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Krumbach

16.12.2020

Homeschooling in Krumbach: "Laptop kauft man nicht wie ein Päckle Nudeln"

„Einen Laptop kauft man nicht wie ein Päckle Nudeln“Seit Mittwoch muss der Großteil der Schüler zu Hause bleiben. Das Homeschooling bringt allerdings auch jede Menge Herausforderungen mit sich. Homeschooling ist allenfalls die zweitbeste Lösung“

Plus Die Schulen sind zu, Eltern sollen mit ihren Kinder zu Hause lernen. Dabei läuft vieles nicht rund. Drei Familien aus Krumbach und Wiesenbach erzählen.

Hoppladihopp war der harte Lockdown aufgrund der hohen Coronazahlen plötzlich da, der seit Mittwoch, 16. Dezember, gilt. Und mit ihm kamen auch wieder neue Regelungen für den Schulunterricht. Wieder müssen sich Eltern nun auf neue Vorgaben einlassen. Auch Abschlussklassen und Förderschulklassen, die bisher noch im Präsenzunterricht beschult wurden, müssen nun daheim bleiben. Wie kommen eigentlich Eltern mit der sich ständig ändernden Situation des Heimunterrichts ihrer Kinder zurecht? Sind ausreichend digitale Endgeräte in den Privatwohnungen vorhanden? Glühen die Leitungen, wenn Geschwisterkinder gleichzeitig im Internet unterwegs sind? Einige Eltern aus Krumbach und Wiesenbach standen uns hier Rede und Antwort.

Homeschooling: Langsames Internet macht Probleme in Wiesenbach

„Es geht, es muss einfach gehen“, sagte eine Mutter aus einem Ortsteil der Gemeinde Wiesenbach. „Homeschooling ist besser als gar kein Unterricht“, sagt sie, dennoch hat sie den Eindruck, dass nicht soviel vom Lernstoff hängen bleibt, wenn nur daheim gelernt wird. Mittlerweile ist sie selber schon ganz gut im Lernstoff drin, da sie viel abzufangen versucht und Lerninhalte den Kindern zusätzlich erklärt. Ihre beiden Kinder, ein elfjähriges Mädchen, das die Realschule Krumbach besucht und ein 13-jähriger Bub, der ans Simpert-Kraemer-Gynasium in Ursberg geht, erledigen die Aufgaben an einem Familienlaptop. „Zum Glück können die Kinder viel offline erledigen und Videokonferenzen halten sich in Grenzen“, sagt die Mutter. Denn gleichzeitig am Videounterricht könnten die Geschwister nicht teilnehmen. Abgesehen vom Gemeinschaftsgerät liegt dies auch an der Internetleitung. „Wir wohnen hier auf dem Land, da haben wir nur Wald- und Wieseninternet“, scherzt sie und eine gehörige Portion Wahrheit schwingt in ihrer Aussage mit. Die Netzkapazität sei nicht ausreichend, Programme blieben immer wieder hängen.

Ihr Berufsleben hat die Mutter ein wenig umgekrempelt. Ihren Vormittags-Teilzeitjob konnte sie dank des flexiblen Arbeitgebers größtenteils in die Nachmittagsstunden verlegen, sodass sie morgens für die Kinder da sein kann, wenn es Probleme beim Homeschooling geben sollte. Geübt hat das die Familie teils schon im Frühjahrslockdown. Ein Lob gibt es für die Schulen, die so lange den Präsenzunterricht mit guten Hygienekonzepten aufrechterhalten hätten. „Die Kinder lernen einfach mehr und besser im Präsenzunterricht“, stellt sie fest. Sie hätte nicht mitbekommen, dass unter Schülern das Virus einmal weitergegeben worden sei, selbst wenn es einmal einen positiven Fall in einer Klasse gegeben habe, hätten sich ja dann nicht die Mitschüler angesteckt, schildert sie ihren subjektiven Eindruck und hofft wieder auf Präsenzunterricht nach den Ferien, denn schon im Frühjahrslockdown hätten die Kinder bereits unheimlich viel Stoff versäumt.

Leihgerät der Krumbacher Realschule entlastet die Familie

Regina Bosch aus Krumbach hat zwei Kinder, der Bub geht in die 5. Klasse und das Mädchen ist in der 9. Klasse der Realschule. Da die Familie nur einen Familienlaptop besitzt, ist sie froh, dass sie für ihren Fünftklässler ein Leihgerät von der Schule ausleihen durfte. „Einen Laptop kauft man ja nicht, wie ein Päckle Nudeln“, sagt sie. Bis man wisse, was man für ein Gerät will, was man brauche, was für Programme drauf sein sollten, brauche man einige Zeit der Überlegung. Bis man sich dann schlüssig sei, was man anschaffe, entlaste das Leihgerät in der Überbrückungszeit schon. Wie sich das bewährt, wird sich zeigen, denn im Frühjahrslockdown hat ihr damaliger Viertklässler noch von der Grundschule alle Aufgaben auf Arbeitsblättern auf Papier bekommen. Es gab einen Wochenplan, wann was zu bearbeiten war, der klare Strukturen bot. Jetzt muss man sich auf der Schulplattform die Arbeitsaufträge zusammensuchen und die Lehrer stellen diese zu unterschiedlichen Zeiten ein, da sei das Entdecken der Aufgaben in der Cloud eine Umstellung.

