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19.06.2009

"Honigmann" das süße Leben versalzen

Weißenhorn/Neu-Ulm (kr) - Wegen einer an Dreistigkeit und Pietätlosigkeit kaum zu überbietenden Tat ist ein 59 Jahre alter Mann vom Amtsgericht Neu-Ulm zu einer einjährigen Haftstrafe ohne Bewährung verurteilt worden. Richterin Antje Weingart sah es als erwiesen an, dass der aus dem Raum Dillingen stammende und vielfach vorbestrafte Angeklagte im Herbst vergangenen Jahres einen Weißenhorner, dessen Frau kurz zuvor gestorben war, übers Ohr gehauen hat.

Wie die Ermittlungen ergaben, hatte der Mann mehr oder weniger systematisch Zeitungen nach Todesanzeigen durchforstet, mutmaßlich, um anschließend trauernde Hinterbliebene zu überrumpeln. Das tat er auch vergangenen Herbst, als er an der Haustür des Trauerhauses klingelte, um eine "Bestellung" auszuliefern, die angeblich die Verstorbene zu Lebzeiten bei ihm gemacht hatte. Dabei handelte es sich um 240 "Api-Spezial-Trinkampullen" (laut Internet ein "natürliches Nahrungsergänzungsmittel" unter anderem aus Blütenpollen, Weizenkeimen, "Gelee-Royal", "Propolis-Extrakt" und Holunderkonzentrat, das in Zusammenhang mit Honig steht) und Honig zum Preis von 500 Euro.

Bestürzung über Tod der "angeblichen" Kundin geheuchelt

Sein erster Anlauf war vergeblich, obwohl er seine Bestürzung über den Tod seiner angeblichen Kundin heuchelte: Der Sohn der Verstorbenen schickte ihn weg. Das schreckte den 59-Jährigen aber nicht ab. Beim zweiten Versuch traf er den Witwer allein an. Der in seiner Trauer nach eigenen Angaben überforderte Mann suchte im ganzen Haus Geld zusammen und händigte dem Verkäufer die 500 Euro aus. Seine Dreistigkeit stellte der Angeklagte unter Beweis, als er behauptete, weil auf Nahrungsmittel keine Mehrwertsteuer erhoben werde, gebe es keine Quittung. Dafür hinterließ er ein Eimerchen mit Honig.

"Honigmann" das süße Leben versalzen

Irgendwann kamen die Zweifel an der Bestellung

Irgendwann kamen dem Witwer Zweifel, dass seine verstorbene Frau tatsächlich die Bestellung aufgegeben hatte. Er wandte sich an die Weißenhorner Polizei, deren Beamte über ein bemerkenswertes Gedächtnis verfügen. Ein Polizist erinnerte sich, dass der in Justizkreisen "Honigmann" genannte Straftäter auf ähnliche Weise schon vor etwa fünf Jahren zwei betagte Bürger um rund 1500 Euro gebracht hatte. Die Ermittler zeigten dem Witwer daraufhin ein Foto, auf dem der geprellte Witwer eindeutig den betrügerischen Hausierer erkannte.

Auf die schiefe Bahn geraten war der Angeklagte bereits 1970. Seit damals sammelte er nicht weniger als 17 Vorstrafen an, die meisten davon einschlägig, wie Betrug und Wucher.

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