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Jubiläum

27.04.2019

Fleischwerke Zimmermann: Aus Thannhausen in die ganze Welt

Noch heute firmieren die Fleischwerke Thannhausen am Ort ihrer Gründung: In der heutigen Edmund-Zimmermann-Straße wurde das Unternehmen am 7. Mai 1894 als kleine Metzgerei gegründet.
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Noch heute firmieren die Fleischwerke Thannhausen am Ort ihrer Gründung: In der heutigen Edmund-Zimmermann-Straße wurde das Unternehmen am 7. Mai 1894 als kleine Metzgerei gegründet.
Bild: Archiv Fleischwerke E. Zimmermann

Plus Seit 125 Jahren produzieren die Fleischwerke Zimmermann Fleisch- und Wurstwaren. Warum Wurstdosen bis zum Äquator und zurück segelten.

Es ist der Tag ihrer Hochzeit, an dem Barbara und Edmund Zimmermann in Thannhausen den Grundstein für eine bis heute andauernde Erfolgsgeschichte legen. Am 7. Mai 1894 gründen die beiden frischvermählten Thannhauser Unternehmerkinder eine kleine Metzgerei in der damaligen oberen Marktstraße.

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Genau 125 Jahren später stehen an dieser Stelle nach wie vor die Fleischwerke Thannhausen mit heute rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern. Julian Hertzig, seit 2017 Geschäftsführer, ist stolz, in diesem Jahr das Firmenjubiläum des bedeutenden Unternehmens feiern zu können.

Die Bedeutung, die das Unternehmen für die Stadt Thannhausen hat, zeigt sich auch darin, dass nach Edmund Zimmermann die Straße benannt wurde, an der die Fleischwerke bis heute ihren Sitz haben. Als Erstem überhaupt wurde ihm auch die Ehrenbürgerwürde der Stadt verliehen. Dabei hatte den beiden Jung-Unternehmern anfangs niemand zugetraut, dass sie mit ihren Fleisch- und Wurstwaren auch überregional Erfolg hätten. Das Zeitalter der Haltbarmachung von Lebensmitteln durch Erhitzen war gegen Ende des 19. Jahrhunderts gerade erst angebrochen. Daher brauchte es viele Versuche, bis die Dauerwaren und Konserven der Zimmermanns den eigenen Qualitätsansprüchen genügten.

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Die königliche Residenz wird beliefert

Dann aber förderten die zunehmende Elektrifizierung und die ebenfalls 1894 eröffnete Eisenbahnverbindung Thannhausen–Dinkelscherben die Unternehmensentwicklung. Spätestens mit der Ernennung zum „königlich bayerischen Hoflieferanten“ durch Prinzregent Luitpold im Jahr 1906 hatten sich Barbara und Edmund Zimmermann einen Namen gemacht. Regelmäßig wurden jetzt die königliche Residenz in München und die Villa des Königs in Berchtesgaden beliefert.

Produktion historisch: Bis ins Jahr 1987 wurden Rinder und Schweine direkt in Thannhausen geschlachtet und verarbeitet.
Bild: Archiv Fleischwerke E. Zimmermann

Der Ausbruch des Ersten Weltkriegs bremste die Unternehmensentwicklung. Nach der Aufhebung der Zwangswirtschaft in der Nachkriegszeit mussten die Fleischwerke Zimmermann in den 1920er Jahren ihre Handelsbeziehungen mühsam von Neuem aufbauen und sich gegenüber der wachsenden Konkurrenz auf einem mittlerweile hart umkämpften Markt behaupten.

Mit der Wurst-Konserve zum Äquator gesegelt

Ein für Zimmermann glücklicher Umstand war die im August 1920 in München stattfindende Allgemeine Nahrungs- und Genussmittel-Ausstellung, kurz Anuga. Barbara und Edmund Zimmermann luden die Teilnehmer mittels eines Sonderzuges kurzerhand nach Thannhausen ein und bauten damit ihre Geschäftsbeziehungen aus. Ein weiteres besonderes Ereignis in der Firmengeschichte war die sogenannte „Äquatortaufe“, bei der 1923 eine Auswahl an Konserven mittels Schiff bis an den Äquator und zurück transportiert wurde. Damit wollte man die Haltbarkeit der Produkte testen, was auch gelang.

