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Kabinettssitzung: Symbole und gute Taten

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Kommentar Von Stefan Reinbold
11.08.2018

Abgesehen von dem Pomp, den der Ministerpräsident in Vesperbild zelebriert hat, hat das Kabinett für die Region gute Entscheidungen getroffen. Die Strippen zog im Hintergrund ein anderer.

Beim Bürgerempfang für Markus Söder in Ursberg bemerkte Direktor Walter Merkt in seiner Begrüßungsrede: „Sie sind bekannt für Ihre Faschingskostüme. Einmal, da waren Sie als Landesfürst verkleidet.“ Im Mittelalter wurde Herrschaft noch in erster Linie durch Anwesenheit ausgeübt, indem der Landesherr oder König von einer Pfalz zur anderen zog und so seinen Herrschaftsanspruch geltend machte. Politik und Entscheidungen wurden damals stark von Symbolen geprägt. Manche Forscher gehen davon aus, dass die symbolischen Handlungen in einer Gesellschaft, in der die Mehrzahl der Menschen weder Schreiben noch Lesen konnte, ein wesentliches Element der Herrschaftsausübung sind. Diese Zeiten liegen lange hinter uns, aber die Macht der Symbole ist auch heute noch bekannt. Bilder können eine ziemliche Wucht entfalten, wenn man im positiven Sinne etwa an den Kniefall Willy Brandts in Warschau denkt oder im negativen Sinne an das Bild des von Napalm verbrannten Mädchens, das nach einem US-Luftangriff aus einem brennenden vietnamesischen Dorf flieht.

Auch der bayerische Ministerpräsident ist sich der Macht der Symbole bewusst. Mit der Kreuzdebatte und zuletzt auch dem Besuch in Maria Vesperbild setzt sich Söder als gläubiger Christ ins Bild. Dass ihm der Glaube Kraft und Halt im Leben gibt, mag ihm niemand absprechen. Mit gefalteten Händen und geschlossenen Augen vor dem Altar in der Kirche von Maria Vesperbild stehend, überspannt er jedoch den Bogen in puncto Symbolik. Die Menschen haben ein feines Gespür dafür, ob jemand echt ist.

Abgesehen von dem Pomp, den der Ministerpräsident in Vesperbild zelebriert hat und was man davon halten mag, wurden in der nachfolgenden Kabinettssitzung wegweisende politische Entscheidungen getroffen. Die mit der größten Durchschlagskraft für die Region dürfte die Einrichtung eines Interdisziplinären Medizinischen Zentrums für Menschen mit Behinderung an der Medizinischen Fakultät der Universität Augsburg sein. Durch die enge Kooperation der Kreiskliniken Krumbach und Günzburg mit dem Krankenhaus St. Camillus in Ursberg werden diese drei Krankenhäuser aufgewertet und in ihrem Bestand über die bereits getroffenen Modernisierungsmaßnahmen hinaus langfristig gesichert. Aber nicht nur die Krankenhäuser profitieren. Dadurch, dass vermehrt junge Ärzte und Studenten in die Region kommen, erhöht sich die Chance, dass sie später auch hier bleiben. Auf lange Sicht werden sich mehr Ärzte niederlassen und so die Zahl der Praxen auf dem flachen Land anheben. Das ist nicht zuletzt den Bemühungen Alfred Sauters zu verdanken, der sich in dieser Hinsicht weniger durch Symbolik als durch konkretes Handeln und geschicktes Verhandeln ausgezeichnet hat.

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