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13.01.2016

Im Herzen ist er immer ein Schwabe geblieben

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Robert Naegele war vielen auch als Theaterschauspieler bekannt. Das Bild zeigt ihn in Ulm 1951 in dem Stück „Was ihr wollt“ von Shakespeare. Naegele ist jetzt im Alter von 90 Jahren gestorben. Bis zuletzt wichtig war ihm der Kontakt zu seiner alten Heimat Mittelschwaben.
Bild: Sammlung Naegele

Der Schriftsteller, Regisseur und Schauspieler Robert Naegele ist gestorben. Sein Lebenswerk ist auch eine beeindruckende Verbindung von Humor und Tiefgründigem

Robby nannten ihn seine Freunde liebevoll. Seit Langem lebte er in München, doch die Kontakte zu seiner Heimat Mittelschwaben hat Robert Naegele bis zuletzt intensiv gepflegt. Nun ist Naegele, der als Schriftsteller, Regisseur und Schauspieler einem breiten Publikum bekannt wurde, in München gestorben. Im vergangenen Juni war er 90 Jahre alt geworden. Naegele spielte unter anderem in populären Krimis wie „Tatort“ oder „Derrick“ und in zahlreichen Theaterrollen. Immer wieder hat Naegele in Gesprächen erzählt, wie mühsam er sich für seine Rollen das Hochdeutsche angeeignet hat. Doch bei verschiedenen Rundfunkprojekten wie beispielsweise die Sendung „Bairisch Herz – Ausgabe Schwaben“ war sein Schwäbisch dann wieder zunehmend gefragt. Naegele kommentierte seinen Spagat zwischen dem Schwäbischen und dem Hochdeutschen mit seinem unverwechselbaren Humor: „Beim Theater hat man mir das Schwäbisch-Schwätza abgewöhnt. Aber das Schwäbisch-Schnaufa konnte man mir nicht abgewöhnen.“

Schwabe ist er in seinem Herzen wohl immer geblieben. Naegele ist am 23. Juni 1925 in Nattenhausen geboren und wuchs in Ebershausen auf. Nach einer Lehre in einem Krumbacher Eisenwarenladen folgte der Einsatz in der Endphase des Zweiten Weltkriegs. Dem Schrecken des Krieges entkommen, entdeckte Naegele bald seine Leidenschaft zur Schauspielerei und er setzte alles daran, seinen Traum zu verwirklichen. Ein glücklicher Umstand kam hinzu. Naegele hatte eine junge Frau aus Memmingen kennengelernt, deren Mutter zum „Hamstern“ aufs Land gekommen war. Über seine Memminger Bekanntschaft kam der Kontakt zum Memminger Theater zustande, das nach dem Krieg seinen Betrieb wieder aufnehmen konnte. Naegele radelte immer wieder nach Memmingen, um dort Schauspielunterricht zu nehmen. Eine erste Rolle bekam er am Memminger Stadttheater. Innerhalb von kurzer Zeit wurde er zu einem formidablen Theaterschauspieler und Charakterdarsteller. Und bald hatte sich der Schwabe aus Leidenschaft ein geschliffenes Hochdeutsch angeeignet. Auf der Ulmer Freilichtbühne spielte er beispielsweise den „Schneider von Ulm“. Weitere Stationen waren die Titelrolle in „Don Carlos“ oder auch ein Auftritt in dem Stück „Draußen vor der Tür“ von Wolfgang Borchert, in dem er einen Kriegsheimkehrer – und damit in einer gewissen Weise auch sich selbst – spielte. Naegele war unter anderem am bayerischen Staatsschauspiel sowie bei den Münchner und Hamburger Kammerspielen engagiert.

Rollen in „Derrick“ und „Tatort“

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Es kamen Rollen im Fernsehen dazu, beispielsweise in den bekannten Krimireihen „Tatort“ oder „Derrick“. Naegele war an über 250 Filmen und Fernsehspielen beteiligt. Auch beim Hörfunk war er zunehmend gefragt. Engagiert wurde er unter anderem für den „Schwabenspiegel“ des Bayerischen Rundfunks. Er schrieb zahlreiche Hörspiele und war verantwortlich für rund 100 Folgen der Sendung „Bairisch-Herz – Ausgabe Schwaben“. Naegeles Arbeit ist vielfach ausgezeichnet worden. Unter anderem erhielt er die Goldene Ehrennadel des Bayerischen Rundfunks. Als ihm die Verantwortlichen des „Schwabenspiegels“ anfangs eröffneten, seine Aussprache sei zu hochdeutsch, ließ sich Naegele nicht zweimal bitten und nutzte die Gelegenheit zur Rückkehr in seine sprachliche Heimat. Beim Bayerischen Rundfunk wurde er schließlich der „Schwabe vom Dienst“.

Verfasst hat er zahlreiche Bücher, in denen das Schwäbische eine maßgebliche Rolle spielt. Besonderen Kuriositäten war Naegele dabei immer wieder auf der Spur. Er erzählte vom Dorfleben, von Lausbubenstreichen, aber neben dem Humor stand immer auch tiefgründiger Ernst.

Naegele lebte zuletzt in einem Wohnstift am Entenbach in München. Wichtig war ihm bis zuletzt der Kontakt zu seiner Heimat, auch zur Redaktion unserer Zeitung, in der zahlreiche Beiträge von Robert Naegele veröffentlicht wurden. Kurz vor seinem 90. Geburtstag im Jahr 2015, war er noch einmal zu Gast im Mittelschwäbischen Heimatmuseum in Krumbach. Sein Gang wirkte ein wenig unsicher. Doch dann waren da diese raumgreifende, klare Stimme und seine spitzbübisch funkelnden Augen. Ein Lausbub mit Humor und Hintersinn ist Naegele zeit seines Lebens geblieben. "Bayern

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