Regina Bosch arbeitet einige Vormittage als zahnmedizinische Prophylaxe-Assistentin. Wenn sie aber da ist, unterstützt sie. „Wir schauen uns das dann zusammen an, damit auch nichts übersehen wird“, sagt sie. Schwierig für die Kinder findet sie das Fehlen des Miteinanders, der Klassengemeinschaft für die Kinder. Das Schullandheim für ihren Buben musste ersatzlos gestrichen werden. Über die Corona-Maßnahmen sagte Bosch zuerst: „Oh, nee, schon wieder ist die Schule zu.“ Doch jammern helfe eben nicht viel. Beide Kinder waren im Herbst bereits einmal in Quarantäne in ihrem Zimmer. „Das ist kein Spaß“, so Bosch. Je kleiner das Kind sei, desto mehr brauche es den Anschluss an die Familie. Sie hatten zum Glück ein negatives Testergebnis. Lieber seien aber jetzt die Schulkinder auseinander, damit Ansteckungen vermieden werden. Die Kinder würden sich jedenfalls auf eine Zeit mit direktem Unterricht wieder freuen, so Bosch.

Mutter aus Krumbach macht Homeschooling für drei Realschüler

Karin Blank aus Krumbach ist Mutter von vier Söhnen und meint „optimal ist halt der Präsenzunterricht und Homeschooling ist allenfalls die zweitbeste Lösung“. Ihre 10-, 13- und 15-jährigen Buben besuchen die Realschule Krumbach, der Achtjährige die Grundschule in der Kammelstadt. Blank ist froh, dass der Präsenzunterricht immerhin bis jetzt laufen konnte, sie hatte sich große Sorgen gemacht, dass die Schulen früher zugemacht würden. Sie findet, dass eine ganze Generation jetzt in einen großen Bildungsnachteil gerät.

Wissenslücken seien seit dem ersten Lockdown da und irgendwann seien diese einfach nicht mehr zu kompensieren. Besonders gemerkt hat dies ihr Großer, der in der 10. also der Abschlussklasse der Realschule ist. Nach dem Frühjahrslockdown hat er im Englischunterricht gemerkt, dass er Dinge nicht habe so abrufen können, wie es beim Abschlussniveau geforderte werde. „Da hat er ein bisschen Panik geschoben“, sagt die Mutter. Außerdem sei er auch noch in Quarantäne gewesen und habe dadurch wertvolle Unterrichtszeit verloren. „Wir nehmen den Kindern Bildungschancen“, fürchtet sie.

Realschule Krumbach arbeitet mit einer eigenen Schulplattform

Allerdings lobt sie die Schule: „Die haben eine eigene Cloud, die funktioniert“, nicht so wie die Plattform Mebis, bei der es ja zuletzt einige Probleme gegeben habe. „Die Kinder kennen sich damit aus und ich muss wenig helfen“, erklärt Blank. Gut findet sie, dass auch eine Rückkoppelung seitens der Schule stattfindet. Wenn mal eine Arbeit nicht rechtzeitig zurückgeschickt werde, komme gleich eine Nachfrage der Lehrerin, ob es Probleme gegeben habe, ob Hilfe benötigt werde. „Da war ich positiv überrascht.“ Die Familie hat letztes Jahr an Weihnachten ihre digitale Ausrüstung optimiert, noch ohne zu wissen, was auf sie zukommen werde.

Der große Sohn habe einen eigenen Laptop bekommen, der Drucker der Familie war kaputt, sodass auch ein hochmoderner angeschafft wurde. Außerdem gebe es noch einen zweiten Laptop der unter den anderen drei Brüdern sehr gefragt sei und auch ein Tablet hat sich die Familie zugelegt. Weil der Papa öfter im Homeoffice arbeite, existiere auch noch ein fester PC-Arbeitsplatz. Die technische Ausstattung sei also für sie kein Problem, so Blank, eher die Organisation, wer wann was wo hoch- oder runterladen oder abgeben müsse.

Corona-Lockdown: Wenn Eltern und Kinder daheim arbeiten müssen

Manchmal gebe es auch Wanderungen durch die Wohnung, wenn es zu laut werde, wenn die Eltern zum Beispiel im Homeoffice telefonierten, eine Videokonferenz hätten oder der Vater als Musiklehrer Online-Musikunterricht gebe. Jeder suche dann einen Platz, wo er nicht gestört wird. Dass wenig Videokonferenzen angeboten werden, findet Blank einerseits schade, denn das Gefühl, Teil einer Klasse zu sein, gehe im Distanzunterricht sehr verloren. Andererseits ist sie froh, dass nicht alle Kinder gleichzeitig Live-Online-Unterricht haben, denn das wäre dann doch ein bisschen schwierig technisch zu bewerkstelligen.

Wenn jetzt alle Kinder daheim bleiben müssten, sei das für sie mitunter leichter zu organisieren, als wenn es für alle unterschiedlich sei, dann, wenn zum Beispiel zwei noch in die Schule müssten und zwei daheim lernen sollten. Blank hofft natürlich für ihre Buben auch wieder auf Präsenzunterricht nach den verlängerten Weihnachtsferien, „sonst werden die Bildungsnachteile immer größer“.

Kontakt Wenn Sie gerne ihre Situation mit Kindern in der Coronazeit schildern wollen, nehmen Sie gerne per E-Mail Kontakt zu unserer Redaktion auf unter redaktion@mittelschwaebische-nachrichten.de

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