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Natur

24.04.2015

„Für den Vogelschutz kann jeder etwas tun“

Auch die Feldlerche findet man bei uns nur noch vereinzelt vor.
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Auch die Feldlerche findet man bei uns nur noch vereinzelt vor.

Auch in der Region werden viele vom Aussterben bedrohte Feldvogelarten immer seltener. Doch die Vogelschützer im Landkreis sehen auch erfreuliche Entwicklungen

Kürzlich schlugen die Grünen im Bundestag Alarm: Das Artensterben in der heimischen Vogelwelt müsse endlich gestoppt werden. Seit dem Jahr 1960 seien bundesweit 16 Vogelarten ausgestorben oder verschollen. In Bayern belaufe sich die Zahl auf sechs ausgestorbene Vogelarten, teilt das Landesamt für Umwelt (LfU) in Augsburg mit. Doch wie ist es um die Vögel im Landkreis Günzburg bestellt? Sind in den vergangenen Jahren auch bei uns ganze Arten verschwunden? Und was kann gegen den Rückgang der Bestandszahlen unternommen werden?

„Von einem Aussterben einzelner Arten kann man nicht sprechen, dafür ist der Landkreis Günzburg zu klein“, sagt Ottmar Frimmel von der Unteren Naturschutzbehörde am Landratsamt Günzburg. Die Problematik müsse großflächiger betrachtet werden. „Wenn eine Vogelart bei uns verschwunden ist, bedeutet das nicht, dass sie gleich ausgestorben ist“, erklärt er. Ohnehin würden sich die von den verschiedenen Vogelarten bevorzugten Lebensräume klimabedingt immer wieder verschieben. „Beunruhigender als das Verschwinden einzelner Raritäten ist, dass auch bei klassischen Vogelarten, wie Spatzen oder Amseln, die Bestandszahlen zurückgehen“, klagt Frimmel.

Stefan Böhm, Vorsitzender der Ortsgruppe Günzburg des Landesbundes für Vogelschutz (LBV), sieht besonders die Feldvogelarten gefährdet. Dazu zähle etwa die Feldlerche, deren Bestandszahl im Verlauf der letzten Jahre um 70 Prozent zurückgegangen sei. Früher sei die Feldlerche flächendeckend verbreitet gewesen, heute findet man sie nur noch vereinzelt. Ähnlich sei es auch beim Kiebitz, wobei dieser ein eher unkonstantes Vorkommen habe. „Momentan gibt es wieder etwas mehr Kiebitze“, sagt Böhm.

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„Schlecht sieht es vor allem bei den Vögeln aus, die von der Landwirtschaft abhängig sind“, bestätigt Frimmel. Grund hierfür sei vor allem die Intensivierung der Landwirtschaft und der Schwund von Wiesenflächen. „Die Nahrungssuche wird für die Vögel deutlich schwieriger“, erläutert Böhm.

„Bei Schwalben verzeichnen wir einen Rückgang von 60 Prozent“, fügt er hinzu. In diesem Jahr startet der LBV ein Projekt für Gebäudebrüter, zu denen auch die Schwalben zählen. „Alle, die Schwalbennester rund um ihr Haus haben, sollen sich beim LBV melden“, bittet Böhm. Auf diese Weise soll der Schwalbenbestand im Landkreis Günzburg ermittelt werden.

Die Vogelexperten berichten auch von erfreulichen Entwicklungen. So sei in den letzten Jahren der Bienenfresser neu zu den hier lebenden Vogelarten hinzugekommen. „Durch den Klimawandel und die wärmeren Temperaturen breitet sich der Bienenfresser jetzt auch in Deutschland aus“, berichtet Böhm. Andere Vögel, wie etwa die Schleiereule, hätten sich hinsichtlich ihrer Bestandszahlen erholt, ergänzt Frimmel.

Im Landkreis Günzburg gibt es zurzeit in etwa 100 bis 130 Brutvogelarten. „Für den Vogelschutz kann jeder etwas tun“, sagt Frimmel. Jeder könne den Vögeln helfen, indem er etwa Kunstnester aufstellt oder Wildkraut im Garten stehen lässt. „Auch alte Bäume sollte man nicht einfach fällen, denn darin bauen Vögel besonders gerne ihre Höhlen“, betont er.

Erfolge seien hinsichtlich der Rückzugsmöglichkeiten für Vögel zu verzeichnen. „Einige Gebiete, zum Beispiel im Bremental und im Donaumoos, haben sich in den letzten 20 Jahren toll entwickelt“, freut sich Frimmel. „Auch das Mindelrieder Paradies bei Balzhausen ist hochwertig“, fügt Böhm hinzu. Für Wiesenbrüter wie die Feldlerche sei das Gebiet ideal.

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