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26.02.2010

Jugendseelsorger im Untergrund

Neuburg Zu den herausragenden Priesterpersönlichkeiten der Kriegs- und Nachkriegszeit gehört Prälat Bruno Harder, der Stadtpfarrer von St. Ulrich und Afra in Augsburg. Seine Wiege stand in Neuburg an der Kammel. Hier wurde er am 13. März 1908 geboren. Sein Vater war Arzt. Nach der vierten Klasse Volksschule gaben ihn seine Eltern nach St. Stephan in Augsburg. Die Benediktiner von St. Stephan waren bekannt für ihre gute Schule. Bruno Harder lernte leicht. Er besaß eine Begabung für Sprachen. Dem Sport konnte er nicht viel abgewinnen, deshalb schloss er sich wohl auch keiner der Jugendgemeinschaften an, die damals bei St. Stephan bestanden. Weder die Marianische Kongregation (MC) noch Quickborn wurden ihm zur Heimat. Ihm genügte das Internat.

Berufswunsch: Priester

Seine Mutter, Theresia Harder, starb, als er 13 Jahre alt war. Das traf ihn schwer. Die seinen Eltern befreundete Familie des Tierarztes Dr. Lecheler nahm sich sehr um ihn an und Frau Dr. Lecheler war ihm zeitlebens wie eine Mutter. Die beiden Söhne des Tierarztes besuchten gleichfalls das Gymnasium von St. Stephan. Nach dem Abitur stand für Bruno Harder fest, dass er Priester werden möchte, und zwar Benediktiner. Dr. Hermann Harder, sein Vater, konnte sich mit dem Gedanken nicht anfreunden. Er verweigerte dem 18-Jährigen die Zustimmung zum Klostereintritt.

Daraufhin studierte Bruno Harder in München Philosophie und Kunstgeschichte, außerdem Musik. Er spielte hervorragend Orgel. Schon bald belegte er theologische Fächer und sobald er volljährig war, bat er um Aufnahme in das Herzogliche Georgianum in München. Hier wohnten Theologiestudenten aus allen bayerischen Diözesen.

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Im Alter von 23 Jahren empfing Bruno Harder 1931 die Priesterweihe. Seine erste Kaplansstelle wurde Pfaffenhofen an der Ilm. Ganz selbstverständlich wurde ihm die Jugendseelsorge übertragen. Schnell gewann er die Herzen, aber schon ein Jahr später wurde er nach Augsburg St. Ulrich und Afra versetzt, eine Pfarrei mit einer blühenden Jugendarbeit.

Die Hitlerjugend konnte nur voller Neid auf die vielen Banner und Fahnen schauen, um die sich Jugendliche am Dreifaltigkeitssonntag oder an Christkönig scharten. Stadtkaplan Harder wurde Präses des Gesellenvereins. Die Kolpingsöhne hielten treu zur Kirche. Als 1933 Hitler an die Macht kam, stand man von einem Tag zum anderen in einer harten Auseinandersetzung mit der Nazidiktatur, die sofort nach der Machtergreifung sämtliche Jugendverbände auflöste und ihren Organisationen eingliederte.

An der Seite von Alphons Satzger, den Bischof Josef Kumpfmüller zum Diözesanjugendseelsorger ernannt hatte, begleitete Bruno Harder die Katholische Jugend, die in den Untergrund gegangen war. Immer wieder kam es zu Verhören, zu Verhaftungen. Nervenstärke war in diesen Jahren gefordert. Im August 1939 nach einer Predigt in Balzhausen erhielt Kurat Satzger eine Ausweisung aus Bayern. Er begab sich nach Kloster Neresheim. Bruno Harder wurde daraufhin zum Ansprechpartner für die Jugend. Gruppenstunden fanden in Kaplanszimmern, Sakristeien und Pfarrstädeln statt. Die Monatskommunion blieb ein Zeichen des religiösen Bekenntnisses und Zusammenhaltes.

Opfer des Krieges

Nach Ausbruch des Krieges wurde Bruno Harder Standortpfarrer in Augsburg und zuständig für die Lazarette. Ein Jugendführer nach dem anderen wurde eingezogen und nach 1943 musste er erleben, wie die meisten von ihnen Opfer des Krieges wurden. Die schwerste Aufgabe aber war die Begleitung zum Tod verurteilter Deserteure. Jedes Mal blutete ihm das Herz, wenn er einen jungen Menschen zur Hinrichtung begleiten musste. In diesen Jahren wurde er über seine Kräfte beansprucht. Die Haare wurden schlohweiß. Die Bombenangriffe auf Augsburg taten ein Übriges.

Sofort nach dem Krieg begann Bruno Harder die Jugendseelsorge für die ganze Diözese zu organisieren. Schon 1943 hatte man ihn zum Diözesanjugendseelsorger bestellt, aber im Dritten Reich waren ihm die Hände gebunden. Jetzt konnte er sein Organisationstalent beweisen. Seine Predigten waren Glanzpunkte jedes Jugendtreffens, zu dem immer ein Gottesdienst gehörte. Bestens geordnet verließ er 1953 die Diözesanstelle für die Jugendarbeit und wurde Stadtpfarrer von St. Ulrich und Afra. Hier stellte er sich einer neuen Aufgabe und wieder tat er es unterstützt von seinen Kaplänen, denen er ein väterlicher Freund war, mit ganzer Hingabe.

Höhepunkt war ohne Zweifel 1955 die Tausendjahrfeier der Lechfeldschlacht. Bischof Dr. Josef Freundorfer und Prälat Bruno Harder wirkten hier zusammen und organisierten ein Fest, das zu einem Aufbruch in eine friedliche Zukunft mahnte. Nie hat sich Prälat Harder geschont. Seelsorger wollte er sein. Er war ein für Christus und seine Kirche Begeisterter, der andere begeistern konnte. Zahlreiche Primizen konnte er in St. Ulrich erleben. Eine schwere Erkrankung zwang ihn 1967 Abschied von der Ulrichspfarrei und Augsburg zu nehmen. Er ging zu den Barmherzigen Schwestern nach Dießen. Hier starb er am 16. Juli 1969 im Alter von 61 Jahren.

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