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Kreis Günzburg

15.11.2017

Kritik an Übung zu Atomunglück

Für den Fall eines Atomunglücks im Kraftwerk Gundremmingen ist der Ernstfall theoretisch durchgespielt worden.
Bild: Bernhard Weizenegger

Die theoretische Probe für den Ernstfall in Gundremmingen wird als zu unrealistisch bemängelt. Was die Kritiker fordern.

Wie realistisch ist die theoretische Übung zu einem Unglück im Atomkraftwerk Gundremmingen, wie es sie am Samstag gegeben hat (wir berichteten)? Raimund Kamm, Vorsitzender der Bürgerinitiative (BI) Forum, fällt ein hartes Urteil: „Ich halte die Übung für völlig unrealistisch.“ Aus seiner Sicht seien die Lehren des Unglücks in Fukushima noch nicht richtig angekommen. Er hält es für bedenklich, dass die Katastrophenpläne nicht den Empfehlungen der Strahlenschutzkommission entsprächen. Eine Erkenntnis sei gewesen, dass Radioaktivität sich weiter verteilen kann als ursprünglich angenommen. „Bei starkem Westwind kann es zum Beispiel auch ganz schnell Gersthofen erwischen“, sagt Raimund Kamm. Kritik äußert er vor allem am Vorgehen nach der eigentlichen Katastrophe.

„Menschen evakuieren sich selbst, wenn sie nicht wissen, wie sie vorgehen müssen.“ Eine Simulation wie jetzt werde dem Realfall demnach in vielen Aspekten nicht gerecht. Kamm nennt ein Beispiel: „Gibt es nach der Katastrophe nur unvollständige Infos, was wirklich passiert ist, dann sagt doch jeder seinen Liebsten: ins Auto steigen und fliehen“, mutmaßt der Vorsitzende. Die Konsequenz: Straßen verstopfen, Unfälle passieren, Panik könnte ausbrechen. „Und wer weiß, ob im Zweifel Polizisten und Feuerwehrmänner ihrer Arbeit nachgehen oder doch eher an die eigene Familie denken.“ Der Knackpunkt sei, dass Menschen nicht richtig vorbereitet sind: „Die Bürgerinitiative fordert einen offenen Dialog zwischen der Regierung, Kernkraftwerk-Betreibern und der Bevölkerung.“

Die Augsburger ÖDP-Kreisrätin Gabi Olbrich-Krakowitzer bewertet ein anderes Vorgehen als falsch: „Kaliumjodidtabletten müssen in Kindertagesstätten, Schulen, Großbetrieben und möglichst in jeder Kommune vorhanden sein – nicht irgendwo im Landkreis.“ Im Ernstfall, so sieht es der Katastrophenschutz vor, werden die Tabletten zu Feuerwehrhäusern und Apotheken gebracht und dort verteilt. „Die Ausgabe wie im Drive-in eignet sich nicht“, sagt die Politikerin. Sie plädiert für „kurze und schnelle Wege“. Auch rechtlich müsse nachgebessert werden, denn Lehrern ist es nicht erlaubt, ihren Schülern eine Dosis zu verabreichen. „Dafür müssten Eltern dann zur Schule fahren, damit die Kinder rechtzeitig versorgt sind.“ Dass es anders geht, zeige Aachen mit der Nähe zum belgischen Atomkraftwerk Tihange. Dort haben Menschen bis zu 45 Jahren, Schwangere und Stillende im September kostenlos Tabletten erhalten, die Schilddrüsenkrebs verhindern sollen. Ein Brief an Horst Seehofer soll klären, warum das nicht auch bei uns machbar ist.

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