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Krumbach

24.01.2020

Glücksspiel, Alkohol, Medikamente, Handy: Sie helfen gegen die Sucht

Barbara Habermann und Renate Janik sind spezialisiert auf die Behandlung von Suchtkrankheiten. Therapiehund Maya wird bei der neuen Info-Mot-Gruppe allerdings nicht dabei sein.
Bild: Gertrud Adlassnig

Plus Es gibt viele Dinge, die süchtig machen. In Krumbach will eine neue Gruppe jetzt Menschen helfen, die sich Sorgen um ihr Konsumverhalten machen.

Einige dürften das kennen: Eigentlich wollten sie an diesem Tag keinen Alkohol trinken, doch dann kommen sie abends ausgelaugt und innerlich angespannt heim und gönnen sich – wieder einmal – ein Glas. Ist das harmlos, eine schlechte Angewohnheit oder ist das schon Sucht?

„Die Grenzen sind fließend und aus Gewöhnung kann durchaus eine Krankheit, eine Sucht entstehen, so wie aus einer erst harmlosen organischen Veränderung ohne Behandlung Krebs entstehen kann“, erklärt Renate Janik, Psychologin an der Suchtfachambulanz. Die richtet ab 7. Februar in der Außenstelle Krumbach eine „Informations-Motivations-Gruppe“, kurz Info-Mot-Gruppe ein. Das Angebot hat es bereits einmal gegeben. Jetzt wird es wieder aufgelegt. Die wöchentlichen Zusammenkünfte richten sich an alle Erwachsenen, die in ihrem Verhalten Auffälligkeiten entdecken und sich mit ihnen auseinandersetzen wollen.

Die Gruppe in Krumbach hilft beim ersten Schritt

„Der erste Schritt muss sein, die eigene Situation unvoreingenommen zu analysieren.“ Dabei hilft die Info-Mot-Gruppe. In die Gruppe, die völlig offen ist, kostenlos, unverbindlich und ohne Anmeldung auch anonym besucht werden kann, kann man jederzeit einsteigen und auch wieder aussteigen. „Oft kämpfen die Betroffenen im Alltag mit Schuld- oder Schamgefühl, befürchten, bei Entdeckung abgestempelt zu werden. Eine Abhängigkeit wird oft auch als persönliches Versagen wahrgenommen. Aber Sucht ist eine Krankheit, die behandelt werden muss. In der Info-Mot-Gruppe ist jeder Teilnehmer willkommen und erfährt Wertschätzung. Für uns ist es ethisch selbstverständlich, mit der Situation jedes Gruppenteilnehmers wertneutral umzugehen“, erklärt Psychologin Janik.

Glücksspiel, Alkohol, Medikamente, Handy: Sie helfen gegen die Sucht
Auch das Handy kann zur Sucht werden. In Krumbach gibt es jetzt eine Informations-Motivations-Gruppe, die aus der Sucht helfen will. Sie richtet sich an alle, die sich über ihren Status im Konsum oder der Nutzung von allen Dingen, die eine Abhängigkeit verursachen können, klar werden wollen.
Bild: Gertrud Adlassnig

Niemand werde beurteilt, eingeschätzt oder in eine Schublade gesteckt. Wer den Schritt in die Gruppe mache, um sich über sich selbst im Klaren zu werden, habe bereits einen großen und wichtigen Schritt getan, er habe sich eingestanden, dass er über sich nachdenken und aus dem Ergebnis gegebenenfalls Konsequenzen ziehen muss. In der Gruppe werde die Person auch erst einmal erleben, dass sie mit ihrem Problem nicht allein ist. „Die Teilnehmer erfahren, welche Abhängigkeitsprobleme andere Menschen haben und wie schwer es auch für andere ist, im Alltag darüber zu sprechen, sich zu outen. In der Gruppe finden sie endlich Leidensgenossen, können sich ohne Peinlichkeit öffnen.“ Die von Therapeutin Franziska Baumeister angeleiteten Gruppenmitglieder sollen, so das Ziel, einen gangbaren Weg zur Veränderung ihres Verhaltens finden. „Der kann ganz unterschiedlich sein, denn jeder Betroffene hat seine eigene Geschichte, jede Erkrankung hat ihre individuellen Ursachen, und da muss letztlich angesetzt werden“, erläutert Renate Janik.

In Krumbach wird auch individuell beraten

Während die Gruppenstunden Infos geben, allgemeine Lösungsansätze aufzeigen und die Teilnehmer in Zweiergesprächen, Einzelarbeit oder Gesprächsrunden zu einer ehrlichen Auseinandersetzung mit sich selbst führen, müssen weitergehende Schritte, eine Therapie beispielsweise, falls sie notwendig sein sollten, in einer individuellen Beratung erarbeitet werden.

Es gibt die unterschiedlichsten Suchten. Nikotin, Alkohol, illegale Drogen und Medikamentenabhängigkeiten sind im allgemeinen Bewusstsein. „Aber es gibt auch die Glücksspielsucht und die Abhängigkeit von Handy, Computerspielen und sozialen Medien und das betrifft bei Weitem nicht nur junge Leute“, weiß Barbara Habermann, die die Gesamtleitung des Bereichs Suchterkrankungen bei der Caritas innehat.

Wann muss man von Abhängigkeit sprechen? Viele Konsumenten sind darüber unsicher. Aber es gibt Kriterien, die allen Suchtformen eigen sind. Es ist der Weg vom genüsslichen, kontrollierten und gelegentlichen Gebrauch über den Missbrauch. Der zeigt sich unter anderem in der Steigerung von Menge und Häufigkeit und dem Konsum in riskanten Situationen wie am Arbeitsplatz oder im Verkehr. Ob daraus eine Abhängigkeit entstanden ist, lasse sich anhand eines Faktenchecks ermitteln.

Suchtmittel sind die falsche Lösung

Wenn drei bis vier der wissenschaftlich analysierten Symptome vorliegen, spreche man von Abhängigkeit oder Sucht. Auch diese Definition lernen die Gruppenteilnehmer kennen, was eine Selbsteinschätzung erleichtert.

„Dabei“, erklärt Barbara Habermann, „ist es wesentlich, die Funktion des Suchtmittels zu analysieren. Der eine greift zum Alkohol, um sich zu enthemmen und leichter soziale Kontakte zu knüpfen, andere nehmen Tabletten, die nicht nur ihre Schmerzen lindern, sondern auch ein leichtes Hochgefühl erzeugen.“ Der Gruppenteilnehmer wisse oft um das zugrunde liegende Problem, doch habe er mit dem Suchtmittel den falschen Lösungsweg gewählt. Das niederschwellige Angebot der Info-Mot-Gruppe gibt ihm die Möglichkeit, sich dabei helfen zu lassen, auf den richtigen Lösungsweg zu kommen.

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