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Krumbach

28.01.2019

Gruppe junger Leute überfällt Krumbacher Getränkemarkt

Der Getränkemarkt Scheppach in Krumbach wurde am Wochenende zum Schauplatz eines Verbrechens. Mehrere Personen überfielen den Markt und erbeuteten rund 1000 Euro. Die Polizei hat inzwischen sieben Verdächtige festgenommen, vier davon sitzen in Untersuchungshaft.
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Der Getränkemarkt Scheppach in Krumbach wurde am Wochenende zum Schauplatz eines Verbrechens. Mehrere Personen überfielen den Markt und erbeuteten rund 1000 Euro. Die Polizei hat inzwischen sieben Verdächtige festgenommen, vier davon sitzen in Untersuchungshaft.
Bild: Christian Gall

Der Getränkemarkt Scheppach in Krumbach wurde überfallen. Der Polizei gelang es, die Tatverdächtigen rasch festzunehmen. Das sagt der Marktleiter zum Vorfall.

Der Kassierer im Krumbacher Getränkemarkt Scheppach wollte gerade den Laden schließen, da wurde ihm eine Pistole an den Kopf gehalten. Am Samstag gegen 19 Uhr betraten zwei Maskierte den Markt in der Brühlstraße. Einer von ihnen bedrohte den Mitarbeiter mit einer Pistole, der andere räumte währenddessen die Kasse leer. Die Täter flohen in einem bereitstehenden Fahrzeug. In das stiegen zwei weitere Verdächtige ein, die den Markt zuvor ausgespäht hatten und während der Tat wohl Schmiere standen.

So beschreibt Fridolin Scheppach den Vorfall. Der Besitzer des Getränkemarkts war während des Überfalls in den Büroräumen und bekam die Tat daher nicht direkt mit. Doch wenige Minuten danach kam sein Mitarbeiter zu ihm und erzählte ihm, was geschehen war. „Der Mann war vollkommen bleich und stand unter Schock“, sagt Scheppach. Geistesgegenwärtig war er dennoch, wie der Marktbesitzer sagt. Nicht nur verneinte er die Frage der Kriminellen, ob der Getränkemarkt einen Tresor habe – er folgte den flüchtenden Maskierten nach draußen und fotografierte mit seinem Handy ihr Fluchtfahrzeug.

Überfall in Krumbach: Verdächtige sind zwischen 15 und 20 Jahre alt

Noch am Abend fahndete die Polizei zunächst ohne Erfolg nach den Tätern, die weiteren Ermittlungen übernahm der Kriminaldauerdienst der Memminger Kriminalpolizei. Ihre Arbeit führte schnell zu einem Ergebnis. Die Ermittlungen brachten die Beamten schon am nächsten Tag auf die Spur von insgesamt sieben Tatbeteiligten – sechs Männern und einer Frau. Alle haben ihren festen Wohnsitz im Landkreis Günzburg, alle sind zwischen 15 und 20 Jahre alt. Wie der Sprecher des Polizeipräsidiums Schwaben Süd/West, Jürgen Krautwald, sagt, wurden zwei Wohnungen im südlichen und eine im nördlichen Landkreis Günzburg durchsucht. Dabei nahmen die Beamten nicht nur die Tatverdächtigen fest, sondern stellten auch einen Großteil der Beute sicher.

Die Festnahme eines 17-jährigen Tatverdächtigen erfolgte mit besonderer Vorsicht. Nach Informationen der Polizei war er derjenige, der beim Überfall die Waffe führte. Daher nahm ein Spezialeinsatzkommando des Polizeipräsidiums München den Jugendlichen fest. Dieser leistete keine Gegenwehr, bei dem Einsatz wurde nach Polizeiangaben niemand verletzt. Die Waffe, die in der Wohnung des jungen Mannes sichergestellt wurde, stellte sich als Schreckschusswaffe heraus.

