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15.06.2009

Im Tod zur Schau gestellt

Thannhausen Seit einigen Jahren können wir in das Innerste eines Menschen nach seinem Tod Einblick gewinnen. Plastiniert und proportioniert stellt der Anatom Gunther von Hagens Menschen und Tiere in seinen "Körperwelten" zur Schau. Er versteht sich dabei als Künstler. Es sind aber keine künstlichen Welten, es waren einmal lebendige Menschen und Lebewesen.

Durch das Plastinat sind die Exponate, wenn sie nicht mehr gebraucht werden, Sondermüll. Besucher sind beeindruckt und fasziniert, aber auch erschrocken oder fühlen sich abgestoßen. Bis zum 13. September werden in der Augsburger Messe rund 200 Exponate gezeigt unter dem Motto "Eine Herzenssache". Wie es vermuten lässt, wird das Herz des Menschen scheibchenweise ausgestellt. Nicht nur ein medizinisches Interesse wird befriedigt. Was ist der Mensch? Was wird aus ihm? Und was bleibt nach dem Tod? Unsere christlichen Kirchen versuchen Antworten zu geben; und da sind sich katholische und evangelische Christen einig, wenn es um die "Körperwelten" geht.

Hier geschehe in aller Öffentlichkeit ein bewusster Tabubruch, so von katholischer Seite und von Verrohung der Totenkultur spricht die evangelische Kirche. In Berlin zum Beispiel protestierten evangelische Pfarrer im Talar gegen die Ausstellung. Sie stießen dabei auf eine Gruppe von sogenannten Körperspendern, die ihre Unterstützung für von Hagens Ausstellung ausdrückten und dabei ihre Bereitschaft bekundeten, im Falle ihres Todes sich für solche Plastinierungen zur Verfügung zu stellen.

Es gibt ein Dafür und ein Dagegen. Aber es ist nicht nur Geschmackssache, ob man dafür oder dagegen ist. Es drücken sich unterschiedliche Sichtweisen auf das Leben und den Tod darin aus. Für die einen ist der Mensch in seiner Ganzheit auch nach seinem Tod achtenswürdig und die Totenruhe heilig. Für andere wird der Mensch auf diese Art verewigt, weil er künstlich haltbar gemacht und zur Schau gestellt wird.

Im Tod zur Schau gestellt

Kirche bietet Führungen an

In Augsburg will die evangelische Kirche Führungen durch die Ausstellung anbieten. Aus christlicher und medizinischer Sicht haben Besucher die Möglichkeit, Antworten zu finden. Ob ich die Ausstellung besuchen werde, weiß ich noch nicht. Vielleicht überwindet meine Neugier doch meine Vorbehalte.

Pfarrer Friedhelm Müller, Thannhausen

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