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Thannhausen

29.11.2017

Königlich-bayerische Qualität aus Thannhausen

Der Thannhauser Kommerzienrat und Ehrenbürger Edmund Zimmermann (1870 bis 1941).
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Der Thannhauser Kommerzienrat und Ehrenbürger Edmund Zimmermann (1870 bis 1941).
Bild: Sammlung Zimmermann

Der Thannhauser Kommerzienrat Edmund Zimmermann war mit seinen Fleischwerken europaweit erfolgreich. Wie er für seine Heimat zum Wohltäter wurde.

„Die Qualität ist unerreicht, wo Zimmermann die Marke zeigt“: So lautete der erste Werbeslogan von Edmund Zimmermann, nachdem er zusammen mit seiner Ehefrau Barbara im Jahre 1894 am heutigen Standort der Fleischwerke im damaligen Marktflecken Thannhausen eine kleine Metzgerei gegründet hatte. Mit Ehrgeiz, Sachverstand und Tatendrang bauten die beiden den Betrieb aus. Das inzwischen über 100 Jahre alte Zitat besitzt weiter große Aktualität, denn das heutige Unternehmen setzt mit 245 Mitarbeitern die Tradition des Gründers fort und beliefert den gesamten deutschen Lebensmitteleinzelhandel und Feinkostgeschäfte mit bayerischen und schwäbischen Spezialitäten.

Die hohe Qualität der Fleisch- und Wurstwaren Zimmermanns sprach sich rasch herum

Der Weg dorthin war nicht leicht. In dem kleinen landwirtschaftlichen Anwesen der Eltern in der heutigen Edmund-Zimmermann-Straße richtete der 24-jährige gelernte Metzger nach der Hochzeit mit seiner gleichfalls aus Thannhausen stammenden Frau Barbara, geborene Lachenmaier, im Jahre 1894 eine Fleischerei ein. Zuvor hatte er nach der Gesellenprüfung in unterschiedlichsten Klein- und Großbetrieben in ganz Deutschland gearbeitet, bevor er an eine Familien- und Betriebsgründung in der Heimat dachte.

Die folgenden Jahre waren für das junge Paar erfolgreich: Die Familie vergrößerte sich durch die drei Kinder Edmund (geboren 1895), Barbara (1897) und Oskar (1902), der allerdings mit zwei Jahren starb. Die Metzgerei blühte und wuchs. Die hohe Qualität der Fleisch- und Wurstwaren sprach sich rasch herum und der Kundenkreis wurde immer größer. Mehrere Betriebserweiterungen waren notwendig, doch fühlte sich das Paar stark genug, um der Expansion gerecht zu werden. Die Zimmermanns waren eine der Ersten, die sich selbst um den Versand der Waren kümmerten und weite Entfernungen nicht scheuten. Ein Blick in die damalige Zeit ist angebracht: In Thannhausen gab es um die Jahrhundertwende keine Bahn, weder Wasserleitung, Kanalisation, elektrisches Licht und keinen Strom zur Kühlung und Verarbeitung von Fleisch.

Die Erfolge blieben trotzdem nicht aus. 1906 war im Bayerischen Gesetzes- und Verordnungsblatt zu lesen, dass Prinzregent Luitpold den „Fleischwarenfabrikanten Edmund Zimmermann in Thannhausen“ in die Liste der „Hoftitelverleihung“ aufgenommen hat, was besagt, das Unternehmen durfte sich ab sofort „Königlich bayerischer Hoflieferant“ nennen. Der damals verfasste Werbespruch „Zimmermann – ein königlicher Genuss!“ war gerechtfertigt und wie sich zeigt, fühlt sich das Unternehmen noch heute dazu verpflichtet.

Bau von Produktionsstätten in München und Berlin

Gleichfalls in diese Zeit fielen die Planung des Neubaus und die Erweiterung der Produktions- und Verwaltungsgebäude mit Neugestaltung der Straßenfront. Die denkmalgeschützte Fassade aus dem Jahre 1906 blieb auch bei der Modernisierung der Gebäude im Jahr 2016 größtenteils erhalten. Die umfangreichen Investitionen sind nach Meinung von Geschäftsführer Julian Hertzig ein deutliches Signal für den Fortbestand des Unternehmens in Thannhausen und damit auch für die Tradition des Gründers.

