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Thannhausen

05.02.2015

„Es geht primär um die Entwicklung der Stadt“

In der Bahnhofstraße fing alles an. Josef Brandner zeigt ein Bild des Familienunternehmens zu Beginn der 1950er Jahre.
Bild: Stefan Reinbold

Wirtschaftsreferent Josef Brandner spricht über die Neue Mitte, Altwerden auf dem Land und warum er ein Brauereimuseum und eine Anbindung des Alpenblicks an die B300 ablehnt

Josef Brandner leitet in vierter Generation das Familienunternehmen mit Niederlassungen in Thannhausen, Krumbach und Günzburg. Mit mehr als 140 Fahrzeugen und etwa 200 Mitarbeitern ist BBS Brandner Bus Schwaben der führende Mobilitätsdienstleister und Reiseveranstalter in der Region. Seit der Kommunalwahl im März vergangenen Jahres ist Brandner Mitglied des Thannhauser Stadtrates und bekleidet das Amt des Wirtschaftsreferenten.

Im südlichen Landkreis wird häufig darüber geklagt, dass mit der Gebietsreform 1971 und der Verlagerung des politischen Landkreiszentrums nach Günzburg die Entwicklung Krumbachs und Thannhausens sich ins Negative verkehrt hat – teilen sie diese Einschätzung?

Brandner: Kein Nachteil ohne Vorteil. Die Verwaltungsreform hat den Süden nicht gestärkt. Die Bindungswirkung der Städte Krumbach und Thannhausen auf die Bevölkerung des Umlands ist hier jedoch bedeutend höher als im Norden. Die Stärke Krumbachs und Thannhausens liegt darin, dass die Bürger dort nicht gleich in große Zentren wie Ulm oder Augsburg abwandern, sondern im Nahbereich bleiben. Gut zwei Drittel der Güter des täglichen Bedarfs werden in Krumbach gedeckt. In Günzburg ist die Zahl deutlich niedriger.

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Wie kann dieser Standortfaktor genutzt werden?

Brandner: Die Aktion der Werbegemeinschaft Krumbach „Hier wohn ich, hier kauf ich“ finde ich sehr gut. Den regionalen Aspekt sollte man noch weiter ausbauen. Unsere Abgeordneten, an der Spitze Alfred Sauter, haben sich in den vergangenen Jahren sehr um Krumbach und den südlichen Landkreis bemüht und Ämter wie das Hochbauamt und die Finanzkasse am Standort etabliert. Die Politik hat sich maximal angestrengt. Von dem Mittelzentrum Krumbach gibt es sicher auch einen Abstrahlungseffekt auf das Umland.

Wie wollen Sie als Wirtschaftsreferent die ökonomische Entwicklung der Stadt Thannhausen weiter voranbringen?

Brandner: Für die wirtschaftliche Entwicklung ist zunächst einmal jeder Unternehmer selbst verantwortlich. Die Stadt kann die Rahmenbedingungen schaffen, indem sie die Infrastruktur, Wohn- und Lebensqualität fördernd beeinflusst. Was die Bereitstellung von Wohneigentum betrifft, herrschen hier im Vergleich zu den großen Städten paradiesische Zustände. Es gibt etwa 30 bis 40 freie Bauplätze, die Flächen sind da. Doch nicht alle sind verfügbar. Insofern täte es Thannhausen gut, ein oder zwei neue Baugebiete auszuweisen. Das darf aber nicht zur Kannibalisierung der Innenstadt führen. Als Wirtschaftsreferent beschäftigt mich vor allem die Frage, wie sich die Attraktivität Thannhausens steigern lässt und was die Menschen hierher bringt.

Wie beantworten Sie diese Fragen?

