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Interview

21.10.2020

Formtief vor Heimrennen: Georg Egger spricht über sein "verkorkstes Jahr"

Es war bisher ein schweres Jahr für Mountainbiker Georg Egger. Probleme mit dem Training und Krankheiten hatten den Obergessertshauser zurückgeworfen. Entsprechend ernüchternd war sein jüngster Auftritt bei der Weltmeisterschaft im österreichischen Leogang, wo er auf Rang 56 landete. Bei der Premiere der deutschen Meisterschaft auf seiner Heimstrecke will er die Saison noch zu einem versöhnlichen Abschluss führen.
Bild: Lynn Sigel/Ego-Promotion

Plus Mountainbiker Georg Egger über die Gründe für sein Formtief und seine Titelchancen bei der deutschen Meisterschaft auf seiner Heimstrecke in Obergessertshausen.

Mountainbiker Georg Egger hat ein durchwachsenes Jahr hinter sich. Im Weltcup und bei der WM fuhr er nur hinterher, die EM ließ er ganz sausen. Nicht die besten Voraussetzungen, um am Samstag auf seiner Heimstrecke in Obergessertshausen den deutschen Meistertitel zu holen. Im Interview erklärt der 25-Jährige, warum er sich trotzdem etwas ausgerechnet, wo die Gründe für seine schwache Saison liegen, und wie es um seine Chancen auf eine Olympia-Teilnahme steht.

Georg, am Samstag findet auf deiner Heimstrecke in Obergessertshausen zum ersten Mal die deutsche Meisterschaft im Cross Country statt. Ausgerechnet jetzt scheinst du in einem Formtief zu stecken. Wie sehr belastet dich das?

Georg Egger: Klar hätte ich mir das anders gewünscht. Es wäre ein Traum, meinen ersten deutschen Meistertitel daheim einzufahren. Aber ich mache mich jetzt nicht verrückt, weil meine Form nicht ideal ist. Wenn ich gestern gestürzt wäre, hätte ich das schwerer verkraftet. Aber diese Situation hatte sich ja angebahnt.

Im Weltcup und bei der Weltmeisterschaft hat es zuletzt nicht einmal für einen Platz unter den Top 50 gereicht. Was läuft schief zur Zeit?

Georg Egger: Ich habe die letzten Wochen eine hartnäckige Erkältung mit mir rumgeschleppt. Wenn du nicht hundertprozentig gesund bist, ist es auch schwer, den Körper zu Höchstleistungen zu bringen. In einer normalen Saison wären diese ganzen wichtigen Rennen nicht so kurz hintereinander gewesen. Aber so war ich genau zu falschen Zeit angeschlagen.

Georg Egger trainiert mit ehemaligem Mountainbike-Profi Florian Vogel

Wie fühlst du dich jetzt?

Georg Egger: Mir geht es wieder gut. Ich habe bewusst vergangenes Wochenende auf einen Start bei der Europameisterschaft verzichtet und wenig trainiert, um wieder gesund zu werden. Mir war wichtig, dass ich am Samstag ein gutes Rennen abliefern kann.

Die Erkältung kann aber doch nicht der einzige Grund sein, warum es in letzter Zeit nicht so recht laufen will bei dir.

Georg Egger: Nein, dieses Jahr ist grundsätzlich verkorkst. Ich hatte im Winter angefangen, mit dem ehemaligen Profi Florian Vogel zu trainieren (zweimaliger Europameister aus der Schweiz, Anm. d. Red.). Nach zwei Jahren Training in Eigenregie habe ich mir einen neuen Input erhofft, um den nächsten Schritt zu machen. Am Anfang lief es gut. Aber irgendwann habe ich gemerkt, dass es von der Intensität zu viel wurde. Es gab oft Tage, da war ich mit dem Trainingsplan nicht einverstanden. Ich habe gemerkt, dass mir das Training nicht immer guttut. Vielleicht lag es daran, dass Flo ein anderer Fahrertyp als ich ist. Was für ihn funktioniert hat, muss nicht für mich funktionieren. Ich habe trotzdem einiges gelernt. Aber seit März trainiere ich wieder für mich.

