehen haben, wie Kleidung, Zubehör oder Werkzeug. Eine Szene spielt in Ulm. Dafür musste ich mir ein Blatt besorgen, auf dem die Stadt im Mittelalter dargestellt ist, also ohne die hohen Münstertürme. Die wurden ja erst im 19. Jahrhundert gebaut,“ führt er aus.

Die handkolorierten Bilder des Comics zeichnen sich durch ihre liebevollen Details aus.
Bild: Gertrud Adlassnig

Daniel Czeschner hat seinen Comic mit viel Liebe zum Detail und historischer Sorgfalt gestaltet. Wenn die Geschichte steht, alle Figuren gestaltet und definiert sind, ist die Arbeit noch lange nicht getan, im Gegenteil, dann beginnt sie erst.

Zunächst muss jede Person gezeichnet werden. Da im Comic die Figuren im Bild perspektivisch immer wieder auf einer anderen Ebene, Vordergrund, Mitte oder Hintergrund, stehen werden, müssen alle Figuren über Proportionalstudien definiert werden. Nur so können sie in einem Bild miteinander kombiniert werden. Wenn diese Definitionsarbeit abgeschlossen ist, geht es an die Ausgestaltung. „Ich muss ein sogenanntes Storyboard anfertigen. In dem wird für jede Seite festgelegt, was darauf zu sehen sein wird, wie viele einzelne Bilder platziert werden.“ Erst dann kann mit der Ausarbeitung der Bilder begonnen werden.

„Ich zeichne sie zunächst mit einem Spezialstift. Seine blaue Farbe ist nicht scannbar. Wenn ich mit der blauen Zeichnung zufrieden bin, wird sie in schwarzer Tusche nachgezeichnet und eingescannt. Nur die ist dann auf dem Bild noch zu sehen. Und ich habe eine beliebig vermehrbare Vorlage, die ich kolorieren kann. Er arbeitet mit eigenen Filzstiften für Comics. Zusätzlich benutzt er Aquarellstifte, mit denen er besondere Effekte erzielen kann. So kann ich mit der Farbe spielen, verschiedene Muster herstellen.“

Mit der Hand ausgemalt

Daniel Czeschner malt seine Bilder grundsätzlich mit der Hand aus. „Zeit spielt für mich ja keine Rolle. Ich habe keinen Abgabetermin. Wenn es fertig ist, ist es fertig.“ Das Zeichnen mit dem Stift, sagt er, ist einwunderbarer Ausgleich zur alltäglichen Arbeit am Computer. Abends wolle er nicht wieder am Bildschirm sitzen. Die Kolorierung mit dem Stift ist eine sehr direkte Tätigkeit und sie erlaubt einen weit besseren Überblick als die kleinteilige Computeransicht. Und vor allem, erklärt Daniel Czeschner, hat die handkolorierte Seite eine viel lebendigere, intensivere Wirkung.

Für seine ArkSana, hat Daniel Czeschner 37 Seiten und die Umschlagseiten gestaltet. Drei davon zieren ganzseitige Bilder, der Rest zeigt mehrere, bis zu sechs Einzelbilder. Jedes Bild wurde in Originalgröße gemalt. Im Stil, erklärt der Hobbykünstler, sei er beeinflusst von Micky Maus und Asterix, die schon die Helden seiner Kindheit waren. Diese europäisch-amerikanische Stilrichtung sage ihm mehr zu als die Mangas der japanischen Tradition mit ihren übergroßen Augen und der actionbetonten Handlung.

Ein erster Andruck von „ArkSana“ auf sehr hochwertigem Papier ist geordert. „Diese kleinen Auflagen sind leider sehr teuer. Trotzdem hoffe ich, einige Exemplare davon verkaufen zu können. Vielleicht interessieren sich Thannhauser Geschäfte dafür. Und natürlich kann man über meine Internetseite www. Czeschner.de Kontakt aufnehmen und ein Comic bestellen.“

Aber seine künstlerische Tätigkeit ist ein Hobby und soll es auch bleiben, betont Daniel Czeschner, der vor kurzem Vater wurde. Sein nächstes Projekt: Die Illustration eines Kinderbuches, das seine Frau schreibt.

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