Newsticker
Italien meldet 100.000 Corona-Tote, Niederlande verlängert Lockdown, Österreich riegelt Stadt ab
  1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Kasimir Gschwind und seine Krumbacher Brennholzsägerei

Krumbach

27.01.2019

Kasimir Gschwind und seine Krumbacher Brennholzsägerei

Kasimir Gschwind betrieb ab 1950 eine mobile Brennholzsägerei. Er hatte eine selbstfahrende Kreissäge auf einen von der amerikanischen Wehrmacht zurückgelassenen Jeep aufgebaut. Dazu besorgte er sich eine selbstfahrende Bandsäge mit angebauten Holzspalter.
2 Bilder
Kasimir Gschwind betrieb ab 1950 eine mobile Brennholzsägerei. Er hatte eine selbstfahrende Kreissäge auf einen von der amerikanischen Wehrmacht zurückgelassenen Jeep aufgebaut. Dazu besorgte er sich eine selbstfahrende Bandsäge mit angebauten Holzspalter.
Bild: Sammlung Gschwind

Über einen Erfinder, der ein Butterrührfass mit dem Motor antrieb (unglücklich) und einen, der für Brennholz sorgte (erfolgreich)

Die positiv wirkende Spruchweisheit „Wer nichts wagt, der nichts gewinnt“ ermuntert zum Handeln. „Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht sorgen“ ist auch ein gehaltvoller Sinnspruch. Und manchmal mag es geschehen, dass beide Redensarten in direkten Zusammenhang geraten. So, wie das (vor mehr als hundert Jahren) der Bauer Xaver Keller („Vöre“) aus Deisenhausen in Zusammenhang mit einer Erfindung erfahren durfte (musste).

Und diese Episode spielte sich so ab: Besagter Vöre ist im Dorf als „besonders wief“ (Zu deutsch:“pfiffig“) bekannt. Dieser Eigenschaft erinnert sich der gerne Schmalzerschnupfende Gemütsmensch, als ihm eines verdienten Feierabends die Theres, die sein treues Eheweib ist, eine für ihn nicht sonderlich angenehme Arbeit aufträgt. Nämlich: Sich am Rührmilchfass zwecks Buttergewinnung in Handarbeit nützlich zu machen. Was danach geschah wurde im Krumbacher Boten in Versform abgedruckt:

„Komm, liabs Male, komm gang na, nimm da Triebel in d’Hand und fangs Rühra a…“.

Das ist nicht gerade des Vöre’s Lieblingsbeschäftigung für den Feierabend. Andererseits will er seiner vielbeschäftigten Theres den Wunsch nicht abschlagen:

„Nomal a Brisle, an guata Schmei, Vielleicht fällt em Vöre nau ebbes ei“

Und tatsächlich: Praktisch veranlagt („wief“ eben) besinnt sich Vöre seiner erfinderischen Qualitäten und beschließt, sich die moderne Technik nutzbar zu machen: Kurzum, mittels eines Treibriemens schließt Vöre das Rührfass an einen Motor an – und überlässt damit die Kraftübertragung der Transmission.

„Aber ebbes isch em it recht g’lunga – D’Haschpl isch viel z’fescht a’gschprunga… Der Vöre meint, er solle – doch macha a Kontrolle. Er denkt ans Butterbrot von morga: Und hebt da Deckel auf, ohn’ Sorga…“

Das wiederum, so wollen es Schicksal und Naturgesetz, ist der vermeintlichen „Patentlösung in Sachen maschinelle Butterproduktion“ gar nicht zuträglich: Mit „einiger G’walt“ spritzt die Rührmilch dem Vöre ins Gesicht, bekleckert ihn von Kopf bis Fuß, ja nicht nur das: Nahezu der gesamte Fassinhalt wird (der Schwerkraft trotzend) an die Decke geschleudert. Bis dem Vöre klar wird, dass wohl die Übersetzung der Transmission „zu streng eingestellt ist“ und er die „Buttermaschine“ abstellt, ist nichts mehr zu retten.

„Ja, ja Vöre, desmal hat’s not it recht klappt: Statt dem Brot, sind d’Balka mit Butter verpappt“.

Und die Moral von der Geschicht? Aufgrund einer „sensationellen Erfindung“ handelte sich damals der „Vöre“ zwar keinen beißenden Spott ein, sorgt jedoch für Gesprächsstoff bei manch geselliger Bierrunde. Unter „Trost und Rat“ stand damals über die „Erfinder-Episode“ in der Zeitung zu lesen:

„Wegs deam Butter, etle Pfund, da bleibt der Vöre dennoch g’sund. Hin isch dau no lang it alz, runter lauft iatz s’Butterschmalz. Liaber Vöre guck, auf Ehr und Treu, niemals mehr ins Rührfass nei! Tua liaber öfters amal Schnupfa, aber da Rührfass-Deckel nomma lupfa! Und, Vöre, lass Dir dös bloß sa: Vor neischausch – tua s’Riemale ra…“

„Wer nichts wagt, der nichts gewinnt“ und „Not macht erfinderisch“. Zu diesen Lebensweisheiten passt auch eine weiteres „Erfinderporträt“. Es ist die Zeit nach Kriegsende, Ort des Geschehens: Krumbach. Neben der Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln ist die Sicherstellung mit Brennmaterial, sprich Holz und Kohlen, eine große Herausforderung. In Krumbach kann Brennholz über den Stadtwald oder von privaten Waldbesitzern bezogen werden. Das Problem ist weniger die Anlieferung, die Hauptarbeit besteht darin, die Ware ofenfertig zu machen und Motorsägen sind nur vereinzelt in Gebrauch.

Da ist es Kasimir Gschwind, der den „Notstand“ erkennt und handelt. Ab etwa 1950 betreibt er eine mobile Brennholzsägerei „Marke Eigenbau“ mit einer selbstfahrenden Kreissäge, die er auf einem von der amerikanischen Wehrmacht zurückgelassen Jeep aufbaut. Dazu besorgt er sich vom Schrottplatz eine defekte selbstfahrende Bandsäge mit angebautem Holzspalter, setzt die Technik wieder instand und geht auf Sägetour.

Die Nachfrage ist zunächst groß, aber als Mitte der 1960er Jahre immer mehr Heizungen auf Öl oder andere Brennstoffe umgestellt werden, ist die Spezial-Holzmaschine nicht mehr rentabel. Und Kasimir Gschwind widmet sich dem Auf- und Ausbau des damals ersten Krumbacher Bestattungsinstituts.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren