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Deisenhausen

28.11.2018

Farbe für die Welt aus dem schwäbischen Dorf Deisenhausen

Ein starkes Team macht das kleine Unternehmen Irsa aus Deisenhausen zum Global Player. Von links: Apostolidis Prodromos, Jürgen Pflüger, Lydia Söll, Brigitta Keller, Lilo Sallinger, Renate Marx, Lorenz Konrad, Jennifer Yeats, Andrea Lecker und Kenan Erki.
Bild: Gertrud Adlassnig

Irsa-Lacke in Deisenhausen werden in der Deutschen Botschaft in Bangkok, in einer russischen Ballettakademie oder im Augsburger Maximilianmuseum eingesetzt. Wie der internationale Erfolg zustande kommt.

Auch eine Manufaktur auf dem Land kann ein „Global Player“ sein. Den Beweis tritt das kleine Fachunternehmen für Oberflächenbehandlung Irsa in Deisenhausen an. Auch, wenn es manchmal gar nicht so einfach ist, die weltweiten Geschäfte vom ländlichen Standort aus zu koordinieren.

Für Geschäftsführerin Lilo Sallinger ist der Standort Deisenhausen in vielerlei Hinsicht ideal. Aber ein großes Defizit wird ihr regelmäßig zum Ärgernis: „Wenn wir mit Kunden und Architekten irgendwo auf der Welt kommunizieren, schlagen sie meist eine Telefonkonferenz vor. Da muss ich dann leider passen.“ Lilo Sallinger, die seit über 30 Jahren die Geschicke der von ihrer Mutter Irmgard gegründeten Lackfabrik leitet, ärgert sich noch immer, vor einigen Jahren eine falsche Entscheidung getroffen zu haben. „Unsere Nachbarn, aufstrebende junge Leute in der IT-Branche, haben uns vorgeschlagen, gemeinsam ein leistungsstarkes Netz aufzubauen, die Digitalisierung selbst in die Hand zu nehmen. Ich habe den Versprechungen der Politiker geglaubt, mit dem Resultat, dass wir hier in Deisenhausen noch immer abgehängt sind.“

Dabei sieht Irsa in der digitalen Präsentation seiner Produkte den Weg in die Zukunft. Die Lacke, Öle und Spezialbeschichtungen sind erklärungsintensive Produkte, deren Vorteile gegenüber der Konkurrenz sich nicht von selbst erschließen. In Internetauftritten, über Youtube oder eine App könnten potenzielle Interessenten erreicht und dank ausführlicher Informationen wie neutralen Zahlen, Tabellenmaterial, Anwendungsfilmen und Tipps auch für die Produkte gewonnen werden, ist Lilo Sallinger überzeugt. Den Mangel an Infrastruktur gleicht das Team mit Engagement und Erfindungsgeist aus.

Aus der breit differenzierten Produktwelt Helmut Sallingers, der vor allem mit Polyurethan experimentierte und produzierte, haben Ehefrau Irmgard und später Tochter Lilo zukunftsorientierte Produktreihen weiterentwickelt. Heute ist das Unternehmen bekannt für seine Umweltverantwortung. „Nachhaltigkeit und Umweltverträglichkeit stehen bei uns im Fokus. 90 Prozent der Irsa-Produkte sind verbraucher- und umweltfreundlich.“

Schwerpunkt des Unternehmens sind Produkte für die Beschichtungen und Versiegelungen von Holzoberflächen, insbesondere von Parkett. Dafür braucht der Handwerker Öl oder Lack. „Öle beschichten die Oberfläche, Lacke versiegeln sie. Entsprechend unterschiedlich ist die Wirkung. Da die Anforderungen an Böden andere sind als an Möbel, müssen dafür unterschiedliche Produkte hergestellt werden“, erklärt Lilo Sallinger. Dennoch müssen die Oberflächen in einem Raum harmonieren. Dafür ist auch eine Menge Dienstleistung erforderlich. Denn jeder Kunde soll am Ende ein Optimum erhalten, das genau auf seine Bedürfnisse abgestimmt ist. So kann es sein, dass Irsa eine spezielle Farbgrundierung für einen Buchenholzboden mit einem matten Lack kombiniert, um eine möglichst natürliche Holzwirkung zu erzielen, und zugleich größtmögliche Strapazierfähigkeit erreicht. „Solche Lösungen können wir nur mit gutem Fachhandwerk erreichen“, erklärt Lilo Sallinger. Doch dieses nehme kontinuierlich ab.

Die Firma achtet auf die Trends in Architektur und Innenausstattung

In der Architektenwelt und besonders im Bereich des Innendesigns ist die optische Abstimmung von Wand, Boden und Decke ein absolutes Muss. Um ganz vorn mitspielen zu können, muss Irsa immer auch auf die Trends in der Architektur und Innenausstattung achten. Nur so konnte es dem Deisenhauser Unternehmen gelingen, weltweit Architekten auf sich aufmerksam zu machen. Irsa verkauft nicht nur ein Produkt, sondern ein Konzept. Egal ob es sich um einen unschön verfärbten Fußboden in einem Krumbacher Geschäft handelt oder um die deutsche Botschaft in Bangkok, das Maximilianmuseum in Augsburg oder die Ballettakademie in Russland. „Wir analysieren, welcher Nutzung ein Bodenbelag standhalten muss und welche Optik für den Raum optimal ist. Da spielen die unterschiedlichsten Faktoren eine Rolle“, erklärt Firmenchefin Sallinger. Denn die ästhetischen Ansprüche in den unterschiedlichen Kulturkreisen gehen weit auseinander. Die einen wollen extrem matte Oberflächen, für andere zeigt sich die Wertigkeit in brillantem Glanz.

Eine besondere Herausforderung für Irsa war die Entwicklung eines Bühnenlacks. Der muss die Oberfläche versiegeln, darf aber keinerlei Lichtreflexionen ermöglichen. Doch auch diese Aufgabe konnte von der Deisenhauser Firma gelöst werden. Die Menge an verbautem Holzboden hat sich durch den Rückgang im Wohnbau und dem Trend zu Fertigparkett, Laminat und PVC-Belägen reduziert. Das ist nicht nur für die Handwerker und die Lackfabrik problematisch. „Das ist das Gegenteil von Nachhaltigkeit. Ein Parkettboden mag in der Anschaffung teuer sein, aber seine Haltbarkeit ist fast unbegrenzt. Einfachere Fertigparkette dagegen können nicht beliebig oft aufgearbeitet werden, denn sie haben eine vergleichsweise dünne Oberfläche.“

Das Unternehmen mit einer eigenen Entwicklungsabteilung kann auf die unterschiedlichen Bedingungen der eingesetzten Hölzer in den verschiedenen Regionen reagieren. „Was bei uns als Exote gilt und deshalb geächtet ist, ist in anderen Teilen der Welt das natürliche Produkt, das vor der Haustür wächst. Jede Holzart braucht spezielle Oberflächenbehandlung, um ihre Schönheit zur Geltung zu bringen.“ Grundsätzlich gilt. Je dunkler das Holz, um so mehr Glanz benötigt es.

Neben den Lacken und Ölen entwickelt Irsa immer wieder neuartige Oberflächenbehandlungen. Derzeit, erklärt Lilo Sallinger, hätten Architekten die einheitliche Gestaltung eines Raumes entdeckt, in dem Wände, Decken und Böden eine identische Optik haben, indem sie mit zementärer Spachtelmasse behandelt werden. Diese Oberfläche erhält dann eine Imprägnierung oder Versiegelung. Irsa hat die passenden Produkte dafür entwickelt. „Solche Oberflächen finden sich selten in normalen Wohnräumen, sie werden in Lofts, Museen oder Showrooms eingesetzt und sind sehr kostspielig.“

Um mit dabei zu sein, muss die Deisenhauser Lackfabrik die Kontakte zu den Architekten und den Fachhandwerkern pflegen. Denn nur im Zusammenspiel aller können die Produkte perfekt eingesetzt werden.

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