Familie Zimmermann musste schwere Schicksalsschläge verkraften

Bei allem beruflichen Erfolg hatten Barbara und Edmund Zimmermann schwere Schicksalsschläge zu verkraften. Bereits 1914 starb unerwartet ihr 19-jähriger Sohn Edmund. Einige Jahre zuvor hatten sie bereits ihren dreijährigen Sohn Oskar verloren. Damit richteten sich nach dem Tod der männlichen Erben alle Hoffnungen auf die einzige Tochter Barbara, die 1919 den Kaufmann Fritz Kieninger heiratete. Aus dieser Ehe gingen die drei Kinder Barbara, Margarete und Fritz hervor. Doch das Glück war nur von kurzer Dauer. 1935 starb Barbara Kieninger nach einer kurzen schweren Erkrankung und hinterließ damit eine nur schwer zu schließende Lücke.

Als 1940 und 1941 auch die beiden Unternehmensgründer Barbara und Edmund Zimmermann starben, übernahm der Schwiegersohn Fritz Kieninger die schwierigen Geschäfte während des zweiten Weltkriegs. Dieser hinterließ deutliche Spuren: Das Zweit-Werk im österreichischen Berndorf, das seit 1926 zum Unternehmen gehörte, wurde enteignet und demontiert. Die firmeneigenen Großverteilstellen in München und Berlin waren durch Bombenangriffe zerstört worden. Der Produktionsbetrieb in Thannhausen musste mit Kriegsende sogar kurzzeitig eingestellt werden.

Bis heute haben die Fleischwerke Zimmermann ihren Firmensitz mitten in Thannhausen. Die Luftaufnahme aus den 1960er Jahren zeigt auch den markanten Schornstein der Dampfmaschinen, der in den 2000er Jahren abgerissen wurde.
Bild: Archiv Fleischwerke E. Zimmermann

Dass das Unternehmen bis heute existiert, ist wohl nur der Durchsetzungskraft und Hartnäckigkeit Fritz Kieningers zu verdanken, der die Fleischwerke in der Nachkriegszeit trotz Zwangswirtschaft wieder auf solide wirtschaftliche Beine stellte und bald wieder mehr als 400 Arbeitskräfte beschäftigte.

Mit Unternehmerfleiß und Geschäftssinn legte seine Tochter Margarete Ammon ab den 1960er Jahren den Grundstein für die Umwandlung der Traditionsfabrik zum modernen Fleischwarenbetrieb. In dieser Zeit wurden die Fleischwerke Zimmermann auch zum ersten Hersteller von Weißwürsten in Konserven – bis heute eines der bekanntesten Produkte des Unternehmens.

Heute sind rund 300 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter für die Fleischwerke Zimmermann tätig. Das Foto zeigt einen Teil der Belegschaft im Jahr 2018.
Bild: Archiv Fleischwerke E. Zimmermann

Fleisch- und Wurstwaren in über 32 Ländern angeboten

Im Jahr 1989 erfolgte dann einer der wohl bedeutendsten Meilensteine seit der Gründung: Margarete Ammon verkaufte die Fleischwerke an die Ehrmann AG aus Oberschönegg, in deren Besitz sich das Unternehmen bis heute befindet. Kurz darauf begannen erste Exporttätigkeiten ins europäische Ausland. Heute werden die Fleisch- und Wurstwaren in über 32 Ländern angeboten. Trotzdem ist Geschäftsführer Julian die Verbundenheit zur Heimat besonders wichtig: „Wir waren und sind ein Thannhauser Unternehmen. Wir beschäftigen heute noch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter deren Groß- und Urgroßeltern bereits bei uns tätig waren. Hier ist unsere Heimat und hier übernehmen wir auch Verantwortung.“

Bekenntnis zum Standort: Firma investierte vier Millionen Euro für Neubau in Thannhausen

Und wenn in wenigen Tagen das 125-jährige Gründungsjubiläum an der Edmund-Zimmermann-Straße mit einem Festakt gefeiert wird, möchte er auf die nächsten 125 Jahre erfolgreiche Unternehmensgeschichte anstoßen. Ganz im Sinne von Barbara und Edmund Zimmermann, die mit unternehmerischer Weitsicht gehandelt haben und trotzdem ihrer Heimat treu geblieben sind. „Das soll auch in Zukunft so sein,“ sagt Julian Hertzig.

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