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Gaismarkt

22.03.2020

Gaismarkt: Tierisches zwischen Kammel und Hasel

Beschaulich, aber mit herrlichem Ausblick, präsentiert sich der Weiler Gaismarkt.
Bild: Ralph Manhalter

War der Weiler Gaismarkt einst eine bedeutende Ansiedlung? Woher der Name kommt.

Ein paar Häuser links und rechts der Hauptstraße, eine beschauliche Kapelle am Wegesrand und schon hat der eilige Reisende den kleinen Ort passiert. Dabei soll Gaismarkt, heute auf der Anhöhe zwischen Niederraunau und Winzer gelegen, gar einmal eine Stadt gewesen sein ... behauptet zumindest eine Sage. Und Sagen, so haben wir doch alle gelernt, beinhalten stets ein Körnchen Wahrheit. Wo liegt dann diese im uns vorliegenden Fall?

Begeben wir uns auf eine – historische – Spurensuche. Zurück im Mittelalter lässt sich feststellen, dass das heutige Gaismarkt damals „Berg“ oder „Berge“ hieß. Von 1286 bis 1293 ist nämlich in den Archiven ein entsprechender Ortsadel genannt, welcher, wie so viele der Klein- und Kleinstherrschaftsgebiete Schwabens, im Lehenverhältnis zum Augsburger Bischofshof standen. Gar ein Burgsitz konnte nachgewiesen werden: Unmittelbar östlich der heutigen Bundesstraße 16 erhebt sich in der Flur „Dobelholz“ ein auffallender Kegel, welcher mit einiger Sicherheit die Wohnstätte dieser vormaligen Herren von Berge getragen haben könnte.

Viel ist natürlich nicht mehr ersichtlich im bewaldeten Gelände. Die Spur der Jahrhunderte hat einen Film des Vergessens über die einstige Burganlage gelegt, wobei – die Gräben und Wälle von Vor- und Hauptburg sind durchaus noch zu erkennen. Mauerreste haben die Zeit nicht überdauert. Zu begehrt als Baustoffe in unserem steinarmen Landstrich waren die aufgegebenen Überreste.

Gaismarkt: Tierisches zwischen Kammel und Hasel

1423 erstmals erwähnt

Im Laufe des Spätmittelalters teilten die Ortsadligen wahrscheinlich das Schicksal vieler lokaler Niederadelsgeschlechter: Sie ereilte das genealogische Pech, starben aus – zumindest wurde nie wieder etwas von ihnen vernommen. Der Name Gaismarkt hingegen wurde in jenen Jahren, genauer 1423 erstmals erwähnt. Damals im Hochgerichtsbezirk der habsburgischen Markgrafschaft Burgau, gehörte die Ansiedlung einem gewissen Stefan von Haßlang zu Hohenraunau, der 1503 seinen Besitz an Egolf von Knöringen weiterveräußerte. Warum auch immer, schon zwei Jahre darauf erfolgte ein erneuter Verkauf, diesmal an das Hochstift Augsburg.

Eine Ansiedlung zur Römerzeit?

Von einer Stadt war allerdings all die Jahre niemals die Rede. Deutungen vermuteten, dass zur Römerzeit hier eine Ansiedlung bestanden haben könnte, deren steinerne Zeugen die Fantasie Spätergeborener anregten. Vielleicht stellte auch nur die Burg vom Talgrund aus betrachtet ein solch imposantes Gemäuer dar, sodass manch Vorübergehender der Ansicht war, dahinter befinde sich eine große Stadt. Relativ sicher hingegen die Deutung des Ortsnamens: Dieser rührt aller Wahrscheinlichkeit nach von den beiden Viehmärkten her, welche am Pfingstmontag und an Michaelis (29. September) ein weit angereistes Publikum angezogen haben sollen. Sogar der Burgauische Landvogt wäre bei diesen Markttagen zugegen gewesen, heißt es in einem alten Bericht aus dem Jahr 1753.

Sie genossen weitreichende Freiheiten

Während dieser Zeit hätten die Untertanen weitreichende Freiheiten genossen. So brauchten sie weder der Herrschaft noch der Pfarrei den sonst üblichen Zehnt abgeben. Allerdings gehörten im Jahre dieser Aufzeichnungen die Viehmärkte auch schon der Vergangenheit an: Beide wurden eines Tages nach Pfaffenhausen verlegt, ins Gebiet des Hochstiftes Augsburg. Was blieb, ist ein netter überschaubarer Weiler mit einem fantastischen Blick hinunter ins Kammeltal. Diese Aussicht dürften vor vielen Jahrhunderten auch die Herren von Berge genossen haben – wenn sie auch niemals Stadtherren waren.

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