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Konzert

18.09.2012

Improvisation der Extraklasse

Wie im Vorjahr waren Jürgen Steber (links) und Wolfram Seitz beim Benefizkonzert in der Stadtpfarrkirche Thannhausen zugunsten der Missionsarbeit von Abbe Andre eine Klasse für sich.
Bild: Dr. Heinrich Lindenmayr

Himmlische Klänge in „Mariä Himmelfahrt“ in Thannhausen

Thannhausen Ein Benefizkonzert, Orgel und Trompete: Da kann man hingehen, schließlich erwartet den Besucher schöne Musik zu einem guten Zweck. Wer aber im vergangenen Jahr Wolfram Seitz an der Orgel und Jürgen Steber an der Trompete beim Benefizkonzert für die Missionsarbeit von Abbe Andre gehört hatte, für den war der Besuch in diesem Jahr ein unbedingtes Muss. Wer erinnerte sich nicht an die phänomenalen Improvisationen zu einem Kirchenlied, an die Perlen alter und neuer Orgelmusik und das herrlich-harmonische Miteinander von Orgel und Trompete. Eben diese drei musikalischen Trümpfe des Vorjahrs bestachen auch bei der Neuauflage.

Wie Wolfram Seitz ein Thema aufgreift („Christi Mutter stand in Schmerzen“), die Melodie dann kunstvoll verschleiert und dann immer weiter verfremdet, in immer entferntere Gefilde verfolgt, das muss man gehört haben. Der junge Organist, Student am Mozarteum in Salzburg, entführte den Hörer in Höhen, wo die Orgel fast gläsern klingt. Er entführte den Hörer in exotische Klangwelten, als käme das bekannte Kirchenlied aus einem Wüstenzelt von der Flöte eines Beduinen. Er setzte die Töne voneinander ab, sodass die Melodie etwas Hölzernes bekam, um dann wieder in die Breite zu gehen, wo die Wucht der Töne etwas fast schon Erdrückendes gewann. Aber immer blieb, mal näher, mal ferner, die Melodie präsent, durch alle Verkleidungen hindurch transparent.

Bachs Präludium und Fuge in C ließ Wolfram Seitz immer weiter wachsen. Aus tastenden Anfängen gleich einem Stochern im Nebel, brachen sich Fülle, Kraft und Leben Bahn, wobei bei all dem grandiosen Schwung sämtliche filigranen Figuren dieser Musik ihre Prägnanz behielten, die sie brauchen, um zu wirken. Eine Freudenhymne aus der Feder eines modernen Komponisten: Für das Ohr war die Hymne von Günther Firlinger nicht immer schmeichelnd. Aber Freude kann ja schließlich so sein, überwältigend, ekstatisch, explosiv, fortwährend wabernd, bisweilen schrill und kaum noch zu kontrollieren, um endlich erschöpft in satter Zufriedenheit zu verklingen.

Neben all diesen musikalischen Erlebnissen wirkte in diesem Konzert die prächtige Musik von Telemann fast nur wie ein nützliches Beiwerk, immerhin erholsam und beglückend. Zum Finale stürzte sich dann Jürgen Steber im Kopfsatz des Es-Dur-Trompetenkonzerts von Johann Nepomuk Hummel in eine furiose Kadenz. Jetzt durfte die Königin der Instrumente schweigen, da Jürgen Steber vorführte, wie beweglich und klangsatt er seine Trompete das Thema umspielen und ausreizen lassen kann. (hli)

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