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02.11.2008

Experten zerlegen Computer-Alibi

Welche Aussagekraft haben zwei Alibis des mutmaßlichen Täters, der am 20. September 2006 eine sechsfache Mutter in ihrem Haus in Krumbach erschlagen haben soll? Darum ging es am dritten Prozesstag vor dem Landgericht Augsburg.

Der Angeklagte hat sich nach eigenen Angaben am Tattag in seiner Wohnung in Offenhausen aufgehalten. Nach dem Aufstehen und der Morgentoilette habe er angeblich seine Ehefrau angerufen, die mit dem gemeinsamen Sohn auf dem Weg zu den Schwiegereltern in Ehingen unterwegs war. Das Telefongespräch hat tatsächlich stattgefunden. Das haben Experten der Kripo festgestellt (siehe unten). Die Nummer wurde an insgesamt drei Funkmasten im Bereich Neu-Ulm aufgelistet. Im Telefonat um 9.24 Uhr will der Angeklagte seiner Frau mitgeteilt haben, dass er jetzt am Computer fünf CDs kopieren und brennen werde. Das hatte sie ihm aufgetragen. Im Systemprotokoll des Computers ist der Brennvorgang sekundengenau festgehalten.

Manipulation ohne Spuren möglich

Ob sich die Systemzeit manipulieren lasse, wollte Wolfgang Rothermel, der Vorsitzende Richter der 8. Kammer, wissen. "Das ist möglich, ohne dass Spuren hinterlassen werden", erklärte ein Kripo-Beamter. Dafür müsse beim Start des Computers ins sogenannte Bios-System gegangen werden. Wie das genau funktioniert, demonstrierte Thomas Hösl anschaulich vor Gericht. Der Sachverständige von der Industrie- und Handelskammer für Oberbayern und München erklärte an seinem Laptop anschaulich, wie einfach sich die Systemzeit verstellen lässt. "Das ist ohne weitere Programmierkenntnis möglich", sagte er. Und: Es sei hernach nicht mehr nachvollziehbar.

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Dass sich der Angeklagte mit Computern auskennt, sagte er in einer Vernehmung. Hin und wieder habe er Bekannten bei Problemen mit dem PC weitergeholfen. Beispielsweise könne er den PC-Start beschleunigen.

Nach der Hypothese der Staatsanwaltschaft ist es denkbar, dass der Angeklagte die PC-Uhr manipuliert hatte. Anschließend brannte er die fünf CDs und fuhr dann von Offenhausen nach Krumbach. Dort überraschte er die sechsfache Mutter und tötete sie mit 52 Hammerschlägen.

Vierter Verhandlungstag Fortgesetzt wird der Prozess am Freitag, 14. November, im Strafjustizzentrum Augsburg.

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