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Brauchtum

24.04.2019

In die Nische kam der heilige Vitus

Die Vitus-Figur in der Nische des Fachwerkhauses.
Bild: Ruppert

Eine neue Figur wird für Balzhausen zu einer besonderen Bereicherung

Nischen an Häusern sind dazu gedacht, dass hier Figuren aufgestellt werden. Häufig sind es Marienfiguren. In Frankreich war es üblich, davor Lampen anzubringen, die im Mittelalter als Straßenbeleuchtung dienten. Bei der umfangreichen Renovierung des ehemaligen Gasthauses „Zur Krone“ in Balzhausen blieb auch die Nische an dem Gebäude erhalten. Älteste Fotoaufnahmen zeigen eine leere Nische. Eine Kommune, die Ende des 20. Jahrhunderts zeitweise in dem marode gewordenen Fachwerkhaus Unterkunft gefunden hatte, erkannte das Defizit einer leeren Nische, in die sie eine selbst gemachte Marienfigur aus Holz stellte. Bei ihrem Auszug haben sie die Figur wohl als Andenken mitgenommen.

Der Balzhauser Pfarrer Prälat Ludwig Gschwind regte an, sich Gedanken für eine geeignete Nischenfigur für das Schmuckstück der Gemeinde zu machen. Architekt und Altbürgermeister Gerhard Glogger schlug vor, es sollte ein Heiliger sein, der etwas mit dem Brauwesen zu tun hat, denn schließlich befand sich hier nicht nur eine gut gehende Gastwirtschaft, sondern auch eine namhafte Brauerei, die zuletzt den Namen „Strehle“ trug. Patron der Brauer aber ist der heilige Vitus. Das hängt damit zusammen, dass er bei seinem Martyrium in einen Bottich mit siedendem Öl geworfen wurde. Der heilige Vitus ist aber auch der Patron der Pfarrkirche von Balzhausen. Der Pfarrer machte sich nun auf die Suche nach einem Künstler, der einen schönen heiligen Vitus für die Nische schaffen könnte. Altbürgermeister Glogger und Pfarrer Gschwind hatten bereits bestimmte Vorstellungen für die Figur, als sie mit dem Künstler Bayer in Mindelheim Kontakt aufnahmen. Er ist der Künstler, der das schöne Priestergrab in Mindelzell gestaltet hat. Er beschäftigte sich mit dem Thema, um schließlich mit Rücksicht auf sein hohes Alter eine Absage zu erteilen.

Diakon Alois Held hatte bei einem Besuch in Altötting auf dem dortigen Friedhof sehr schöne Bronzedarstellungen gesehen. Das veranlasste ihn, den Künstler Otto Strehle zu fragen, ob er sich an einen heiligen Vitus herantraue. Die Pfarrei Balzhausen besitzt eine sehr wertvolle spätgotische Vitusfigur, die nur ein Mal im Jahr am Fest des heiligen Vitus am 15. Juni im Vorzeichen aufgestellt wird. Diese Figur sollte nun das Modell für den heiligen Vitus in der Nische werden. Diakon Held nahm den Balzhauser Vitus im Auto auf dem Beifahrersitz mit nach Altötting. Der Kunstgießer Otto Strehle machte einen Silikonabguss von der Figur, die dann in Bronze gegossen, ziseliert und patiniert wurde.

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Inzwischen ist die Figur fertig und findet allgemein hohes Lob. Es war noch ein kleines Abenteuer, die Bronzefigur wohlbehalten in der Nische anzubringen. Dank einer Hebebühne von Oswald Mayer sowie mit Unterstützung von Johann Haugg und Diakon Alois Held hat der heilige Vitus nun einen schönen Platz.

Anton Langhans sorgte noch dafür, dass man die Figur so befestigte, dass sie niemand stehlen kann. Der spätgotische heilige Vitus, wunderbar in Bronze verjüngt, ist nun nicht nur ein Mal im Jahr zu sehen, sondern sooft man beim „Strehle“ vorbeikommt.

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