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Förderverein

19.12.2018

Heilig Kreuz braucht Hilfe

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Zahlreiche Schäden sind an und in der Pfarrkirche Heilig Kreuz Breitenthal erkennbar. Die Sanierung wird geschätzte 1,7 Millionen Euro kosten. Um den Anteil der Pfarrgemeinde aufzubringen, wurde nun ein Förderverein gegründet.

Die Breitenthaler Kirche soll für 1,7 Millionen Euro saniert werden. Damit die Pfarrgemeinde das stemmen kann, werden jetzt Spenden gesammelt. Kreative Ideen sollen dabei helfen – Schokolade gehört auch dazu

Eine kleine Klappe am Hochaltar öffnet sich und gibt den Blick frei auf eines der Geheimnisse von Heilig Kreuz: Hinter der Holzverkleidung kommt ein steinerner Altartisch zum Vorschein. „Man hat damals, wohl um dem Zeitgeschmack zu entsprechen, den Altar zugebaut“, vermutet Pfarrer Klaus Bucher. So manches, was im Laufe der Jahrhunderte in der Breitenthaler Pfarrkirche verändert wurde, ist aus heutiger Sicht ausgesprochen fragwürdig. Was das 1791 geweihte Gotteshaus jetzt allerdings braucht, sind mehr als Schönheitsreparaturen. 2019 soll die Sanierung der Pfarrkirche starten – und weil es um mehr als ein paar Holzverkleidungen geht, wird es eine teure Angelegenheit werden.

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Knapp 1,7 Millionen Euro sind für die Gesamtmaßnahme veranschlagt. Viele der notwendigen Maßnahmen erkennt man außen schon auf den ersten Blick: Da sind Risse in den Wänden zu sehen, Verschmutzungen am Putz zeugen von einer problematischen Heizungsanlage, Farbe und Putz bröckeln an vielen Stellen ab. Doch die größten Brocken der Sanierung verbergen sich drinnen: Der Dachstuhl von Heilig Kreuz ist vor allem an den Auflagepunkten zum Mauerwerk verfault, die Elektrik im Gebäude veraltet und teilweise gefährlich. Und der Holzwurm hat es sich im Hochaltar gemütlich gemacht.

„Dieses Haus ist nicht nur irgendein Gebäude, es ist gebauter Glaube“, sagt Pfarrer Klaus Bucher, vor Kurzem neu gewählter Dekan des katholischen Dekanats Günzburg. Trotzdem sei im Vorfeld die Frage gestellt worden: Ist der Erhalt der Breitenthaler Kirche wirklich notwendig, wenn die Zukunft in der Pfarreiengemeinschaft liegt? Nicht nur der Umstand, dass die Pfarrkirche prägend für den Ort Breitenthal ist, gab am Ende den Ausschlag. Bucher: „Es wäre schlimm, wenn ausgerechnet die Generation sie verfallen lässt, der es materiell so gut geht.“

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Schnell war jedoch auch klar: Die Kirchenstiftung allein als Besitzer des Gebäudes kann die Sanierung nie und nimmer stemmen. Zumal Breitenthal mit der vor einigen Jahren erfolgten grundlegenden Sanierung des Pfarrhofs, eines Baus von Josef Dossenberger, und der kürzlichen Renovierung des Pfarrheims zwei Großprojekte stemmen musste. Deshalb hat man sich in Breitenthal ein Vorbild gesucht – und es innerhalb der eigenen Pfarreiengemeinschaft entdeckt. „Seit 30 Jahren gibt es in Deisenhausen einen Förderverein für die Pfarrkirche“, sagt Markus Lecheler. Er ist der Vorsitzende des im Sommer gegründeten Breitenthaler Fördervereins Heilig Kreuz-Kirche. Er hofft nun, gemeinsam mit seinen Mitstreitern entscheidende Unterstützung für den Erhalt der Pfarrkiche leisten zu können.

Zwar hatten die Deisenhauser bei der Gründung ihres Vereins deutlich mehr Probleme – für die dortige Kirche war es nämlich wirklich kurz vor knapp. Aber auch in Breitenthal gibt es eine ordentliche Mängelliste, die abgearbeitet werden muss. Bilder in einer Broschüre, die der neue Förderverein herausgegeben hat, zeigen auch im Inneren der Kirche das Ausmaß der Schäden, die dem Kirchenbesucher auf den zweiten Blick ebenfalls auffallen. Zum Beispiel, dass die Altarpodeste aus Gussstein ihre besten Tage längst hinter sich haben – hier soll eine Holzverkleidung her. Die wertvollen Figuren auf dem 15. und 16. Jahrhundert müssen zumindest gereinigt werden.