Wegweisende Fertigungsmethoden, die Einführung der Fleisch- und Wurstkonserven, die Beliebtheit der ersten Saftwürstl in Dosen und der Bau von Produktionsstätten in München und Berlin sowie ferner die hohen Qualitätsansprüche führten zum Bekanntheitsgrad der Produkte über die Landesgrenzen hinaus.

Dafür sorgte auch der Kauf einer Fleischfabrik in Berndorf bei Wien, von der aus Österreich und das östliche Europa beliefert wurde. Und doch hatte die Familie Zimmermann großes Leid zu verkraften: Unerwartet starb 1914 der 19-jährige Sohn Edmund. Als Erbin stand nun Tochter Barbara an, die im Jahr 1919 den Kaufmann Fritz Kieninger heiratete. Drei Kinder gingen aus dieser glücklichen Ehe hervor.

Die Arbeit des Gründerpaars im wirtschaftlichen und auch sozialen heimatlichen Bereich fand Anerkennung und wurde von den Thannhauser Bürgern dankbar begrüßt.

Entwickeln und probieren, bis es doch klappt

Sichtbar wurde dies durch die Verleihung des bayerischen Ehrentitels Kommerzienrat an Edmund Zimmermann im Januar 1917. Gewürdigt wurde damit seine Tätigkeit im Thannhauser Magistratsrat, dem er seit 1912 angehörte, im Kreistag des damaligen Bezirks Krumbach sowie in der Vereins- und Verbandsarbeit als Vorsitzender der Bayerischen Fleischwaren-Industriellen, im Thannhauser Verkehrsverein sowie des Zweckverbands Mindeltal, die sich für den Bau einer Bahnlinie von Dinkelscherben über Thannhausen nach Kirchheim einsetzte.

Er unterstützte zudem die Mindelkorrektur, den Bau der Kanalisation in Thannhausen und stiftete dem Markt eine Turnhalle, ein neues Kriegerdenkmal sowie 5000 Mark für die Kriegsinvalidenfürsorge. Die Kommune würdigte diese Leistungen und ernannte ihn 1920 zum Ehrenbürger.

Die Feststellung „Das geht nicht!“ war für Edmund Zimmermann nie ein Argument. Er ließ seine Mitarbeiter stets so lange entwickeln und probieren, bis es doch klappte. So entstanden auf modernsten Maschinen und Geräten der damaligen Zeit, verbunden mit schwäbischem Fleiß und Können Spezialitäten in erstklassiger Qualität. Diesen hohen Standard bewies Zimmermann 1923 mit einer Probe, die urkundlich verbrieft ist: Er schickte eine Produktauswahl per Schiff bis an den Äquator und wieder zurück, um ihre Haltbarkeit unter Extrembedingungen zu testen. Das Ergebnis: Alle Zimmermann-Erzeugnisse waren noch so frisch wie am ersten Tag.

1935 traf die Familie ein weiterer Schicksalsschlag: Im Mai starb die Tochter Barbara Kieninger, die zusammen mit ihrem Mann Fritz viele Jahre aktiv in der Geschäftsleitung tätig war. Fünf Jahre später nahm Barbara Zimmermann Abschied von dieser Welt und schon ein Jahr später folgte ihr der Mann ins Grab. Ein Chronist schrieb wenig später: „Beide waren Thannhauser mit Leib und Seele. Wo es nötig schien, zeigten sie durch ihr persönliches Eingreifen und ihre bereitwillige Unterstützung, dass sie Thannhausen liebten.“ Im Jahre 1989 ging dann ein weiteres Stück Firmengeschichte zu Ende: Die Enkelin Margarete Ammon verkaufte das Unternehmen an die beiden Brüder Anton und Alois Ehrmann, Besitzer der Großmolkerei Ehrmann AG in Oberschönegg (Unterallgäu).

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