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27.10.2008

Herz aus Eisen tief unter Wasser

Kulturhistorisch ist der Mühlbach eine Thannhauser Lebensader. Heute wird er noch zur Stromerzeugung genutzt. Jeden Monat fließen rund 2000 Euro ins Stadtsäckel, weil das E-Werk an der Edmund-Zimmermann-Straße Strom ins Netz der Lechwerke einspeist. Das Herzstück der Anlage aus den 1930er-Jahren liegt unter Wasser und ist normalerweise nicht sichtbar: eine Francis-Schachtturbine der Firma Voith mit vertikaler Welle.

Weil der Mühlbach in diesen Tagen gesäubert wird und kein Wasser führt, liegt die tonnenschwere Spezialkonstruktion frei. Die Lagerung wird erneuert, alle Funktionsteile überprüft und das Hydraulik- sowie das Getriebeöl erneuert.

Über eine Klappe im Boden mit den quadratischen schwarzen und weißen Fliesen geht es gut zwei Meter hinab: Wo normalerweise gut fünf Kubikmeter Wasser in der Sekunde durchrauschen, ist es jetzt trocken. Nur einige Pfützen sind vor dem übergroßen Gitter geblieben. Es soll bei normalem Wasserstand verhindern, dass Treibgut wie Äste oder kleine Baumstämme in die Turbine geraten und diese verstopfen. Wenn sich Staugut angesammelt hat, dann hebt sich automatisch ein übergroßer Rechen und sorgt dafür, dass das Wasser wieder ungehindert einströmen kann. Das Gitter, das vor acht Jahren eine Wasserleiche auffing, wird jetzt gesäubert: "Sonst wird die Leistung minimiert", sagt Manfred Raupach vom Bauamt der Stadt. Die liegt bei normalem Wasserstand bei 50 bis 60 Kilowattstunden.

Die Turbine mit der senkrechten Welle treibt einen Generator ein. Über den alten Turm fließt der Strom dann ins Netz. Um die Maschine richtig bedienen zu können, bedarf es nicht nur viel Erfahrung, sondern auch eines eigenen Werkzeug-Satzes. Die speziellen Schraubenschlüssel befinden sich im Generatorraum in einem Wandkasten - so aufgehängt vor 70 Jahren. "Früher wurde alles von Hand erledigt", erinnert sich Wasserwart Alois Ostertag. Damals war die Wasserkraft für die "Elektrifizierung" Voraussetzung. Das mag ein eigenes Kapitel der Ortsgeschichte sein. Das Kapitel Technik ist aber noch lange nicht zugeschlagen.

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