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Ziemetshausen

28.06.2020

Geschichte in Ziemetshausen: Auf den Spuren der Amalie von Mittelburg

Vor dem Rathaus in Ziemetshausen wurde vor einigen Jahren ein Gedenkstein errichtet, der an das Leben der „Burgherrin und Wohltäterin“ Amalie von Mittelburg erinnern soll.
Bild: Ralph Manhalter

Plus Die Mildtäterin Amalie von Mittelburg ist in der Erinnerung der Ziemetshauser fest verankert - auch wenn die Geschichtsforschung an ihrem Sockel rüttelt.

Vor dem Rathaus in Ziemetshausen wurde vor einigen Jahren ein Gedenkstein errichtet, der an das Leben der „Burgherrin und Wohltäterin“ Amalie von Mittelburg erinnern soll. Auch ansonsten ist der Name dieser Adligen in dem Marktflecken im Zusamtal wohl bekannt, erzählt man sich gelegentlich noch so manche Sage dieser frommen Edelfrau. Eine Spurensuche bringt Erstaunliches zutage.

Der Kern dieser Geschichten konzentriert sich auf drei Schwestern, wovon die beiden älteren als geizig und herrisch galten. Die jüngste jedoch, eben obige Amalie, hätte ein mildes Herz gehabt und sei bei armen Leuten und Bauern eingekehrt, um ihnen Trost zu spenden und sicherlich das ein oder andere Mal auch ein Stückchen Brot oder gar Fleisch vorbeizubringen. Währenddessen feierten die anderen Schwestern im Schloss wilde Feste, lästerten Gott und verhöhnten Amalie. Doch die höhere Gerechtigkeit ließ nicht allzu lange auf sich warten: Mit einem Donnerschlag versank die Mittelburg mitsamt ihren frevelhaften Bewohnern in der Erde. Nichts blieb mehr von dem einst stolzen Gemäuer erhalten. Alleine Amalie fand Aufnahme im adligen Damenstift zu Edelstetten.

Geschichten wie die der Amalie von Mittelburg gibt es an vielen Orten

Eine schöne Geschichte, obwohl man zugeben muss, dass dergleichen Konstellationen auch an vielen anderen Orten erzählt werden. Freigiebig und fromm kontra gottesfern und geizig. Auch Märchen verlangen hier eine finale Gerechtigkeit. Allzu verständlich in einer Zeit, als das einfache Volk oft von der Hand in den Mund lebte, während es den Herrschaften in der Regel an nichts mangelte. Aber machen wir uns doch auf die Suche nach der ›Heiligen Elisabeth vom Zusamtal‹, einer verbürgten historischen Persönlichkeit des ausgehenden Mittelalters.

Geschichte in Ziemetshausen: Auf den Spuren der Amalie von Mittelburg

Im Jahr 1392 verkaufte der Augsburger Bischof Burkhard von Ellerbach Burg und Veste Seifridsperg an Eglof von Schellenberg aus einem schwäbischen Ministerialiengeschlecht. Dessen Tochter Amalie verheiratete sich mit dem Adligen Erkinger, welcher sich nach seiner Stammburg von Mittelburg nannte.

Woher kommt der Name Mittelburg?

Nun vermutete man all die Zeit, besagter Adelssitz hätte sich in Sichtweite von Schloss Seyfriedsberg befunden „auf dem Höhenzuge, der die obere Reischenau von dem Mindeltale trennt [...]“, wie die Sagensammlung des Landkreises Krumbach von Theodor Jörg berichtet. Allein der Forschung hält diese Geschichte nicht stand.

Zwar thronte einst tatsächlich eine Burg am Ostrand des Täler begrenzenden Waldes, den Namen Mittelburg erhielt sie jedoch erst wesentlich später. Nein, der Ehemann unserer Amalie war gar kein Schwabe. Seine Mittelburg lag im Fränkischen, nahe der Stadt Treuchtlingen wird sie heute vermutet. Auch Amalie verließ nach der Heirat ihre angestammte Heimat und wirkte die nächsten Jahre im Gebiet zwischen Altmühl und Ries. Der frühe Tod ihres Gemahls hinterließ der noch jungen Witwe ein beträchtliches Geldvermögen. Zu diesem Zeitpunkt hielt sich Amalie laut eines Aufsatzes von Prof. Georg Kreuzer in Wassertrüdingen auf. „Erkingers von Mittelburg witwe zu wasser truhingen wonent“, zitiert der Ziemetshausener Historiker hier den kurfürstlichen Hofmeister Peter von Talheim.

Schloss Seyfriedsberg in Ziemetshausen ist eng mit Amalie von Mittelburg verknüpft

Über die Beweggründe Amaliens, die über die Zeit in fremde Hände gelangte Herrschaft Seyfriedsberg wieder zu erwerben, kann letztendlich nur spekuliert werden. Am wahrscheinlichsten erscheint der Kauf in Verbindung mit dem Wunsch, in der ehemals elterlichen Burg einen Witwensitz einzurichten. In jene Jahre könnte dann auch die Stiftung der heute noch in Ziemetshausen begangenen Frühmesse gelegt werden. Ob jedoch Amalie auch ihre letzten Lebensjahre auf Seyfriedsberg verbrachte, ist alles andere als gesichert. Gemäß einem Vertrag aus dem Jahre 1480 verpflichteten sich nämlich die Grafen von Oettingen, „Amalie, ihrem Sohn und ihren Erben eine Behausung zu Nördlingen [zu] bestellen (beschaffen)“ (zitiert nach Kreuzer). Durchaus möglich erscheint es daher, dass die gebürtige Schellenbergerin diese Option annahm, wenn auch, so Kreuzer, aus finanziellen Gründen die Erfüllung des Vertrages seitens der Oettinger wahrscheinlich nicht mehr zu bewerkstelligen war. Somit verliert sich das Leben der Amalie von Mittelburg im Dickicht der spätmittelalterlichen Geschichte. Ihr Sterbeort und Grab ist heute nicht mehr bekannt.

Die Reste einer Befestigung nordwestlich von Ziemetshausen identifizierten die Bauern seinerzeit mit der sagenumwobenen Mittelburg, gar ein unterirdischer Gang hinab zur Pfarrkirche wurde im Geiste konstruiert. Auch wenn die moderne Geschichtsforschung hier Aufklärungsarbeit geleistet hat, bleibt das Leben und Wirken der Amalie fest in die kollektive Erinnerung der Ziemetshausener eingebunden.

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