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Neuburg

14.01.2017

Hightech, Blasmusik und Vespa

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3 Bilder
Jessica Rademacher aus Neuburg ist in der Augsburger Firma Kuka maßgeblich an der Entwicklung von Robotern beteiligt.
Bild: Kuka

Jessica Rademacher arbeitet als Roboter-Entwicklerin bei Kuka, doch der Anker ihres Lebens sind Neuburg und die Musik. Und dann gibt es auch noch einen italienischen Traum.  

Ein strahlender Septembertag des Jahres 2016. Über das Gesicht der jungen Frau im roten Kleid mit weißen Punkten huscht ein Lächeln, ihre gelbe Vespa blinkt in der Sonne. Vespa, Rüschenkleid? Es ist für Augenblicke das Gefühl einer Zeitreise in das Italien der 50er- oder 60er-Jahre, schon damals eine Art deutsches Sehnsuchtsziel. Auch das ist in diesem September 2016 der Zauber des Krumbacher Bezirksmusikfests. Der große Umzug von zahlreichen Vereinen ist einer der Höhepunkte, die Neuburgerin Jessica Rademacher ist mit dem Vespa-Club dabei, zuvor bereits als Musikerin und eine der Vorsitzenden des Musikvereins Neuburg. Jessica Rademacher in Tracht oder im Rüschenkleid: Wer ihr an diesem Tag in Krumbach begegnet, würde wohl kaum vermuten, dass sie an anderen Tagen beruflich in Ungarn oder China unterwegs ist, dass die studierte Elektrotechnikerin bei der Augsburger Firma Kuka an einer maßgeblichen Stelle Roboter für die Industrie mitentwickelt.

Als sie über ihre Tätigkeit bei Kuka erzählt, scheint die Musikerin und Motorroller-Fahrerin Jessica Rademacher gleichsam in ein anderes Ich zu schlüpfen. Bei Kuka ist sie „Head of Usability Engineering“. Head of…? „Ich bin in direktem Kontakt mit den Kunden. Ich muss abklären, welche Problematik unsere Produkte für ihn lösen können, was der Kunde konkret braucht und welche Lösung wir für ihn zusammenstellen können, die ihn am besten bei der Arbeit unterstützt“, erklärt sie. Am Ende des Prozesses soll es für den Kunden ein möglichst maßgeschneidertes Produkt geben. Jessica Rademacher leitet ein Team mit vier Mitglieder, dem ferner vier Studenten angehören. Zusammen mit ihrem Lebensgefährten Bertram Schiebel, der aus Oberreute bei (südöstlich von Lindenberg im Allgäu) stammt, fährt sie unter der Woche Tag für Tag von Neuburg nach Augsburg. Die beiden haben sich auch beruflich viel zu erzählen. Bertram Schiebel ist wie Jessica Rademacher bei Kuka beschäftigt und dort Softwareentwickler.

Sie schmunzelt, als sie sich an eine Messe erinnert, auf der sie die Firma Kuka vertreten hat. Da hat wohl einer vermutet, dass sie so eine Art Hostess am Stand sei und nach dem Experten gefragt. Und dann wohl etwas gestaunt, als Jessica Rademacher ihm erklärte, dass diese Expertin vor ihm steht. Aber Vorurteile dieser Art werden immer weniger, sagt sie. Und in ihrer Firma, die zuletzt wegen der Debatte um die chinesische Übernahme deutschlandweit bekannt wurde, würden Vorurteile dieser Art ohnehin keine Rolle spielen. Sie sei schon in frühen Jahren technikbegeistert gewesen. Nach dem Fachabitur 2001 in Krumbach begann sie an der Fachhochschule Augsburg ein Studium der Elektrotechnik, das sie 2006 abschloss. Danach war sie bei Kuka zunächst „Trainer Robotics“. Sie trainierte Kunden im Umgang mit Robotern. Berufsbegleitend absolvierte sie ein Master-Fernstudium der Erwachsenenbildung. Später arbeitete sie unter anderem in der Forschung, seit rund einem Jahr ist sie in ihrer gegenwärtigen Position.

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Sie hat dabei mit Kunden aus der ganzen Welt zu tun, ist selbst oft im Ausland unterwegs, freut sich auf die „Begegnung mit fremden Kulturen“. Doch die Region Mittelschwaben ist gewissermaßen ihr Lebensanker. Jessica Rademacher ist am 28. Oktober 1980 in Krumbach geboren. Ihr Vater ist der Billenhauser Peter Janetschke, vielen bekannt als Automechaniker und Pilot. 2001 kam er bei Augsburg bei einem Flugzeugabsturz auf tragische Weise ums Leben. Ihre aus Neuburg stammende Mutter Gabriela Rademacher, die als OP-Krankenschwester im Bezirkskrankenhaus Günzburg arbeitet, ist inzwischen mit Joris Hennings verheiratet. Joris Hennings ist der Sohn des bekannten, 2014 gestorbenen Krumbacher Künstlers Alfred Hennings. Jessica Rademacher erinnert sich an so manches Gespräch mit Alfred Hennings, dessen durch Krieg und Gefangenschaft gezeichnetes Leben sie tief beeindruckt hat. Immer wieder erzählt sie auch von ihrem Opa Jupp Janetschke, dem langjährigen Billenhauser Dirigenten, der vor Kurzem seinen 90. Geburtstag gefeiert hat.

Sie selbst ist seit mittlerweile 28 Jahren musikalisch aktiv, spielt Klarinette und Saxophon. Im Neuburger Musikverein betreute sie über viele Jahre die Jugendarbeit, seit vier Jahren gehört sie neben Alexandra Vogg und Max Hildebrand dem dreiköpfigen Vorstand des Musikvereins Neuburg an. Der Verein ist im kommenden September maßgeblich an der Organisation der Großveranstaltung Donautal-Radelspaß beteiligt. „Darauf freue ich mich sehr“, sagt die begeisterte Radlerin und Schwimmerin, die in der Hallenbadsaison jeden Montag im Krumbacher Schwimmtreff von Jürgen Klimkeit trainiert.

Wenn Jessica Rademacher über Sport und Musik spricht, dann immer wieder auch von dem „Gemeinschaftserlebnis“, das sie dort finden kann. Und für sie ist das die andere Welt ihres Lebens, in der sie bewusst ihr Smartphone zur Seite legt und auch einmal für einige Stunden nicht erreichbar ist. Immer wieder blickt sie auf die ungeheuren Möglichkeiten der Digitalisierung, sie ist sich aber auch ganz sicher, dass der Mensch immer über der Technik stehen wird. Und dass Träume bleiben. Wie zum Beispiel die Fahrt auf einer Vespa im gleißenden Sonnenlicht.

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