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Ebershausen

17.03.2019

Gedenken, Erinnerung und Mahnung in Ebershausen

Heinrich Sauter als junger Soldat
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Heinrich Sauter als junger Soldat
Bild: Thomas NIedermair (Repro)

Die Kameradschaft ehemaliger Soldaten Ebershausen-Seifertshofen feiert ihr 120-jähriges Bestehen, gedenkt der Opfer der Kriege und mahnt zum Frieden.

Am 12. März 1899 wurde der „Veteranen- und Kriegerverein Ebershausen“ in der Brauereigaststätte Albrecht gegründet. Während dieser Zusammenschluss – noch unter dem Eindruck der siegreichen Kriege der Bismarck-Ära – vorrangig von Stolz und Patriotismus geprägt war, richtet der Verein heute als „Kameradschaft ehemaliger Soldaten Ebershausen-Seifertshofen“ nach den leidvollen Erfahrungen von zwei Weltkriegen sein Hauptaugenmerk auf die Mahnung zum Frieden. Dies wurde bei der würdevollen Feier des 120-jährigen Jubiläums am Ehrenmal für die Gefallenen und Vermissten, beim Gottesdienst in der Pfarrkirche und beim Festabend in der Gastwirtschaft Albrecht nachhaltig zum Ausdruck gebracht.

Zunächst marschierten die örtlichen Vereine und Fahnenabordnungen vom Dorfplatz zum Ehrenmal für die Gefallenen und Vermissten der beiden Weltkriege. Dort erinnerte Bürgermeister Herbert Kubicek als Vorsitzender der Kameradschaft daran, dass die 85 Gefallenen und Vermissten, deren Namen verlesen wurden, „alle noch ihr Leben vor sich hatten und oft frisch verlobt oder verheiratet waren“. Mit einer vom Verein gestifteten Schale solle der Toten gedacht werden, denn „wohl alle unsere Familien waren vom Leid der zwei Weltkriege betroffen“. Auch Pfarrer Josef Baur betonte die Wichtigkeit des Einsatzes für den Frieden und verwies auf die für Christen tröstliche Hoffnung, „dass Gott uns im Glauben an die Auferstehung mit den Verstorbenen verbindet“.

Eintreten für den Frieden in allen Lebensbegegnungen hieß es im Gottesdienst in Ebershausen

Der anschließende Gottesdienst in der Pfarrkirche St. Martin wurde vom Musikverein Ebershausen unter der Leitung von Ingrid Mörz mit Liedern aus der Deutschen Messe von Franz Schubert (1826), wie etwa „Wohin soll ich mich wenden, wenn Gram und Schmerz mich drücken?“, angemessen stilvoll gestaltet. „Selig sind die Friedfertigen“, zitierte Pfarrer Josef Baur die Bergpredigt, verwies darauf, dass „im Krieg, trotz aller Grausamkeiten und Schrecken, auch Gutes möglich war, nämlich Kameradschaft und Hilfe für die Verwundeten“. Heute genauso wie damals sei es wichtig, für den Frieden in der Familie, der Arbeit und der Welt sowie zwischen Völkern und Religionen einzutreten, sich über Unrecht zu entrüsten und die eigenen Herzen zu entwaffnen sowie die Hände zu Gott zu erheben.

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Beim Festabend im Gasthof Albrecht – vom Musikverein Ebershausen stimmig gestaltet – bezeichnete Herbert Kubicek das Gedenken an die Gefallenen und Vermissten als „Verpflichtung für die Vergangenheit und wertvoll für Gegenwart und Zukunft“, da die Erinnerung eine Wiederholung solcher Katastrophen verhindern könne. Sein Stellvertreter Anton Atterer dankte allen Vereinsaktiven und -freunden und begrüßte unter den Gästen auch „die Freunde vom Veteranen- und Soldatenverein Nattenhausen“, dessen Vorsitzender Reinhard Strähle seinerseits herzlich zum 120-jährigen Jubiläum gratulierte.

Oswald Strobel, der die Chronik der Kameradschaft seit 1982 weiterführt, rief wichtige Ereignisse aus der Historie des Vereins in Erinnerung, der aktuell 103 Mitglieder zählt, aber wie so viele andere Vereine mit dem Problem des Nachwuchsmangels zu kämpfen habe.

Mit Urkunden geehrt wurden langjährige Vereinsmitglieder. Ein besonders gefragter Gesprächspartner beim Festabend in Ebershausen war der im Jahr 1926 geborene Heinrich Sauter, der als letzter noch lebender Kriegsteilnehmer der Dorfgemeinschaft für 65 Jahre Mitgliedschaft in der Kameradschaft geehrt wurde. Als jüngstes von insgesamt zehn Kindern kam er mit 16 Jahren zum Arbeitsdienst und musste kurze Zeit später als Gebirgsjäger vielerlei Schrecken und Grausamkeiten des Partisanenkrieges an der französisch-italienischen Grenze hautnah miterleben. „Bei meiner Heimkehr war unser Hof ausgeblutet, aber wir haben den Neuanfang geschafft“, erzählt der rüstige und deutlich jünger wirkende Geehrte. Beeindruckend detailliert erinnert er sich an das Kriegsgeschehen und die einzelnen Schauplätze, an die es ihn führte (bei Briancon, Bologna, Pisa, Livorno). Warum er sich – wie die gesamte Kameradschaft – der Wahrung des Friedens verpflichtet fühle, fasst Heinrich Sauter ebenso kurz wie prägnant zusammen: „Den Gefallenen zum Gedenken, den Jetzigen zur Erinnerung, den Kommenden zur Mahnung.“

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