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23.06.2009

"Gesunder Kern wird aus der alten Hülle gelöst"

Krumbach/Worms Die Maschinen beim Automobilzulieferer Aksys laufen, die Produktion geht an allen Standorten weiter: Die Fäden laufen jetzt beim vorläufigen Insolvenzverwalter Tobias Hoefer von der Mannheimer Kanzlei Hack?&Hoefer zusammen. Wie er vorgeht und wie das vorläufige Insolvenzverfahren weitergeht, berichtete er im Interview.

Erste Investoren-Interessenten haben bei Aksys angeklopft - wie muss man sich das vorstellen? Wird aktiv nach möglichen Kandidaten gesucht, werden Kontakte in der Branche geknüpft oder melden sich die Investoren von selbst?

Hoefer: Da die Produktion bei Aksys läuft, die Produkte eingeführt und die Mitarbeiter ebenso qualifiziert wie motiviert sind, ist das Unternehmen generell für potenzielle Investoren attraktiv. Wie Sie schon wissen, haben sich auch bereits erste Interessenten gemeldet, die Aksys übernehmen und weiterführen wollen. Natürlich kommen dabei auch Kontakte in der Branche zum tragen, da die Aksys hier einen sehr guten Ruf genießt.

Falls ein Investor gefunden wird, wie geht es dann weiter?

"Gesunder Kern wird aus der alten Hülle gelöst"

Hoefer: Unser Ziel ist es, einen Investor zu finden, der Aksys langfristig fortführt, und wir sind zuversichtlich, dass uns das auch gelingt. Vereinfacht können Sie sich das so vorstellen: Der Investor kauft die so genannten Vermögenswerte des Unternehmens. Dazu gehören zum Beispiel Gebäude, Maschinen, Materialien. Er übernimmt sozusagen den gesunden Kern des Unternehmens, der aus der alten Hülle gelöst wird. Damit kann Aksys quasi bei null starten und als gesundes Unternehmen agieren. Dieser Vorgang, den ich hier vereinfacht dargestellt habe, wird im Allgemeinen als übertragende Sanierung bezeichnet. Wie bereits erwähnt gibt es erste Interessenten für das Unternehmen. Sie müssen aber verstehen, dass ich noch keine Aussage dazu machen kann, wie diese übertragende Sanierung letztendlich im Detail aussieht, da wir uns noch in einer frühen Phase des Investorenprozesses befinden.

Sie sind vorläufiger Insolvenzverwalter. Wann ist Ihre Mission beendet?

Hoefer: Darauf gibt es eine einfache Antwort. Ich sehe meine Mission als beendet an, wenn die Aksys erfolgreich saniert ist, wir eine nachhaltige Fortführungslösung gefunden, die Standorte erhalten und so viele Arbeitsplätze wie möglich gesichert haben.

Akten wälzen, Bilanzen studieren, Gespräche führen: Wie sieht grob umrissen der Arbeitsalltag eines Insolvenzverwalters aus? Und nach wie vielen Stunden ist Ihr Tag beendet (abgesehen von den schlaflosen Stunden)?

Hoefer: Der Kern der Aksys ist so gesund, dass das Unternehmen mir weder schlaflose Stunden noch Nächte beschert. Ich bin zuversichtlich, dass uns eine erfolgreiche Sanierung des Unternehmens gelingen wird. Dazu führen mein Team und ich Gespräche mit allen Beteiligten. Zunächst einmal tauchen bei einer Insolvenz viele Fragen auf, die wir entsprechend beantworten wollen. Für die Mitarbeiter ist die Insolvenz verständlicherweise auf den ersten Blick ein Schock. Was bedeutet das für meinen Arbeitsplatz? Bekomme ich noch meinen Lohn? Kunden wollen zum Beispiel wissen, ob sie ihre bestellten Produkte bekommen, für Lieferanten ist die Frage wichtig, ob und wie sie ihre Ware bezahlt bekommen.

Deshalb sprechen wir mit allen Beteiligten, um dieses Informationsdefizit schnellstmöglich zu beseitigen. Dazu zählt auch, dass mein Team und ich Akten wälzen und Bilanzen studieren, um uns einen Überblick über das Unternehmen zu verschaffen. Gleichzeitig gehören aber auch Sitzungen, Telefonate, die Abstimmung mit dem Team und den Verantwortlichen bei Aksys, der Kontakt zu Mitarbeitern, Betriebsräten und Verantwortlichen vor Ort an den Standorten zur täglichen Arbeit eines vorläufigen Insolvenzverwalters. Alltag kommt dabei nur wenig auf, da jedes Unternehmen unterschiedlich ist und sich die Fälle deshalb nicht vergleichen lassen.

Was ist mit den Auszubildenden bei Aksys - haben sie eine Chance, nach einer Investorenübernahme mit einer Festanstellung zu rechnen?

Hoefer: Bitte haben Sie Verständnis, dass ich dazu zum jetzigen Zeitpunkt noch keine konkreten Aussagen machen kann. Wie bereits erwähnt, ist der Investorenprozess noch in einem frühen Stadium. Unser Ziel ist aber, Standorte zu erhalten und so viele Arbeitsplätze wie möglich zu sichern. Dazu zählen auf jeden Fall auch die Auszubildenden der Aksys.

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