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21.09.2007

Franz Tausend, der "Goldmacher" aus Krumbach

Krumbach/Südtirol Manchmal gibt es schon seltsame Zufälle: Gerade jetzt, wo die Freundschaft der Bürgerkapelle Kaltern mit dem Krumbacher Musikverein sich zum 50. Mal jährt und Südtirol bei den Krumbachern in aller Munde ist, leistet der Heimatverein Krumbach zum Thema Südtirol einen weiteren Beitrag: Nämlich mit dem Krumbacher "Goldmacher" Franz Tausend, der 1925 Schloss Paschbach oberhalb von Eppan in Südtirol kaufte. Der "Goldmacher" ist das Thema einer Ausstellung , die vom 26. September bis zum 10. Oktober in der Krumbacher Sparkasse zu sehen sein wird.

Tatsache ist, dass bereits in den 20er Jahren des vergangenen Jahrhunderts ein Krumbacher, eigentlich ein geborener Hürbener, Gefallen an Südtirol gefunden hatte, nämlich Franz Seraph Tausend, auch "Goldmacher" Tausend genannt. Der Sohn des aus Krumbach stammenden Spenglers und Sympathie-Besprechers Athanasius Tausend und seiner Ehefrau Maria Böller hatte in Südtirol bei Eppan um das Jahr 1925 Schloss Paschbach gekauft; einen für Südtirol so typischen Herren-Ansitz mit 43 Zimmern und einem prachtvollen, alten Park, hoch über Eppan, den er jedoch umgehend auf seine Ehefrau umschreiben und hoch belasten ließ.

"Ein Schelm der Böses dabei denkt", schreibt dazu Franz Wegener, Herausgeber und Autor in seinem Werk "Der Alchemist Franz Tausend - Alchemie und Nationalsozialismus", das im Jahre 2006 erschien.

Franz Tausend hatte kurz vor dem Kauf erhebliche Geldmittel von General Ludendorff erhalten. Er sollte dieses Geld in die Großproduktion zur Herstellung von synthetischem Gold stecken. Hatte er doch den Weltkriegsgeneral davon überzeugt, dass er tatsächlich Gold aus verschiedenen, nahezu wertlosen Substanzen herstellen könne. "Transmutation der Elemente nach dem periodisch-harmonischen System" nannte er seine Methode und beeindruckte damit Ludendorff, der das gewonnene Gold für "vaterländische Zwecke" verwenden wollte. Tatsächlich litt Deutschland damals, nach dem verlorenen 1. Weltkrieg, schwer an den Kontributionszahlungen. Ludendorff und der Kreis um ihn wollten das ändern und sahen in Tausends hoch gepriesener Methode eine gute Chance.

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Nach dem Vorschuss Ludendorffs an Franz Tausend floss weiteres Geld in Strömen. Etliche Kleinanleger, vor allem aber Großindustrielle, wollten mit dabei sein, wenn der große Gold- beziehungsweise Geldsegen ausbricht. So gaben sich eines Tages zum Beispiel ein Mitinhaber von Mannesmann-Röhren und Schöller-Stahl die Klinke zum Tausend'schen Labor in Gilching in die Hand und zwangen Tausend ihre Einlagen förmlich auf, ohne Bürgschaft, ohne Sicherheit. Schließlich hatte ja Ludendorff, der Weltkriegsgeneral, auch keine Sicherung verlangt. Die Sache war für sie sauber.

Dabei hatte Tausend selbst einmal gesagt: "Wir glauben nur das, was wir uns wünschen." Das hätte die Gläubiger aufhorchen lassen müssen. Und schließlich war spätestens seit 1896, seit Becquerels Entdeckung der Radioaktivität von bestimmten Stoffen, zumindest in den einschlägigen Fachkreisen bekannt, dass eine Transmutation der Elemente nach der Methode von Franz Tausend nicht funktionieren kann.

Aber Tausend kauft und blufft weiter. Bei Regensburg kauft er ein Gut, in München in der Romanstraße eine Villa, in Freiberg in Sachsen ein aufgelassenes Silberbergwerk, in Tharandt nahe Dresden ein weiteres Schloss, neben mehreren freigewordenen Werkstätten und Fabriken die er zur industriellen Goldgewinnung ausbauen will, und so weiter und so fort... Geld war in ausreichender Menge vorhanden. Sogar Hocheppan bei Bozen soll einst in seinem Besitz gewesen sein.

Befasst man sich näher mit Franz Tausend und seiner kriminellen Neigung, lassen sich in seinem Charakter durchaus auch schwärmerische, romantische Züge erkennen. Zumal Franz Tausend, nach Auskunft von Elisabeth Blasius von der Krumbacher Stadtapotheke, stets ein bescheidener, aber höflicher, wenn auch etwas kleiner Mann mit besten Manieren gewesen sei, der besonders gegenüber dem weiblichen Geschlecht äußerste Zuvorkommenheit übte. Elisabeth Blasius hatte Franz Tausend in den Jahren 1938/39, damals noch als Volontärin in der Stadtapotheke, kennengelernt, wo Tausend sich, nach seiner wöchentlichen Meldung bei der hiesigen Polizei gegenüber, zum Schachspielen mit Herrn Apotheker Dr. Edmund Blasius einstellte.

Liebe, Sehnsucht nach Südtirol dürfte eher weniger die Triebfeder für Tausends Käufe in Südtirol gewesen sei. Wohl eher der Zufall und die Möglichkeit, das Erträumte, Erwünschte hier erwerben zu können - weit weg vom deutschen Fiskus.

Schloss Paschbach ist übrigens immer noch im Besitz der Nachkommen von Franz Seraph Tausends Tochter und ist heute ein gehobener Hotelbetrieb. Manch' Krumbacher oder Nattenhauser hat dort seither schon Einkehr gehalten und war angetan von dem angenehmen, gefälligen Ambiente.

Ein Vortrag zum Thema "Goldmacher" findet am 2. Oktober, 19.30 Uhr im Gasthof Munding statt. Referent ist Dr. Helmut Bieber, Facharzt für Neurologie und Psychologie, aus Dießen. Die Ausstellung ist vom 26. September bis zum 10.Oktober in der Sparkasse zu sehen.

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