Drei deutsche Tatbeteiligte, zwei Männer und eine Frau im Alter zwischen 15 und 18 Jahren, wurden am Sonntag wieder auf freien Fuß gesetzt. Vier weitere – bereits polizeibekannte – Tatbeteiligte im Alter zwischen 16 und 20 Jahren wurden auf Antrag der Staatsanwaltschaft Memmingen am Montagnachmittag der Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Memmingen vorgeführt. Diese erließ jeweils Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des schweren Raubes. Sie befinden sich in verschiedenen Justizvollzugsanstalten. In drei Fällen handelt es sich laut Polizei bei den Verdächtigen um Deutsche und in einem Fall um einen portugiesischen Staatsangehörigen.

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Besitzer des Getränkemarkts ist schockiert

Wie Polizeisprecher Krautwald sagt, sei es eher ungewöhnlich, dass Minderjährige in Untersuchungshaft kommen: „So etwas geschieht nur bei besonders schweren Vorwürfen.“ Außergewöhnlich sei auch die hohe Anzahl der mutmaßlich Beteiligten. Krautwald zufolge war die Aktion womöglich so organisiert, dass zwei der Verdächtigen den eigentlichen Überfall durchführten, während zwei weitere Schmiere standen. Eine weitere Person fuhr den Fluchtwagen, der Rest hatte wohl die Planung übernommen.

Der Getränkemarktbesitzer Fridolin Scheppach zeigt sich schockiert vom jungen Alter der Verdächtigen: „Es ist erschreckend, dass so junge Menschen bereits so viel mit Kriminalität zu tun haben.“ Seit rund 40 Jahren habe er seinen Getränkemarkt in Krumbach – etwas Vergleichbares habe er bisher jedoch nicht erlebt. „Mit ihrem Verhalten richten die Täter nicht nur finanziellen Schaden an. Kassierern gehen solche Vorfälle sehr nahe, so etwas hängt einem vielleicht noch jahrelang nach“, sagt er.

Der überfallene Kassierer arbeitet nur in Teilzeit im Getränkemarkt, daneben ist er in einer Spedition tätig. „Dort ist er schon wieder in die Arbeit gegangen, soweit ich weiß“, sagt Scheppach. Doch er ist sich sicher, dass der Vorfall nicht spurlos an ihm vorbeigegangen ist: „So etwas ist alles andere als ein Lausbubenstreich. Wer so etwas macht, sollte streng bestraft werden.“ Ob das geschieht, wird sich zeigen – die Kriminalpolizei Memmingen führt die weiteren Ermittlungen in diesem außergewöhnlichen Fall.

Im Landkreis Günzburg ereignen sich derartige Vorfälle relativ selten. Zuletzt vermeldete die Polizei im September vergangenen Jahres einen Raubüberfall in Thannhausen . Einzelhändler hätten in der Region hätten jedoch keinen Grund, sich zu fürchten, sagt die stellvertretende Vorsitzende der Werbegemeinschaft Krumbach, Angelika Hosser: "Bei diesen Überfällen handelt es sich um vereinzelte Taten. Grundsätzlich befinden wir uns hier noch immer auf einer Insel der Seligen." Zudem seien Geschäfte gut miteinander vernetzt und passen gegenseitig aufeinander auf. "Besondere Vorkommnisse in einem Laden bekommen die Nachbarn meistens also sehr schnell mit", sagt Hosser. Der Getränkemarkt in der Krumbacher Brühlstraße liege jedoch relativ abgelegen und sein von außen eher schlecht einsehbar.

Belastende Situation für Kassierer

Hosser zufolge waren die Täter "nicht gerade die Schlauesten." Mit ihren Überfall haben sie nur wenige hundert Euro erbeutet, machen sich jedoch des bewaffneten Raubüberfalls schuldig. "Leid tut es mir aber um den Angestellten, der mit der Waffe bedroht wurde. So etwas ist noch für lange Zeit belastend", sagt sie.

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