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03.06.2009

"Ich bin kein Umfaller"

Thannhausen Wie geht es weiter mit dem Rathausbau in Thannhausen? Soll dafür das Hotel Engel abgerissen werden? Dr. Nils Goltermann, Pressesprecher des Bürgerforums, hatte vor Kurzem im Stadtentwicklungsbeirat einen Abriss des Engels für möglich gehalten, wenn der Neubau dem historischen Vorbild weitestgehend entspricht und dieser Weg aus wirtschaftlichen Gründen einzuschlagen ist. Goltermanns Position sorgte zuletzt für Diskussionen. Im Interview mit den Mittelschwäbischen Nachrichten betont er, dass er in Sachen Engel-Abriss keineswegs ein "Umfaller" sei. Er verweist auf den Text des vom Bürgerforum initiierten Bürgerentscheids. Dort heiße es wörtlich: Ziel sei der Erhalt der "historischen Bausubstanz" sowie Erhalt des städtebaulich prägenden Charakters des Hotelgebäudes Engel. Demnach sei ein Abriss möglich, wenn ein weitgehend identischer Neubau an gleicher Stelle komme.

Sind Sie ein "Umfaller"?

Dr. Nils Goltermann: Nein, ich bin kein Umfaller. An meiner Position und an der des Bürgerforums hat sich nichts verändert. Das zeigt der Blick auf den Stimmzettel des Bürgerentscheids vom 13. Januar 2008.

Nach einer Standort- und Kostenanalyse zeichnet sich derzeit in Thannhausen ein relativ breiter Konsens ab: Abriss des Hotels Engel aus wirtschaftlichen Gründen - wenn der Neubau den historischen Vorgaben entspricht. Hätte man nicht schon vor drei Jahren so weit sein können und sich das Ganze zum Teil quälende Hin und Her sparen können?

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Goltermann: So weit hätte man in der Tat schon vor einigen Jahren sein können. Doch damals machten sich die Befürworter eines Engel-Abrisses überhaupt nicht die Mühe, die Baugeschichte des Engels zu studieren, die bis etwa 1890 zurückreicht. Es ging seinerzeit einzig und alleine darum, durch einen schnellen Abriss die Freiheit für eine völlig andere städtebauliche Gestaltung zu schaffen. Das belegt eindeutig (!) der damalige Ausschreibungstext. Und so etwas darf sich jetzt nicht wiederholen. Abrissbefürworter argumentierten, dass der Engel nicht erhaltenswürdig sei, weil er in den 50er Jahren zu seinem Nachteil verändert wurde. Aber bei einer Neugestaltung muss man vielmehr in die Anfangszeiten des Engels zurückgehen und die damalige Optik aufgreifen. Schreiegg's Post, der Stern, das Alte Rathaus und der Engel sind die vier prägenden Gebäude in Thannhausen, die alle den gleichen Baustil verkörpern. Und um den geht es bei dem "Erhaltungsgedanken". Bei der Neugestaltung des Engels sollten wir so optisch zu seinen historischen Wurzeln zurückkehren, weil eben nur dadurch das Ziel des Erhalts des städtebaulich prägenden Charakters erreicht wird!

Sie sprechen oft von einem identischen Neubau. Was konkret heißt identisch?

Goltermann: Die Optik muss erhalten bleiben. Dabei sollte die in den 50er Jahren veränderte Fassade nicht mehr maßgebend sein, sondern die Anfangszeit des Engels. Hier gibt es prinzipiell zwei Möglichkeiten: Rückbau in die ursprüngliche äußere Ansicht des Engels oder aber Abbruch und Neubau in gleicher Form, wenn ein Rückbau wirtschaftlich teurer kommt. Ein Abriss hat den Vorteil einer Wiedererrichtung mit modernen Baumaterialien. Im Inneren des Gebäudes muss es natürlich Gestaltungsmöglichkeiten geben, hier muss ja eine Verwaltung optimal untergebracht werden. Auch bei der Gestaltung des Umfeldes des gesamten Areals gibt es sicherlich städtebauliche Freiheiten. Von Vorteil ist dabei, dass die Stadt jetzt zusätzlich im Besitz des Bauberger-Hauses ist.

Noch nicht absehbar ist, wie massiv sich die Wirtschaftskrise auf die Finanzen der Kommunen auswirken wird. Was kann das für den Rathausneubau in Thannhausen bedeuten?

Goltermann: Wir haben jetzt ein gutes Konzept, das von einer breiten Basis mitgetragen wird. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass wir mit Georg Schwarz jetzt einen Bürgermeister haben, der sich darum bemüht, die Emotionen aus diesem Thema herauszunehmen. Das Ziel möglichst schnell einen Rathausneubau zu realisieren sollten wir trotz Krise nicht aus den Augen verlieren und entschlossen weiterverfolgen. Zu prüfen ist, welche staatlichen Mittel für das Projekt gegebenenfalls zusätzlich genutzt werden können.

Wie bewerten Sie den Bürgerdialog?

Goltermann: Natürlich ist es schade, dass nur relativ wenige Bürger die Chance zur Teilnahme genutzt haben. Aber wichtig ist: Jeder hatte die Möglichkeit dazu. Der Thannhauser Bürgerdialog hat sich insgesamt bewährt und von einer Manipulation des Bürgers kann keine Rede sein. Die Bürger vertrauen darauf, dass sich die Verantwortlichen im Stadtrat an das Votum des Bürgerentscheids von 2008 moralisch gebunden halten. Wir sind somit offensichtlich auf einem guten Weg.

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