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Wattenweiler

15.02.2020

In Wattenweiler wird die Literatur gepflegt

Unser Bild zeigt den „harten Kern“ der Literaten Wattenweiler: Von links Josef Kugler, Anne Böck, Anton Böller, Josef Müller und Viktoria Spies.
Bild: Claudia Bader

Plus Wie sich eine Gruppe von Männern und Frauen der Literatur widmet und welche Pläne sie haben.

Der Begriff Literaten lässt manchen vielleicht an gehobene oder gar hochgestochene Sprache denken. Wer schon einmal bei einer Veranstaltung der Literaten Wattenweiler dabei war, hat diese eventuelle Voreingenommenheit aber bestimmt rasch vergessen. Bereits im Gespräch mit einigen Mitgliedern kann man spüren, mit welch ansteckender Begeisterung und Liebe jeder einzelne dazu beiträgt, die literarische Seite des Lebens zu pflegen. „Jeder von uns hat seine Aufgaben und bildet eine Bereicherung für die ganze Gruppe“, sagt Josef Kugler.

Der Wattenweiler, der bereits bei der Gründung im Jahr 2009 dabei war, gehört nach eigenen Angaben zum „harten Kern“ der Interessengemeinschaft. Wie die anderen Literaten, die sich an diesem Nachmittag im Vereinslokal, dem Gasthaus Traube in Höselhurst, eingefunden haben, möchte sich Kugler keinesfalls in den Mittelpunkt stellen. „Wir sind eine lockere Gruppe von Frauen und Männern aus drei verschiedenen Landkreisen, die sich regelmäßig treffen, um sich über Gedankengut, Literatur und vieles mehr zu unterhalten“, sagt er. Auch zahlreiche Veranstaltungen haben die Literaten bereits organisiert. Noch gut in Erinnerung ist ihnen ein Abend, den sie im Jahr 2018 zum Thema „Frieden“ gestaltet haben. Fast jeder habe etwas zu dieser gelungenen Veranstaltung beigetragen, angefangen bei einem Lied bis zu eigenen Gedanken oder kleinen Gedichten, erinnert sich Kugler. Nicht nur über die Lektüre von Büchern, sondern auch über das Erfinden und Erzählen von Geschichten für die eigenen Kinder habe er einst seine Liebe zur Literatur entdeckt. Vor 20 Jahren hat der Wattenweiler dann ein Kinderbuch veröffentlicht. Heute ist er als Märchenerzähler gefragt und auf Anfrage im Einsatz. „Ich möchte unter anderem erreichen, dass nicht nur meine Kinder und Enkel wieder lesen“, erklärt er.

Bauernweisheiten und Kräuterwissen

Anne Böck aus Wattenweiler ist nicht nur im Landkreis, sondern auch weit darüber hinaus als Kräuterfrau bekannt. Schließlich hat sie ihre breiten Kenntnisse in diesem schier unerschöpflichen Thema bereits in einem Buch veröffentlicht. „Mit ist es sehr wichtig, mein vielfältiges Wissen und meine Erfahrungen über Pflanzen und Heilkräuter weiter zu geben“, sagt die 80-Jährige. Dies hat sie nicht nur bei zahlreichen Vorträgen über heimische Kräuter sowie Kochkursen, sondern auch in den Jahren 2009 bis 2017 in einer regelmäßigen Kolumne mit Kräutertipps in den Mittelschwäbischen Nachrichten getan. 15 Jahre lang hat Anne Böck den Kräutergarten im Heilbad Krumbad betreut und gepflegt. Bei den Literaten deckt sie mit ihren Erkenntnissen ein breites Fachgebiet ab. Es reicht von Kräuterwissen über Bauernweisheiten bis hin zu Dialekt und Mundart. Diese genießt bei den Literaten ebenso hohen Stellenwert wie die Schriftsprache, alte Sprache und alte Schriften.

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„Unter dem Motto ’Altes nicht vergessen und offen sein für Neues’ schauen wir Literaten gerne über den Tellerrand hinaus“, sagt Josef Müller. Im Rahmen der im Rhythmus von zwei Monaten in Höselhurst veranstalteten Treffen hat er bereits mehrere bekannte Schriftsteller der Weltliteratur vorgestellt. Aber auch einige Abende in seinem als „Lektors Garten“ weitum bekannten Refugium in Wiesenbach haben sich um mehr oder weniger berühmte Autoren und Dichter gedreht, zum Beispiel Theodor Fontane, Wolfgang Johann von Goethe oder auch Hildegard von Bingen.

Viktoria Spies ist nicht nur eine leidenschaftliche und vielfach interessierte Leserin, sondern auch gern selbst schriftstellerisch aktiv. Einige Jahre lang hat sie regelmäßig für die Mittelschwäbischen Nachrichten aus ihrer Heimat berichtet. Jetzt schreibe sie ab und zu Gedichte, verrät die Oberwiesenbacherin. Vor Kurzem hat sie bei einer Veranstaltung im Kreis der Literaten ein Referat über den österreichischen Schriftsteller Stefan Zweig und seine Werke vorgetragen.

Hildegard von Bingen und Goethe

„Wir sind immer offen für neue Ideen. Denn das, was wir das ganze Jahr über für uns und andere Interessierte bieten, lässt sich nicht in ein Schema pressen“, sagt Anton Böller aus Wattenweiler. Das gelte nicht nur für Veranstaltungen, die sich um Autoren aller Zeiten drehen – angefangen bei Hildegard von Bingen, über den Faust, Goethe, Ernst Wiechert und Christa Wolf, und Karl May und Gottfried Benn bis hin zu Herta Müller, sondern auch um Vorträge, über die unterschiedlichsten Themen, zum Beispiel Rosen, Musik oder auch Kinder. Weitere Veranstaltungen der Literaten haben sich auch um japanische Dichtkunst, Mythen und Sagen gedreht. Noch gut in Erinnerung ist Böller ein Vortrag über die Gestalt des „Faust“ in der Tragödie von Johann Wolfgang von Goethe.

Dass auf dem „flachen Land“ kulturell nicht so viel geboten ist wie in großen Städten, wollen die Literaten nicht hinnehmen. Deshalb haben sie auch für das Jahr 2020 einiges auf dem Programm. „Wir haben für jeden Monat ein bestimmtes Thema festgelegt. Dieses werden wir bei einem Treffen im Gespräch beleuchten oder auch bei einer Veranstaltung vertiefen. Geplant ist heuer auch wieder eine Theaterfahrt, die wahrscheinlich nach Ulm führen wird. Natürlich wollen sie das gebotene Stück vorab unter die Lupe nehmen. „Nicht nur das, was berühmte Menschen schreiben, sondern auch das, was wir in unserem Kreis produzieren, ist Literatur“, sagt Josef Kugler. Seine Kollegen nicken zustimmend. Mit ihrer spürbaren Begeisterung für Schriftgut wollen sie noch viele weitere Freunde der Literatur gewinnen. Erwünscht sind auch Jüngere, die den Altersdurchschnitt ein wenig senken und den Fortbestand der Literaten sichern.

Außerdem zu Anni Böck:

Wie "Kräuterfrau" Anni Böck die Fastenzeit einläutet

Mehr zu den Literaten:

Der Ausflug der Literaten ins Mittelalter

Literaten Wattenweiler beschwören den Frieden

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