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Krumbach

28.11.2016

Klezmer, Jazz, Lyrik und Politik

Der Spaß mit ungewöhnlichen Klangerzeugern kam auch nicht zu kurz beim Jubiläumskonzert von Mesinke: (von links) Martin Glogger, Jürgen Groß, Erika Spielvogel, Nicole Hausmann, Alexander Maier (an der „Freiheitsglocke“ statt an der Klarinette) und Thilo Jörgl.
Bild: Heinrich Lindenmayer

Ein beeindruckendes Jubiläumskonzert von Mesinke in der Aula des Krumbacher Schlosses.  

Aufgeregt vor Konzerten seien sie inzwischen nicht mehr. Doch heute, beim Jubiläumskonzert „25 Jahre Mesinke“, da seien sie alle aufgeregt wie vor den ersten Auftritten Anfang der 90er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Es war für alle in der voll besetzten Aula des Krumbacher Schlosses spürbar, dass an der Erklärung von Erika Spielvogel etwas dran war. Aber spürbar wurde nicht die Aufregung der Anfänger, sondern die Spannung, die aus dem Anspruch resultierte, dass dieses Konzert etwas ganz Besonderes werden sollte. Es ging nicht nur um die Musik, nicht nur darum, das Beste aus den 25 Jahren gemeinsamen Musizierens zu präsentieren. Erfahrbar werden sollte auch die Entwicklung von Mesinke und dasjenige, was diese musikalisch-menschliche Formation über einen so langen Zeitraum hinweg zusammengehalten und immer wieder neu inspiriert hat. Bereits in den ersten Minuten des Konzerts war das Wesentliche der Klezmer-Musik und dessen, was Mesinke daraus macht, präsent. Eine leise Melodie des Akkordeons, ein paar Schläge auf die Saiten des Kontrabasses.

Dann, in die erwartungsfrohe Spannung hinein, ein hoher, klagender Ton der Klarinette. Diese anrührende Melancholie ein paar Takte in der Schwebe gehalten, dann der Umschlag zu einer heiteren Tanzmusik, die immer aber ein Quäntchen Ironie beibehält, als wäre man sich sicher, dass der Boden unter den Füßen niemals unerschütterlich fest ist. Herrlich ist dieser sichere Fluss von Melodie und Rhythmus, das Unterfutter von 25 Jahren Musikpraxis ist allgegenwärtig. Und auf dieses Fundament lassen sich Akzente setzen.

Die farbigsten kommen von Alexander Maier. Seine Klarinette schwankt zwischen Klezmer und Jazz und er hat seine Freude daran, Ton und Aussage ständig zu variieren. Das Instrument darf singen und seufzen, glucksen und quieken, schmachten und jaulen und immer wieder herrlich Tonleitern entlang gleiten. Atemberaubend, was bei „Mazl tov“, dem virtuosen Glanzstück der letzen CD von Mesinke, die Klarinette leistet, wie viele Triller, Praller und andere Verzierungen Alexander Maier noch in diesen ohnehin schon so reißenden Strom der Töne drängt.

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Weit gespannt ist das Spektrum von Mesinke. Da ist Platz für die Lyrik von Theodor Kramer, dessen Metapher, dass sich beim Abschied am Bahnhof die Hände wie Watte anfühlten, unmittelbar zupackt. Da ist Platz auch für soziales und politisches Engagement, das in vielen Liedtiteln aufscheint: Es geht um Barrikaden, um Kampf für die Freiheit, um Armut und Unterdrückung, auch um die Hoffnung auf den Messias. Ständig wechseln die Themen, aber auch die Verteilung der Rollen auf der Bühne bleibt nie die Gleiche. Gleichförmigkeit ist ein Tabu bei Mesinke.

An diesem Abend wurde auch erzählt. Das Publikum hörte einige Geschichten darüber, wie man miteinander umgeht in der Gruppe. Doch noch beredter war der wortlose Umgang. Auf der engen Bühne im Schloss, die gerade so reicht für die sechs Akteure, findet ständig Blickkontakt statt. Nicht nur, um sich musikalisch abzusprechen und abzustimmen, da verteilt man reichlich Lob, Anerkennung und Freude am Gelingen. Damit es nicht zu kuschelig wird, ab und an eine kleine Boshaftigkeit. Als Jürgen Groß der Gitarrengurt abrutscht, meint er: „Das ist das Alter. Der eine verliert den Gurt, den anderen gehen die Haare aus.“ Das nun konnte jeder sehen.

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