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Krumbach

10.02.2018

Feuerwehr: Jeder hat seine Aufgabe

Wer die Krumbacher Feuerwehr gerne kennenlernen möchte, kann das am Tag der offenen Tür am 22. Juli, der anlässlich des 65-jährigen Jubiläums der Jugendfeuerwehr stattfindet.
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Wer die Krumbacher Feuerwehr gerne kennenlernen möchte, kann das am Tag der offenen Tür am 22. Juli, der anlässlich des 65-jährigen Jubiläums der Jugendfeuerwehr stattfindet.
Bild: Feuerwehr Krumbach

Was Mathias Vogel bei der Freiwilligen Feuerwehr Krumbach macht und, warum er es gern macht.

Samstag Abend. Die Familie sitzt entspannt am reich gedeckten Tisch in einem Krumbacher Restaurant. Die Kinder futtern vergnügt ihr Schnitzel mit Pommes, während die Mama an ihrer Weinschorle nippt. Plötzlich legt der Papa hastig sein Besteck zur Seite, springt auf und eilt geschwind zur Tür hinaus – begleitet von einem recht deutlich vernehmbaren Piepsgeräusch. Die Kinder wissen: Das Piepsgeräusch ruft den Papa zum Einsatz. Denn der ist Mitglied bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Seit 20 Jahren ist Mathias Vogel dabei. Inzwischen ist er der Kommandant der Krumbacher Wehr. „Im Fußballverein weiß man: An diesen Tagen ist Training, an jenem Tag haben wir ein Spiel“, vergleicht der 31-jährige Krumbacher, „Feuerwehr-Einsätze kommen immer unverhofft“. Da bleibt schon mal die Familie im Restaurant zurück. Oder die Kumpels in der Kneipe. Zeit für Diskussionen oder zum Bezahlen bleibt da nicht. „Großer Dank gebührt den Krumbacher Unternehmen, die es ihren Mitarbeitern ermöglichen, die Arbeit für einen Einsatz zu verlassen,“ sagt er.

Nicht jeder Feuerwehrmann muss sich in brennende Gebäude wagen

Vogel strahlt große Ruhe aus, wenn er spricht. Ist das Bedingung, um Feuerwehrmann zu sein? „Spaß am Helfen ist die wichtigste Voraussetzung“, ist Mathias Vogel überzeugt. „Auch Offenheit gegenüber Neuem gehört dazu“. Kurz hält er inne, bevor er grinsend hinzufügt: „Ich finde aber für jeden eine Aufgabe“. Nicht jeder Feuerwehrmann muss sich in brennende Gebäude wagen. 250 Mitglieder hat der Feuerwehrverein. Davon leisten 98 aktiven Dienst – darunter auch fünf Frauen.

Zu den modernen Herausforderungen gehört die Inklusion. Eine Bewohnerin einer Wohngruppe des Dominikus-Ringeisen-Werkes steht ihre Feuerwehr-Frau. „Sie ist mit großer Begeisterung dabei“, freut sich Vogel, gibt jedoch zu bedenken: „Natürlich gilt abzuwägen, welche Aufgaben zumutbar sind. Wir haben große Verantwortung, sind aber jederzeit offen“. Das gilt auch für Asylbewerber: „In vielen arabischen Ländern ist die Arbeit der Feuerwehr bei der Polizei angesiedelt. Vielleicht gibt es hier schlechte Erfahrungen oder eine gewisse Distanz“, vermutet der überzeugte Feuerwehrmann. „Ich glaube, viele Migranten kennen das System freiwillige Feuerwehr nicht richtig.“

Die Aufgaben ändern sich. „Früher sind wir im Insektenschutzanzug bei 35 Grad im Dachboden rumgekrabbelt, um jährlich 30 Wespennester zu entfernen“. Heute gibt es nicht nur den Naturschutz zu beachten, sondern auch Kammerjäger. „Die leben schließlich davon“. Für die Feuerwehr bleibt trotzdem genug zu tun. Neben der klassischen Brandbekämpfung wie in der Gaststätte Kachelofen, warten viele weitere Einsätze: Wohnungsöffnungen, Drehleiterrettungen, Verkehrsabsicherung, Wasser im Keller.

Vogel: „Da werden gerne Feuerwehreinsätze kritisiert, obwohl die Leute gar keine Ahnung haben“

Zur Arbeit der Feuerwehr gibt es reichlich Rückmeldung in den sozialen Medien. „Da werden gerne Feuerwehreinsätze kritisiert, obwohl die Leute gar keine Ahnung haben“, stellt Vogel fest. „Wenn man dann erklärt, dass man das ehrenamtlich macht und was für Know-how dahintersteckt, ändert sich der Ton schnell“. Auch hier zeigt sich wieder die Gelassenheit des Krumbacher Kommandanten. Eine wertvolle Eigenschaft im Feuerwehralltag.

Rund 40 Kilo wiegt eine komplette Ausrüstung für den Atemschutzeinsatz. Aber nicht nur die physischen Anforderungen sind hoch. Die psychische Belastung hängt von der Art des Einsatzes ab. „Es macht einen großen Unterschied, ob Kinder oder Erwachsene betroffen sind. Und natürlich hat man für eine ältere Dame, die von einem LKW überfahren wird, mehr Mitleid als für jugendliche Raser unter Alkoholeinfluss“, erklärt Vogel. „Geöffnete Körper aus einem PKW schneiden, ist eine Aufgabe für ausgewählte Feuerwehrleute“. Da sind die Rettungssanitäter, Krankenpfleger und hart gesotteneren Veteranen in der Truppe gefragt. Die jüngeren Kameraden bleiben hier möglichst außen vor. „Oft unter Protest“, kommentiert der Kommandant. Er ist sich seiner Verantwortung bewusst und hinterfragt sich auch selbst nach einem Einsatz: „Hab ich alle Entscheidungen richtig getroffen? Oder mich mal im Ton vergriffen?“

Kameradschaft ist ein wichtiges Element des Feuerwehrdienstes. „Nach einem Einsatz kommt die ganze Mannschaft im Feuerwehrhaus zusammen, um das Geschehen Revue passieren zu lassen“. Er erinnert sich an einen besonders bitteren Einsatz, bei dem seine Leute einen Kameraden nach einem Motorradunfall bergen mussten. „Da ist man keinem bös, wenn der mal hier unten hockt und heult“.

Die ehrenamtliche Arbeit von Mathias Vogel und seinem Feuerwehr-Team ist für Krumbach von unschätzbarem Wert. Wer die Krumbacher Feuerwehr gerne kennenlernen möchte, kann das am Tag der offenen Tür am 22. Juli, der anlässlich des 65-jährigen Jubiläums der Jugendfeuerwehr stattfindet.

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