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Ursberg

22.11.2020

Kampf gegen Klimawandel: Warum die Fichten im Landkreis Günzburg weichen müssen

Übergabe der Forstbetriebsgutachten an Bürgermeister und Rechtlerwaldvertreter im Forstamtsbereich Ziemetshausen: (von links) Bürgermeister Ralf Wetzel (Ziemetshausen), Revierförster Hubert Förstner, Bürgermeister Peter Walburger (Ursberg), Forstdirektorin Eva-Maria Birkholz, Waldwart Johann und Vorstand Oswald Mayer vom Rechtlerwald Balzhausen sowie Bürgermeister Erwin Haider (Münsterhausen). In der Mitte zeigt Josef Graf beispielhaft die Nutzungskarte eines Operates mit farbig unterlegten Details zum Bestandswald.
Bild: Emil Neuhäusler

Plus Ein neues Gutachten regelt den Forstbetrieb für die nächsten 20 Jahre. Wie Verantwortliche die Wälder im Landkreis vor dem Klimawandel schützen und nachhaltig gestalten wollen.

Die Bedeutung des Waldes als Lebensgrundlage für Mensch und Tier ist unumstritten. Es muss deshalb das Bestreben aller sein, die Wälder gesund und zukunftsfähig zu erhalten und zu gestalten. Als Hilfestellung zur Erreichung dieses Zieles gibt das Bayerische Forstamt den Gemeinden als Eigentümer der unbelasteten Gemeindewälder und der Rechtlerwälder alle 20 Jahre einen Leitfaden in Form eines Forstbetriebsgutachtens in die Hand.

Um die Bedeutung des Gutachtens zu unterstreichen, überreichten Forstdirektorin Eva-Maria Birkholz, Forstoberrat Josef Graf (Beauftragter für Forsteinrichtungen in den Landkreisen Günzburg und Neu-Ulm) sowie Ziemetshausens Forstrevierleiter Forstamtmann Hubert Forstner den Bürgermeistern und Rechtlerwaldvertretern von Ziemetshausen, Ursberg, Balzhausen und Münsterhausen das für die nächsten 20 Jahre gültige Forstgutachten in einem feierlichen Akt im Ursberger Wald.

„Wir haben für die Gemeindewälder und Rechtlerwälder mit dem aktuellen Forstbetriebsgutachten eine langfristige Planung vorliegen, die alle Aspekte, die unsere Wälder in Zukunft betreffen, beinhaltet“, erklärte Forstdirektorin Birkholz. Den Wald zukunftsfähig und nachhaltig zu bewirtschaften sei gerade in den Zeiten des Klimawandels schwer genug. Man könne nicht hellsehen und wisse nicht, wie sich alles entwickle und was noch alles auf die Baumarten zukomme. Es werde die bestmögliche Planung versucht, die im Moment möglich sei, meinte sie.

Für 500 geschlagene Fichten werden im Schnitt 5000 neue Bäume nachgezogen

Das Forstgutachten werde nicht erstellt, um Rechtler und Bürgermeister zu ärgern, führte Josef Graf aus. Zum einen sei es vom Gesetzgeber vorgeschrieben und zum anderen eine gute Sache. Nach 20 Jahren habe sich der Wald verändert und es sei an der Zeit, Inventur zu machen. Das Gutachten gibt dem Waldbesitzer über Baumbestand, Baumarten, Bodenzustand und natürlich auch über den aktuellen Erntevorrat und Holzzuwachs im gesamten Wald Auskunft. Denn es müsse ja auch der wirtschaftliche Aspekt berücksichtigt werden. „Wir wollen ertragreiche Wälder“, betonte Graf, „aber wir wollen auch stabile Wälder“.

Dann ging Graf auf das aktuell größte Problem für die Wälder, die Klimaerwärmung, ein. Man müsse schauen, dass der Fichtenbestand begrenzt wird. Die Fichte sei eine tolle Baumart, aber es nütze nichts, wenn man dann den Käfer habe und damit einhergehend Kahlflächen und Verbuschung. Stabilere Baumarten wären Buche, Eiche und bei passendem Standort auch Tanne. Wenn die Eiche auch mit dem Prozessionsspinner Ärger mache, so ist sie doch für das wärmere Klima gut geeignet. Der Aufbau des Mischwaldes gehe einher mit dem Abholzen des schlagreifen Bestandes. Werden zum Beispiel 500 Fichten geschlagen, werden auf dieser Fläche im Durchschnitt rund 5000 neue Bäume nachgezogen.

Die Kosten für die Fertigung des Forstbetriebsgutachtens betragen je nach Waldgröße rund 3000 Euro. 50 Prozent davon übernimmt der Staat. Der Waldbesitzer erhält mit dem Gutachten eine Orientierung für die Pflege seines Waldes, die ihm nicht aufgestülpt werde, betonte Graf abschließend, sondern auch dessen Erfahrungen und Wünsche berücksichtige.

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