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Krumbach

20.11.2017

Helfen, motivieren, Menschen zusammenbringen

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2 Bilder
Das interkulturelle Fest "Meet and Eat" fand im Sommer statt. Das Programm wurde seinerzeit von Marc Hettich, Birgit Baumann und Jessica Friedrich (von links) zusammengestellt und präsentiert. 
Bild: Peter Bauer

Warum Birgit Baumanns Arbeit in einer Zeit des massiven gesellschaftlichen Umbruchs so wichtig ist und es für ihre Leistung viel Lob gibt.

Kuchen im Stadtrat oder einem seiner Ausschüsse: Das gibt es nicht alle Tage. Aber der Montag war ja auch ein besonderer Tag für Birgit Baumann. 29. Geburtstag und dann gab es in der Sitzung des Krumbacher Hauptausschusses auch noch jede Menge Lob für die Quartiersmanagerin und Jugendpflegerin der Stadt Krumbach. Seit zehn Monaten ist sie für die Stadt tätig, am Montag stellte sie ihre Arbeit im Ausschuss vor.

Ihr Themenfeld – das ist buchstäblich ein weites Feld und nicht selten muss sie ihren Gesprächspartnern das schwierige Wort Quartiersmanagerin erklären. Man könnte ihre Tätigkeit so umschreiben: Sie bringt Menschen, die Hilfe brauchen, mit Menschen, die helfen können, zusammen. Es geht dabei um die „Beratung und Vernetzung von Initiativen und Vereinen“, Nachbarschaftshilfe, auch die Integration. Wiederholt suchen Menschen gezielt eine Einzelberatung. Birgit Baumanns Büro befindet sich im Erdgeschoss des neuen Bürgerhauses in Hürben.

Doch bei ihrer Arbeit kommt es vor allem darauf an, „hinauszugehen“, den Kontakt mit den Menschen zu suchen, ein offenes Ohr für ihre Probleme zu haben. Oft ist sie mit dem Fahrrad unterwegs, das lässt mehr Raum für spontane Gespräche. Zum Beispiel beim Projekt „Gestalte Deine Stadt“, wo Bürger im Gespräch ihre Vorstellungen zur Zukunft Krumbachs einbringen konnten. 127 Wünsche zu Themen wie Barrierefreiheit, Verkehr (zum Beispiel eine Fußgängerzone und weniger „Holperpflaster“), Wohnen oder auch Arbeit und Ausbildung kamen zusammen.

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Mit „Meet & Eat“ wurde ein interkulturelles Sommerfest im Stadtgarten angeboten. Im Bereich der Markgrafenstraße wurde der Radweg zu einer Spielstraße umgewandelt. Zuletzt fand im Bürgerhaus die Aktion „Spielen ohne Strom“ statt. Zum Tag mit „klassischen“ Gesellschafts- und Brettspielen kamen nach Auskunft von Birgit Baumann rund 180 Gäste. Gerade für Familien sei der Tag ein besonderes Erlebnis gewesen. Eine Mutter habe gesagt, dass sie sonst zuhause die „Wäsche machen“ müsse, jetzt spiele sie mit den Kindern. Alle drei Monate wird mit den „Bürgerseiten“ eine „Quartierszeitung“ als Informationsmedium herausgegeben.

Bei der Neugestaltung der Bereiche Quartiersmanagement und Jugendpflege nutzt die Stadt Krumbach die Dienste des gemeinnützigen Günzburger Vereins „Pro Arbeit“. „Pro Arbeit“ ist beispielsweise auch bei der Jugendsozialarbeit an Schulen aktiv. Geschäftsführerin ist Stephanie Sarmiento. Zwischen „Pro Arbeit“ und der Stadt Krumbach hat sich offensichtlich ein sehr herzliches Verhältnis entwickelt. Stephanie Sarmiento war die Bäckerin des Geburtstagskuchens für Birgit Baumann, der den Stadträten im Hauptausschuss den Abend sozusagen „versüßte“.