Brandner: Die neue Mitte und das neue Rathaus der Verwaltungsgemeinschaft mit dem Einzelhandel im Stadtzentrum hat Thannhausen bereits binnen weniger Jahre positiv verändert. Es war klug, den großflächigen Einzelhandel in der Bürgermeister-Raab-Straße zu konzentrieren und mit der Neuen Mitte den Einzelhandel in der Stadt zu beleben. Die Stadt bietet mehr als die Marktgemeinden im Umland. Viele Leute kommen über die östlichen Landkreisgrenzen aus Dinkelscherben, Walkertshofen und Langenneufnach nach Thannhausen. Diesen Rückenwind wollen wir nutzen. Jetzt geht es darum, den Innenstadtbereich weiter zu stärken.

An welche Maßnahmen denken Sie da konkret?

Brandner: Gerade der Handel tut sich mit der Konkurrenz im Internet sehr schwer. Hier wäre es wichtig, familien- oder inhabergeführte Betriebe zu unterstützen. Diese Unternehmen kompensieren durch persönlichen Einsatz viel, was Filialbetriebe nicht leisten können. Hohes Potenzial sehe ich auch darin, dass viele Menschen aus den Ballungszentren ihre Seniorenresidenz in Thannhausen aufbauen. Da stellt sich auch auf Kreisebene die Frage, wie eine künftige Nachnutzung des Kreisaltenheims aussehen könnte.

Was schwebt ihnen vor?

Brandner: Das Thema Altwerden auf dem Land spielt eine große Rolle. Möglich wäre etwa eine Art betreutes Wohnen. Natürlich muss ein Investor gefunden werden, der das Objekt als Seniorenstandort ausbaut.

Vor drei Jahren wurde bereits einmal ein Anlauf unternommen, die Bahnhofstraße baulich aufzuwerten. Da jedoch auf viele Anwohner immense Kosten zugekommen wären, wurde das Projekt verworfen. Wie geht es mit der Neuen Mitte weiter?

Brandner: Es geht ja primär um die Entwicklung der Stadt. Ein neuer Gehwegbelag sorgt auch nicht automatisch für eine Attraktivitätssteigerung. Fakt ist aber, je attraktiver die Stadt ist, desto mehr Wirtschaftskraft wird generiert. Dabei geht es auch um die innere Vernetzung der Stadt und die daraus folgende Gemeinschaftsleistung. Jeder der etwas macht, tut das nicht nur für sein eigenes Wohl.

Wie geht die Stadt dabei vor?

Brandner: Die Stadt bietet den Anliegern im Kernbereich beispielsweise Zuschüsse für die Fassadengestaltung, um das Erscheinungsbild der Stadt aufzuwerten. Außerdem führt die Stadt derzeit Gespräche mit der Uni Augsburg, wie diese uns in der Stadtentwicklung weiter unterstützen kann. Da gibt es zum Beispiel Überlegungen, ein Netzwerk aufzubauen, das über den bestehenden Wirtschaftskreis hinausweist.

Das Thema Brauereimuseum hat in der Stadt zuletzt für Furore gesorgt. Wie sehen Sie die Angelegenheit?

Brandner: Die Debatte ist abgeschlossen. So sehr ich das Engagement von Herrn Göttner schätze, war ich von dem Konzept nicht überzeugt. Zumal es andere Hausaufgaben im bestehenden Heimatmuseum zu erledigen gibt. Zum Beispiel beim Brandschutz oder der Barrierefreiheit.

Ein Anlieger hat einen Antrag auf die verkehrliche Anbindung des Alpenblicks an die B 300 gestellt. Wie beurteilen Sie diesen Antrag?

Brandner: Rein sachlich betrachtet ist Verkehrserschließung eine gemeindliche Sache. Meines Erachtens sollte die Struktur auf die Innenstadt zulaufen. Außerdem hat die Naturschutzbehörde im Landratsamt die Zufahrt über die Birkenallee abgelehnt. Das ist eine einbahnige Anliegerstraße zur landwirtschaftlichen Nutzung, keine beidseitig befahrbare Erschließungsstraße. Entweder gibt es eine Birkenallee oder eine funktionsfähige Straße, beides funktioniert allein aufgrund der vorhandenen Trassenbreite nicht.

Interview: Stefan Reinbold

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