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Balzhausen

07.06.2020

Gschwind: „Ich bin gern bei meinen Balzhausern und Mindelzellern“

Der zehnjährige Ludwig Gschwind hatte mit seinem geflickten Fahrrad Spaß in Nördlingen.
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Der zehnjährige Ludwig Gschwind hatte mit seinem geflickten Fahrrad Spaß in Nördlingen.
Bild: Sammlung Gschwind

Plus 80. Geburtstag: Prälat Ludwig Gschwind verbrachte mehr als die Hälfte seines Lebens in den beiden Mindeltalgemeinden. Corona vereitelte größere Feiern.

Operationen an der Bandscheibe und der rechten Schulter sowie die durch die Corona-Pandemie ausgelösten Beeinträchtigungen für alle, waren für Prälat Ludwig Gschwind der Anlass, auf einige festliche Tage zu verzichten, die eigentlich groß gefeiert werden sollten. Die schon weit fortgeschrittenen Vorbereitungen für Erstkommunion und Firmung in den beiden Pfarreien Balzhausen und Mindelzell mussten abgebrochen werden. Ebenso litten die festlichen Gottesdienste an Ostern und Pfingsten unter den Corona-Einschränkungen. Der Ortsseelsorger hatte trotzdem persönlich Anlass zur Freude. Vor wenigen Tagen beging er gesundheitlich wieder fit seinen 80. Geburtstag - wenngleich ohne Feier. Schlimm war das für ihn nicht: „Ich bin kein Freund großer Feste und habe meine Ehrentage noch nie besonders gefeiert.“

Der offizielle Ruhestand

Dankbar ist er seinem „Dienstherrn im Himmel“, nach einer Erholungsphase in wenigen Tagen seine Tätigkeit als Ortsgeistlicher wieder übernehmen zu können. Am 31. August geht er dann in den offiziellen Ruhestand. Seine Freude ist groß, dass ihm die Diözesanverwaltung zugesagt hat, er dürfe in seinem Wohnsitz im Mindelzeller Pfarrhof bleiben und von dort aus wie bisher wirken. Die pfarreiliche Organisation und die seelsorgerischen Aufgaben übernimmt ab September der neue Thannhauser Stadtpfarrer Florian Bach, dem die Verantwortung über die künftige Großpfarrei obliegt, die aus der Stadt Thannhausen und den Pfarreien Balzhausen, Burg, Mindelzell und Ursberg einschließlich Oberrohr und Premach besteht. Die Balzhauser und Mindelzeller Katholiken sind gleichfalls froh, dass sie „ihren Prälaten“ behalten dürfen. Lächelnd zieht er sein eigenes Fazit: „Kardinäle gehen mit 80 in den Ruhestand. Ich tu das auch, aber ich bleibe in meinen beiden Pfarreien so lange ich kann und schreibe, so lange der Geist mitmacht.“

Mehr Zeit für die „Schreiberei“

Er freut sich darauf, hat er doch die Gewissheit, künftig für sein Hobby, die „Schreiberei“, mehr Zeit übrig zu haben. Es sind inzwischen knapp 100 Bücher und Broschüren über theologische und historische Themen, die er im Verlauf der letzten vier Jahrzehnte geschrieben hat, die vielfach hohe Auflagen erreichten und auf großes Interesse stießen.

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Hinzu kam seine Tätigkeit als freier Mitarbeiter in zahlreichen christlichen Zeitschriften und den unterschiedlichsten Medien, darunter auch die MittelschwäbischenNachrichten. Als er 1974 nach Mindelzell kam, war er sofort bereit, jede Woche auf der Seite des Kirchenanzeigers das „Wort zum Sonntag“ zu verfassen und tut dies bis heute. Als Themen wählte er die Beschreibung von Kirchen, Kapellen und Bildstöcken im damaligen Dekanat Krumbach, um später auf Kirchenlieder und Heilige zu wechseln, die stets einen heimatlichen Aspekt beinhalten.

Die Autorentätigkeit wurde so zur gelungenen Symbiose für seine erfolgreiche Tätigkeit als Seelsorger in Balzhausen und Mindelzell, die im Jahre 1974 begann und sich bis heute zu einer innigen und vor allem fruchtbaren Verbindung zwischen ihm und den beiden Pfarreien entwickelte. Er gilt als konservativer, aber doch progressiver Priester, der zwar auf weibliche Ministranten und den Volksaltar verzichtet, aber auch klare Worte nicht scheut, wenngleich mit der Feststellung: „Predigten sollten nie länger als sieben Minuten dauern.“

1940 in Donaumünster

Begonnen hat sein Leben im Jahre 1940 in Donaumünster. Aufgewachsen ist er unter der Obhut seiner Mutter - der Vater ist 1943 im Krieg gefallen - in Nördlingen, kam nach der Volksschule zu den Marianhiller Patres nach Reimlingen und wurde 1968 in Dillingen zum Priester geweiht. Es folgten Tätigkeiten als Kaplan und Benefiziat in Neuburg/Kammel, Weißenhorn und schließlich 1974 als Nachfolger von Pfarrer Rupert Rost in Balzhausen, wobei er sich für den Wohnsitz im renovierten Pfarrhof Mindelzell entschied. Mehrmals erreichte ihn der Wunsch, in der Diözese größere Aufgabengebiete zu übernehmen. Zugunsten seiner Mutter verzichtete er darauf. Jahrzehntelang hatte sie ihn begleitet und so pflegte er sie auch bis zu ihrem Tod mit 98 Jahren im Jahre 2013. Gewürdigt wurde seine seelsorgerische und schriftstellerische Arbeit durch die Ernennungen zum Geistlichen Rat (1991), zum Monsignore (2006) und Prälat (2012).

Dekan von 1965 bis 2009

Erfolgreich war er ebenso als Dekan (1985 bis 2009) des Dekanats Krumbach, als Mitglied der Augsburger Diözesansynode (ab 1988) und als Renovator aller Balzhauser und Mindelzeller Kirchen und Kapellen, den Pfarrhöfen sowie als Bauherr von zwei Kreuzwegen. Es sind zwei klar umrissene Ziele, die den Jubilar bewegen, seine bisher so fruchtbare und erfolgreiche Arbeit fortzusetzen: „Die Balzhauser und Mindelzeller sind mir ans Herz gewachsen und außerdem kann ich hier meiner schriftstellerischen Tätigkeit weiter nachgehen. Und so überlasse ich es dem lieben Gott, wie lange ich dies noch ausüben darf.“

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