Birgit Baumann ist 20 Stunden pro Woche als Quartiersmanagerin tätig, 15 Stunden als Jugendpflegerin. In beiden Bereichen ist es für sie von großem Vorteil, dass sie viele Menschen in ihrer Heimatstadt Krumbach kennt. Die 29-Jährige studierte an der Universität Augsburg Geografie mit den Schwerpunkten Raumordnung, Landesplanung und Regionalentwicklung. Ihren Master machte sie in Umweltethik mit Schwerpunkt Umweltbildung und Erlebnispädagogik. Sie arbeitete dann als pädagogische Leiterin am Bildungszentrum der Umweltstation Unterallgäu in Legau bei Memmingen. Verheiratet ist sie mit dem Krumbacher Künstler Tino Baumann. Beide waren im Vorstand des Jugendzentrums aktiv.

Birgit Baumann nutzt viele Netzwerke, wie Stephanie Sarmiento erläuterte. Zusammen mit Stadtrat Maximilian Behrends organisierte sie im Herbst eine U-18-Wahl. Eine Probeabstimmung im Rahmen der politischen Bildung, an der 320 Jugendliche im Alter von 13 bis 17 Jahren teilnahmen. Mit Blick auf die mögliche Neuwahl des Bundestags wird dieses Thema vielleicht bald wieder auf der Tagesordnung stehen. Zuletzt brachte sie maßgeblich das Projekt zur Neugestaltung eines Skaterplatzes auf den Weg.

Aus den Reihen des Hauptausschusses gab es – von Bürgermeister Hubert Fischer, Maximilian Behrends (JW/OL), Gerhard Weiß (2. Bürgermeister, CSU), Klaus Niederhofer (UFWG) und Peter Tschochohei (SPD) viel Lob für die Arbeit von Birgit Baumann. Auf die Frage Niederhofers, ob sie mit den zur Verfügung stehenden Stunden klarkomme, meinte Birgit Baumann, dass es „nicht extrem viele Überstunden“ gewesen seien.

Peter Tschochohei erwähnte die Messerstecherei vor einigen Tagen in der Ulmer Straße, verbunden mit der Frage, wo es im Jugendbereich Probleme gebe. Bei verschiedenen Jugendlichen sei eine „Betreuung zuhause nicht vorhanden“, erklärte Birgit Baumann. Die Gesellschaft müsse Angebote schaffen, sagte Bürgermeister Fischer dazu. Aber es gebe auch Menschen, die sich jeglicher Hilfe verweigern würden. Gerhard Weiß sprach das Thema Skaterplatz an. Es wäre schade, wenn der Basketballplatz verschwinden würde, meinte er. Besser wäre es, den derzeitigen Status quo zu optimieren.

Birgit Baumann selbst erwähnte das „Problem Nachwuchs“ im Jugendzentrum. Auch das ist eine Facette des viel zitierten gesellschaftlichen Umbruchs – Birgit Baumanns Tätigkeit ist zweifellos auch der Blick auf eine Zeitenwende. Wohl auch deswegen waren sich am Montag alle einig, dass ihre Arbeit sehr wichtig ist.

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Im Zeichen des Wandels

Was ist das für ein Umbruch in diesem zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts: Energiewende, Flüchtlingskrise, die Integration, die Herausforderung, ausreichend Kapazitäten für die Kinderbetreuung bereitzustellen, Familien, die immer mehr ihre Bindungskraft verlieren, Jugendliche, die gegenüber dem „politischen Prozess“ eine zunehmende Entfremdung verspüren – und gewissermaßen „am anderen Ende“ der Altersskala die wachsenden Engpässe im Pflegebereich.

Es ist eine Umwälzung, wie es sie lange nicht gab und die Tätigkeit der Quartiersmanagerin Birgit Baumann ist auf ihre Weise ein Spiegelbild dieser drastischen Veränderungen. Das macht ihre Arbeit so wichtig. Seit zehn Monaten ist sie nun für die Stadt Krumbach tätig und bereits jetzt kann sie eine beeindruckende Bilanz vorlegen. Mit Herz und Elan hat sie den sperrigen Begriff „Quartiersmanagement“ mit Leben erfüllt.

Ein Projekt war unter anderem die Probeabstimmung mit Jugendlichen bei der letzten Bundestagswahl. Doch hier deutet sich auch an, wie viel Arbeit noch vor Birgit Baumann liegt. Baldige Neuwahl – nicht ausgeschlossen - und wohl wieder einmal viel zu erklären in Sachen „politischer Prozess“.  (Peter Bauer)

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