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Krumbach/Günzburg

04.05.2020

Kreiskliniken Günzburg und Krumbach zwischen Normalbetrieb und Corona-Einsatz

Eine „sehr fordernde Arbeit“ wird auf den Intensivstationen in den Kreiskliniken in Günzburg und Krumbach geleistet, sagt Vorstand Dr. Volker Rehbein. Eine ganze Schicht in Schutzkleidung und Atemmaske durchzustehen sei aufreibend.
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Eine „sehr fordernde Arbeit“ wird auf den Intensivstationen in den Kreiskliniken in Günzburg und Krumbach geleistet, sagt Vorstand Dr. Volker Rehbein. Eine ganze Schicht in Schutzkleidung und Atemmaske durchzustehen sei aufreibend.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Der Regelbetrieb in den Kreiskliniken Günzburg und Krumbach soll stufenweise wieder aufgenommen werden. Bald soll klar sein, in welchem Umfang dies geschehen kann.

Die Kreiskliniken in Günzburg und Krumbach laufen derzeit im Notfallbetrieb. Ab dem 15. Mai könnte sich das ändern. Bis dahin nämlich gilt die Allgemeinverfügung, die den Betrieb derzeit regelt, informiert Klinikvorstand Dr. Volker Rehbein. Es wurde bereits angekündigt, dass der Klinikbetrieb danach wieder aufgenommen werden kann. In welchem Umfang? „Wir erwarten eine Aussage bis Ende der Woche“, sagt der Klinikvorstand.

In Erwartung einer Corona-Welle werden in den Kliniken derzeit nur dringliche Eingriffe durchgeführt. Unfälle, Notfälle oder auch Tumoreingriffe, nennt Rehbein als Beispiele. Operiert werde nur, wenn eine Verschiebung nicht angemessen sei. Wahleingriffe, wie etwa ein künstliches Hüftgelenk, seien verschoben worden. „Wir haben strenge Maßstäbe angelegt“, informiert Rehbein weiter. Die Entscheidung, dass eine Verschiebung nicht angemessen war, sei immer eine Einzelfallentscheidung gewesen.

In den Kliniken ist es ruhig geworden

Dank der Quarantänemaßnahmen sei die große Corona-Welle bislang ausgeblieben, führt der Klinikvorstand weiter aus. In den Kliniken sei es eher ruhig geworden. Was sich jetzt bemerkbar macht: Viele Patienten vermeiden derzeit Arzt- und Klinikbesuche. Krankheiten würden dadurch verschleppt. Den Durchbruch eines Magengeschwürs nennt Rehbein als Beispiel. „Es wäre gut gewesen, wenn der Patient früher gekommen wäre“, sagt er. Denn Schmerzen hatte er sicher schon länger. Auch im Bereich der Kardiologie siedelt er weitere Beispiele an – etwa das rechtzeitige Einsetzen eines Stents. Es sei riskant, wenn zu viel aufgeschoben werde.

Bis zum Ende der Woche erwartet Rehbein auch Vorgaben, wie der Regelbetrieb in den Kliniken ausgeführt werden soll. So ist beispielsweise noch unklar, ob alle Patienten, die operiert werden, auf Corona getestet werden müssen oder wie der Ambulanzbetrieb in den Kliniken aussehen soll. „Wir müssen die Patienten ja sehen, bevor wir operieren“, führt Rehbein aus. Eins ist jedoch klar: Personal und Patient dürfen auch nach einer teilweisen Öffnung nicht gefährdet sein.

Die Sachkosten sind derzeit hoch

Und die Finanzen? Derzeit erhalten die Kliniken eine Ausgleichspauschale vom Staat über 560 Euro. Das gilt pro Tag und pro Bett, das im Vergleich zum Vorjahr weniger belegt ist. „Das kommt für uns in etwa hin“, urteilt der Vorstand. Wie sich die Kosten im Laufe des Jahres entwickeln, könne jetzt noch nicht gesagt werden. Die Sachkosten, etwa für Mundschutz und Schutzanzüge, seien derzeit sehr hoch, gibt er zu Bedenken.

Der Mangel an Pflegepersonal war schon vor Corona ein Thema. „Es ist nicht besser geworden“, sagt Dr. Volker Rehbein. Die ruhige Phase in den Kliniken wurde genutzt, um Überstunden abzubauen. Auch in der Erwartung eines Ansturms an Covid-19-Erkrankten hätten die Mitarbeiter so die Möglichkeit gehabt, noch vorher zur Ruhe zu kommen. Kurzarbeit gab es in den Kliniken nicht. Außerdem sei auch Klinikpersonal von Quarantänemaßnahmen betroffen gewesen. Mittlerweile sei die Ansteckung durch Patienten jedoch die Ausnahme, da die Hygienemaßnahmen in Kliniken greifen würden.

Die Arbeit auf der Intensivstation ist fordernd

Und, was Rehbein mit Blick auf das Klinikpersonal betont: Die Arbeit auf der Intensivstation ist „sehr fordernd“. Eine ganze Schicht in Schutzkleidung und mit Atemmaske durchzustehen, sei sehr aufreibend. Für den Einsatz in den Isolierzimmern brauche es außerdem deutlich mehr Personal. So sind Covid-19-Verdachtsfälle in Einzelzimmern untergebracht, bis geklärt ist, ob tatsächlich eine Infektion vorliegt, erläutert der Vorstand. Um eine Weiterverbreitung in jedem Fall zu verhindern, muss sich das Personal bei jedem Eintreten in das Zimmer in neue Schutzkleidung hüllen. Das dauert.

Froh sind die Klinik-Mitarbeiter, dass es in den Kliniken nicht zu Verhältnissen wie in Italien oder Spanien gekommen ist. „Es ist der Verdienst der Bevölkerung, die sich diszipliniert verhalten hat“, sagt Rehbein. Entscheidungen, welcher Patient noch beatmet wird und welcher nicht, musste bislang niemand treffen. „Das Personal muss mit diesen Entscheidungen ja auch leben“, erläutert er die Schwere dieser Entscheidung.

Mit durchschnittlich 200 Infizierten ergebe sich im Landkreis eine vergleichsweise „tolle Situation“. Allerdings betont Rehbein: „Gut ist es noch nicht.“ Es werde wohl noch ein Jahr dauern, bis ein Impfstoff vorhanden ist und ein Schutz aufgebaut ist. Für die Kreiskliniken sieht er jetzt die große Herausforderung darin, die Balance zwischen Corona-Betrieb und Regelbetrieb zu halten, das heißt für Covid-19-Erkrankte gerüstet zu sein und trotzdem Wahleingriffe durchzuführen.

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