1. Startseite
  2. Lokales (Krumbach)
  3. Klosterfriedhof Ursberg: Besonderer Friedhof an besonderem Ort

Ursberg

01.11.2019

Klosterfriedhof Ursberg: Besonderer Friedhof an besonderem Ort

Das Bild zeigt Novizinnen auf dem Weg zum Friedhofsbesuch.
6 Bilder
Das Bild zeigt Novizinnen auf dem Weg zum Friedhofsbesuch.
Bild: St. Josefskongregation

Plus Die Geschichte der Ruhestätte beim Ursberger Kloster beginnt bei Gründer Dominikus Ringeisen. Auch die dunklen Zeiten der Einrichtung spiegeln sich hinter den Mauern wider.

Wenn die Tage kürzer werden und im Mindeltal der Nebel für ganz besondere Stimmung sorgt, nahen die Feiertage Allerheiligen und Allerseelen. Tage die an verstorbene Menschen erinnern, Tage an denen man dieser auf den Friedhöfen gedenkt. Auch der Ursberger Klosterfriedhof ist in dieser Zeit ein besonderer Ort. Mit viel Engagement und Herzblut sorgen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klostergärtnerei dafür, dass die Grabstellen für die anstehenden Feiertage würdevoll geschmückt sind. Dieser ohnehin besondere Friedhof ist seit 130 Jahren die letzte Ruhestätte für Menschen mit Behinderungen aus dem Dominikus-Ringeisen-Werk und die Schwestern der St. Josefskongregation. Seine Geschichte soll heute erzählt werden.

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Weiterlesen mit dem Plus+ Paket

  • Zugriff auf mehr als 200 neue Plus+Artikel pro Woche
  • Zugang zu lokalen Inhalten, die älter als 30 Tage sind
  • Artikel kommentieren und Newsletter verwalten
  • Jederzeit monatlich kündbar
Jetzt für nur 0,99 € testen

Mit der Gründung einer Einrichtung für Menschen mit Behinderungen im Jahr 1884 in Ursberg traf der katholische Priester Dominikus Ringeisen den Nerv der Zeit. Innerhalb weniger Jahre wuchs die sogenannte „Kretinenanstalt“ zu einem eigenen Dorf im Dorf heran. Immer mehr Menschen mit Behinderungen wurden aufgenommen und anfänglich von freiwilligen Helferinnen und Helfern, später von den Schwestern der St. Josefskongregation versorgt.

Auch in Ursberg hielt irgendwann die Motorisierung Einzug: Der Leichenwagen vor dem Mutterhaus.
Bild: St. Josefskongregation

Mit der stetigen Vergrößerung stiegen auch die behördlichen Auflagen, die Ringeisen zu erfüllen hatte. So wurde um das Jahr 1889 verfügt, einen anstaltseigenen Friedhof zu errichten. Ringeisen wählte dafür den sogenannten Bildsäulen-Acker im Nordwesten der Einrichtung aus. Dort stand die kleine, heruntergekommene Ölbergkapelle. Wegen der Friedhofszufahrt musste sie abgebrochen werden. Ringeisen versprach der Pfarrei, dafür einen Ersatz zu errichten. Am 19. Juni 1889 wurde dort mit Afra Linder aus Bayersried die erste Bewohnerin beerdigt. Im September desselben Jahres wurde ein großes Friedhofskreuz von Dominikus Ringeisen eingeweiht.

Klosterfriedhof Ursberg: Besonderer Friedhof an besonderem Ort

In den ersten Jahren war der Friedhof nur sehr einfach umzäunt. Als Ringeisen seinen Vikar Joseph Pemsel nach einem Friedhofsbesuch fragte, was denn die Toten dazu sagen würden, soll dieser schlagfertig geantwortet haben: „Eine Mauer um uns baue!“. Daraufhin wurde der Zaun durch eine stattliche Mauer ersetzt.

Als Dominikus Ringeisen am 5. Mai 1904 im Alter von 69 Jahren starb, wurde er zu Füßen des zentralen Friedhofskreuzes beigesetzt. Um ihm besondere Ehre teil werden zu lassen, hatte man einen metallenen Sarg angefertigt.

Sein Nachfolger, Superior Maurus Gerle, war von nun an verantwortlich für die Einrichtung und damit auch für den Friedhof. Er ließ in den Jahren 1911 bis 1912 ein Funktionsgebäude mit einer Aussegnungshalle errichten, um wiederum neuen behördlichen Auflagen Rechnung zu tragen. Unmittelbar nach der Einweihung am 27. Juli 1912 wurde Ringeisens Sarg dorthin übertragen und in einer gemauerten Gruft beigesetzt. Am Aufgang zur Aussegnungshalle finden bis heute die Nachfolger Ringeisens sowie die Generaloberinnen der St. Josefskongregation ihre letzte Ruhestätte.

Ringeisens zweiter Nachfolger, Superior Josef Huber, veranlasste im Jahr 1928 eine dringend notwendige Erweiterung der Anlage. Der ursprünglich in Kreuzform gehaltene Friedhof wurde durch die Einbeziehung der Ecken vergrößert.

Wiedererrichtung der Ölbergkapelle

Huber war es auch, der mit der Wiederrichtung der Ölbergkapelle das Versprechen Ringeisens einlöste. Im Zuge der Friedhofserweiterung wurde die an der südöstlichen Ecke des Friedhofs gelegene Kapelle am 17. April 1930 eingeweiht. Zahlreiche Handwerker aus nah und fern hatten bei der Erstellung mitgewirkt.

Zur Erinnerung an die 397 Opfer des Euthanasieprogramms der Nationalsozialisten wurde 1984 auf dem Friedhof ein Mahnmal nach einem Entwurf von Schwester Paula Sailer errichtet. In der Nähe des Denkmals fand Pater Dr. Franziskus Deininger nach mehrjährigem Ruhestandsdienst in Ursberg auf eigenen Wunsch hin seine letzte Ruhestätte. Zu Lebzeiten hatte er aktiv gegen die Zwangssterilisationen gekämpft, mit denen die Nationalsozialisten ihre Verbrechen gegenüber Menschen mit Behinderungen und psychischen Erkrankungen begannen.

Zum 100. Sterbetag von Dominikus Ringeisen erhielt die Aussegnungshalle eine bedeutende künstlerische Aufwertung. Die Fensterbilder, die die „vier Letzten Dinge“ Tod, Gericht, Himmel und Hölle darstellten, waren nicht mehr zeitgemäß. Sie wurden durch Glasfenster des Künstlerpfarrers Sieger Köder ersetzt.

Seitdem begleiten „Jakobs Traum“, die „Salve-Regina-Madonna“, der „Gute Hirte“ und „Das Himmlische Jerusalem“ die Verstorbenen in Ursberg auf ihrem letzten Weg.

Themen folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren