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Hennings’ bleibende Botschaft

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Kommentar Von Peter Bauer
25.10.2019

Mit der Kunst von Alfred Hennings ist auch eine besondere Lebenseinstellung verbunden. Warum ein Blick darauf gerade jetzt sehr lohnend ist.

Alfred Hennings und die Fahrten des Alpenvereins in die Berge: Hubert Fischer erinnert sich noch gut daran. Heute ist Hubert Fischer Krumbacher Bürgermeister. Er sagt, dass er damals, als Kind, die Dimension von Hennigs’ Werk schlichtweg nicht kannte. Das ist verständlich und die persönliche Episode, die Fischer bei der Eröffnung der Ausstellung zu Hennings’ Lebenswerk in Erinnerung ruft, zeigt auch, wie sehr sich der Blick auf das Leben mit fortschreitendem Alter verändert.

Der junge Hubert Fischer hat Alfred Hennings bei den Fahrten in die Berge weniger als Künstler, sondern vor allem als geselligen, humorvollen, sympathischen Menschen erlebt. Doch unverkennbar ist, dass die gesellige Seite, dieses „den Menschen zugewandt sein“ untrennbar mit dem künstlerischen Schaffen von Hennings verbunden ist. Künstler entwickeln bisweilen eine Neigung, der Welt den Rücken zuzudrehen. Und mitunter ist diesem Zug auch eine gewisse Selbstherrlichkeit nicht fremd. Hennings hat seine Kunst hingegen sozusagen aus der Mitte des Lebens, aus vielen Begegnungen, entwickelt. So ist der Titel der neuen Ausstellung im Mittelschwäbischen Heimatmuseum („Begegnungen“) sehr treffend. Die Lebensbegegnungen von Alfred Hennings: Das waren aber reichhaltig auch die viel zitierten „Schattenseiten“ des Lebens. Zehn Jahre Krieg und Gefangenschaft, der Tod seiner Eltern bei einem Bombenangriff. Hennings, der in seiner Jugend in der Nazizeit in den 30er-Jahren heimlich Jazz spielt, erlebt in seiner Heimat Magdeburg 1938 die Pogromnacht.

Es ist vielleicht seine größte Lebensleistung, dass er bei all dem seinen Optimismus, seinen Glauben, dass sich die Dinge zum Guten wenden werden, nie verloren hat. Das ist gerade in einer Gegenwart, die Wut, Missgunst und Kleinkariertheit so hofiert, eine bleibende Botschaft.

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