Georg Egger gehört zur deutschen Spitze im Mountainbike. Er ist Teil des Lexware Mountainbike-Teams.
Bild: Max Fuchs/Ego-Promotion

Also war falsches Training der Grund für die eher schwache Saison?

Georg Egger: Das hat mit Sicherheit eine Rolle gespielt. Ich war nach dem Wintertraining richtig erschöpft. Vielleicht habe ich es auch selbst übertrieben. Ich bin im Frühjahr sehr viele Rennen gefahren, deutlich mehr als meine Konkurrenten. Dann kamen noch zwei Magen-Darm-Infekte dazu, die mich zurückgeworfen haben.

Mountainbike-Rennen in Obergessertshausen muss ohne Zuschauer stattfinden

Unter diesen Umständen, was glaubst du, wie es am Samstag für dich laufen wird? Immerhin ist die gesamte deutsche Spitze am Start, unter anderem der letztjährige Sieger Max Brandl und der fünffache deutsche Meister Manuel Fumic.

Georg Egger: Fumic ist zwar gemeldet, wird aber wohl nicht starten. Er ist auch nicht fit und hat schon WM und EM verpasst. Aber trotzdem werden Szenekenner mich wohl kaum als Titelfavoriten einordnen. Trotzdem denke ich, dass ich Siegchancen habe. Ich habe mich jetzt zwei Wochen lang voll auf dieses Rennen konzentriert und will keine Zweifel zulassen. Zudem haben meine Konkurrenten durch die EM ein Rennen mehr in den Beinen.

Ist es für dich ein Vorteil, dass du die Strecke in Obergessertshausen besser kennst als jeder andere Fahrer?

Georg Egger: Klar! Und diesen Vorteil will ich auch nutzen, gerade weil es formmäßig nicht so läuft.

Aufgrund der Corona-Lage muss das Rennen ohne Publikum stattfinden. Dämpft das etwas die Freude?

Georg Egger: Anfeuerung kann einem schon helfen. Aber ich denke, ich habe auch so die meisten Fans an der Strecke (lacht). Die ganzen Streckenposten und so weiter sind ja von meinem Verein, dem MSC Wiesenbach. Und bei den aktuellen Fallzahlen halte ich es für wichtig, ein Zeichen nach außen zu setzen. Das einzige Rennen, das ich in diesem Jahr vor Zuschauern hatte, war in Tschechien. Und dort sind jetzt die Zahlen explodiert.

Georg Egger sieht noch Chancen auf eine Teilnahme an den Olympischen Spielen in Tokio

Unabhängig davon, wie das Rennen am Samstag ausgeht, welche persönliche Bilanz ziehst du für dieses Jahr?

Georg Egger: Ich bin nicht enttäuscht. Es lief den Umständen entsprechend, die ich schon erklärt habe. Wenn man im Weltcup fährt, geht es gegen die Besten. Da kann es schnell passieren, dass man abrutscht, wenn nicht alles ideal läuft. Zumal ich mich bei kleineren Rennen im Frühjahr deutlich besser gegenüber der Weltspitze behauptet habe.

Im kommenden Jahr wird es ernst im Kampf um einen Olympia-Startplatz. Wie siehst du deine Chancen?

Georg Egger: Ich glaube, dass ich von den Topleuten nicht so weit weg bin. Mir ist wichtig, dass ich jetzt mehr Ruhe reinbringe. Ich denke, ich habe meinem Körper in diesem Jahr zu wenige Pausen gegönnt. Was Olympia angeht, sehe ich durchaus noch Chancen. Dazu muss ich aber konstant abliefern. Sportler, die über Jahre konstant fahren, haben beim Kampf um einen Olympia-Startplatz definitiv einen Vorteil. Es kommt auch darauf an, was meine Konkurrenten machen. Ich schaue jetzt auf mich. Grundsätzlich weiß ich, was ich zu tun habe.

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