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17.03.2009

Klingende Schätze - gespielt und gesungen

Krumbach (nelp) - Berührungsängste darf Dagmar Held nicht haben; kennt sie anscheinend auch gar nicht, könnte man meinen, wenn sie sich nun so einfach mit ihrer Gitarre zu den Kaffeetrinkern im Foyer des alten Rathauses setzt, ein Lied aussucht und die Anwesenden zum Mitsingen einlädt. Erst zögerlich, verlegen und mit ganz zaghaften Stimmchen machen die Mutigsten den Anfang. Der Rest rührt umso eifriger in den Kaffeetassen und tut, als sei man mehr zufällig hier hereingeraten. Doch schon beim zweiten Stück klingt es selbstbewusster.

Beim Dritten fallen auch die Zurückhaltensten mit ein und klatschen sich anschließend selbst begeisterten Beifall. "Guad hamr's g'macht", ist die einhellige Meinung und sofort sind alle Anwesenden bereit, einen vierstimmigen Kanon zu versuchen. Überall klingt es in Krumbachs altem Rathaus. Aus den Räumen des Archivs in der zweiten Etage hört man Kontrabass, Hackbrett und die zarten Klänge einer Harfe. Aus einer anderen Tür erklingen Querflöte und Zither. Eine kurze Debatte, ob ein Ton jetzt ausgehalten werden müsse oder nicht, wird beschlossen mit der Erkenntnis, dass "so ein Notenblatt ja nicht das Evangelium ist" und schon geht es wieder weiter.

Bereits zum vierten Mal lud das Archiv für Volksmusik vor Kurzem zu einem Tag der offenen Tür und wer noch nie erlebt hat, wie gemeinsames Musizieren wildfremde Menschen zusammenführt und verbindet, konnte sich selbst davon überzeugen.

Kontrabassist Stephan Uhr packte bereits am frühen Morgen in Kempten sein Instrument ins Auto, um in Krumbach in alten Handschriften und fast vergessenen Musikstücken zu schwelgen. Nun hat er sich spontan mit einer Harfenistin aus Stötten am Auerberg, einer Hackbrettspielerin aus Illertissen und mehreren Zitherspielern zusammengetan, um in einem Raum des Archivs "Backfischchens erstes Tänzchen" oder die "Brauttanz Polonaise" zu spielen.

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Heiter, luftig und leicht

Wunderbar heiter, luftig und leicht klingt das und die Zuhörer, die sich im Türrahmen drängeln, fachsimpeln flüsternd über die Fingerfertigkeit der Harfenistin, über die besondere Machart des Hackbretts und darüber, sich "das nächste Mal - aber ganz bestimmt" selber aktiv zu beteiligen. "Genau das ist auch die Absicht", erklärt Dagmar Held, während sich nebenan ein Zithertrio zum gemeinsamen Musizieren zusammenfindet. "Wir haben hier so viel gesammelt, was einfach nicht verloren gehen darf, was wieder ausgegraben werden soll, um ein Bewusstsein zu schaffen für die regionalen, musikalischen Eigenheiten einer Region und nicht zuletzt auch um die Menschen wieder zum Selbermusizieren zu animieren."

Der Grundbestand des Archivs geht dabei auf die Initiative "Gschpielt und Blosa" zurück, der, unterstützt durch die AZ, Musikkapellen aus dem gesamtbayerischen Raum aufforderte, ihre alten Bestände nach Vergessenem, Seltenem und kaum mehr Gespieltem zu durchforsten und auszumisten, um es im Original oder in einer Kopie dem Archiv zukommen zu lassen und es damit einer breiteren Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Dachbodenfunde, Schenkungen und Nachlässe kommen stetig hinzu und werden von Dagmar Held und Archivsachbearbeiter Hansjörg Gehring ausgewertet und ins Archiv eingegliedert. Zusammen mit den musikalischen Betreuern Manfred Kronwitter und Joachim Gericke sind sie nun den ganzen Tag damit beschäftigt, Noten aus der Vielzahl der grauen Kartons herauszufinden, zu beraten oder, wenn es fehlt, aktiv mit Zither, Hackbrett oder Gitarre mitzuspielen, während unten im Liedercafé inzwischen "Wunschkonzert" angesagt ist und alle gemeinsam das Lied vom "Muckabätscher" anstimmen.

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