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Krumbach

25.11.2018

In Krumbach verleiht die Kunst Flügel

Maksim Pokarklis (9 Jahre) aus der Klasse 4 c der Krumbacher Grundschule vor dem Werk im Eingangsbereich. Die Flügel wurden von rund 400 Kindern gestaltet, jedes Kind bemalte je eine Feder.
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Maksim Pokarklis (9 Jahre) aus der Klasse 4 c der Krumbacher Grundschule vor dem Werk im Eingangsbereich. Die Flügel wurden von rund 400 Kindern gestaltet, jedes Kind bemalte je eine Feder.
Bild: Monika Leopold-Miller

Die teilnehmenden Künstler greifen bei der Kunstnacht die Widersprüche unserer bewegten Zeit auf eine einfühlsame Weise auf.

Eine seltsame Figur. Muskulös – und doch ausgemergelt. Unterwegs auf einem merkwürdigen Schiff. Mit einer Lanze durchbohrt er eine Weltkugel. „Er heißt ,Der Narr’“, sagt Künstler Rudi Schumertl mit einem hintersinnigen Lächeln. Der Narr? Narrenschiff? Ja, in dieser Kunstnacht ist zu spüren, wie diese auf so schwer greifbare Weise aus dem Gleichgewicht geratene Gegenwart die Kunst bewegt. Die Kunst zeigt Abgründe, aber sie ist auch die Sehnsucht nach dem Bleibenden, Beständigen, einem wirklichen Lebenswert. Die Kunstnacht spannt den Bogen zwischen Himmel und Hölle. Otto Schorer und sein Sohn Gabriel gehen mit ihrem Kunstprojekt im Wasserschloss den Weg zwischen Himmel und Hölle – auf drei Stockwerken in einem Gebäude aus dem 15. Jahrhundert.

Himmel, Hölle, 15. Jahrhundert, ein Schloss: All das steht dafür, was Kunst sein kann. Sich in Zeit, Raum und Gedanken regelrecht zu verlieren. Erstmals im Jahr 2007 fand in Krumbach eine Kunstnacht statt. Damals waren es ganze drei Stationen. In diesem Jahr sind es 18. Eine Konstante ist geblieben. Der Krumbacher Künstler und Galerist Sigurd Rakel, der Wegbereiter der Kunstnacht im Jahr 2007, bringt mit seinen einleitenden Worten bei Glogger & Partner im Historischen Krumbacher Rathaus die Kunstnacht gewissermaßen auf den Weg. Malerei, Bildhauerei, Fotografie und Musik – es ist ein Kunstkomplettpaket, das die Besucher der Kunstnacht erleben können. Und die Kunstnacht bringt Generationen zusammen.

Erstmals beteiligt sich in diesem Jahr die Krumbacher Grundschule. Im gesamten Schulhaus sind die Bilder der Kinder zu sehen. Im Eingangsbereich der Schule hängt ein großer, bunter Vogel mit rund 400 Federn – jede Feder individuell von einem Schüler gestaltet. Ja, Kunst kann buchstäblich Flügel verleihen.

Einen besonderen Leckerbissen für die Freunde der klassischen Musik gibt es beim Auftritt des Günzburger Kammerorchesters in reiner Streicherbesetzung unter der Leitung von Michael Dolp. Gespielt werden Werke von Wolfgang Amadeus Mozart, Franz Schubert und Thomas Bäurle. Er führt in einen Abend ein, der zu einem angenehmen Kontrast zur dunklen Jahreszeit wird.

Sich Zeit nehmen, die Hektik der Gegenwart hinter sich lassen: Dieser Wunsch trägt die Kunstnacht. Zeit, ihre Rätsel und ihre Faszination – dies scheint die Menschen gerade im sogenannten „digitalen Zeitalter“ mehr denn je zu beschäftigen. „Haben Sie mal kurz Zeit?“, heißt die Frage in der Tagesstätte für seelische Gesundheit. Die Besucher können auf Kärtchen Fragen wie „Was ist für Sie Zeitverschwendung?“ beantworten und diese an eine Wand kleben.

Die Probleme der Reizüberflutung

Lutz-Volker Spies setzt sich im ehemaligen Filmtheater in der Karl-Mantel-Straße mit der „Unverträglichkeit von Reflexion und Reizüberflutung“ auseinander. Welche Chance haben wir noch zur Reflexion, zum wirklichen Nachdenken, wenn „einer immer am Rad dreht“? – wie es Andreas Birkner (Wabato Movement) in einem seiner Werke thematisiert? In einer Zeit, in der so vieles „linientreu“ ist, wie es Dominik Widmann in seinen Arbeiten aufgreift? Oder gibt es sie auch heute noch, die Nischen der Ruhe? Barbara Lindner (Ausstellung der VHS im Bürgerhaus) findet sie immer wieder, wenn sie mit ihrer Kamera unterwegs ist.

In der Nacht zum Sonntag kann man ahnen, warum Krumbach von anderen Orten um seine Kunstnacht beneidet wird. Im Herzen der Stadt ist sie gewissermaßen längst fester Bestandteil der Krumbacher Identität geworden. 2. Bürgermeister Gerhard Weiß spricht dies in seinen Worten zur Eröffnung mehrfach an. Die Kunstnacht gibt auf ihre Weise auch geistigen Halt. Sehr wohltuend in dieser in Schieflage geratenen Zeit.

Ein Video gibt es zur Eröffnung der Kunstnacht in Krumbach

Ein weiteres Video zum Kunstnacht-Konzert in St. Michael


Zur Kunstnacht gibt es auch eine große Bildergalerie

In Krumbach verleiht die Kunst Flügel
58 Bilder
Große Kunstnacht in Krumbach
Bild: Monika Leopold-Miller
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