Und dass es auch mit der Elektrik im Haus nicht zum Besten steht, wird spätestens klar, wenn man einen Blick in den Schaltkasten wirft, den findige Kirchenverantwortliche vor Jahrzehnten in einen Schrank der Sakristei eingebaut haben. „Die Technik ist nicht nur total veraltet, sie nimmt auch in der Sakristei Platz weg, den wir für die Vorbereitung auf den Gottesdienst brauchen“, erklärt Dekan Bucher bei einem Rundgang. Deswegen soll die Technik im Zuge des Kirchenumbaus umziehen: Künftig soll sie im Untergeschoss des Kirchturms ihren Platz finden, das außerdem zu einer zweiten Sakristei ausgebaut werden soll. Krippe, Heiliges Grab und weitere Gegenstände brauchen nämlich Platz – derzeit müssen sie noch mühsam aus dem Turm geholt werden, auch diese Woche machten sich Mitglieder der Kirchenverwaltung wieder an den mühsamen Aufstieg.

Dekan Klaus Bucher wünscht sich im Gotteshaus auch noch einige andere sichtbare Veränderungen: Den antiken Taufstein der Kirche möchte er aus seiner bisherigen Ecke holen und vor den Bruder-Konrad-Altar stellen, damit dort wieder das Taufsakrament gespendet werden kann. Auch soll die Kommunionbank wieder ihren Platz finden.

Ob für all diese Wünsche und Vorhaben die veranschlagten knapp 1,7 Millionen Euro reichen werden, ist noch ungewiss – die Bischöfliche Finanzkammer will die Maßnahme mit 75 Prozent der Gesamtkosten fördern. „Dazu erhalten wir aus Kirchensteuermitteln einen Sonderzuschuss in Höhe von 202600 Euro“, rechnet der Förderverein in seiner Broschüre vor. Mit Zuschüssen der politischen Gemeinde, des Landkreises, des Bezirks, des Landesamtes für Denkmalpflege, der Bayerischen Landesstiftung und anderer potenzieller Zuschussgeber rechnet man in Breitenthal ebenfalls. Dennoch bleibt ein Anteil von etwa 170000 Euro, den die Pfarrei übernehmen muss.

Dafür wird jetzt kräftig gesammelt – und Fördervereinsvorsitzender Markus Lecheler hofft dabei auch auf das Vorbild Deisenhausen, wo seit Jahren das Dorffest der Vereine Geld in die Kasse für die Kirchensanierung spült. „Wir freuen uns über Aktionen von Vereinen und Gruppen, die beispielsweise Konzerte oder Feste veranstalten, um den Erlös dem Förderverein zu spenden“, sagt Markus Lecheler, der selbst seit Jahren auch Organist in Breitenthal ist. Hilfe bekommt der Förderverein auch durch seinen Schirmherrn, Weihbischof Florian Wörner hat diese Aufgabe übernommen. Und natürlich sind es die Breitenthaler selbst, auf die der Förderverein hofft. 540 Katholiken sind im Ort registriert, von denen etwa ein Viertel regelmäßig den Gottesdienst besucht. Karl Rattinger ist einer vor ihnen, und hat schon den ersten Schritt in diese Richtung getan: Anlässlich seines runden Geburtstags bat er dieses Jahr um Spenden und konnte damit dem Förderverein eine erste, namhafte Summe übergeben.

Kreative Ideen hat die Pfarrgemeinde ebenfalls schon umgesetzt: Die gegen eine Spende erhältlichen „Heilig Kreuz Rippla“, feine Schokoladentafeln aus fair gehandelten Rohstoffen, finden so reißenden Absatz, dass sie schon nachgeordert werden mussten. Auch Plätzchen und Kuchen, die nach dem ersten Adventsgottesdienst angeboten wurden, haben bereits Spenden für das Großprojekt erbracht. Die Gesamtsumme, die der Förderverein sich als Ziel gesetzt hat, ist jedoch noch in weiter Ferne.

Vor allem hofft Markus Lecheler darauf, dass seine Mitbürger über die Mitgliedschaft im Förderverein das Projekt unterstützen. 50 Euro kostet die Mitgliedschaft für Erwachsene, zehn Euro für Kinder, Jugendliche, Auszubildende und Studenten. Es sind Menschen, die in Heilig Kreuz getauft wurden, zur Erstkommunion kamen, gefirmt wurden oder hier heirateten, die jetzt beim Erhalt des Hauses helfen sollen.

zum Förderverein kann man über das Pfarramt Breitenthal aufnehmen, Telefon 08282/2180. Spenden nimmt der Förderverein Heilig Kreuz Kirche Breitenthal auf das Konto der Raiffeisenbank Schwaben Mitte, DE69 7206 9736 0002 5090 40 entgegen.

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