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Krumbach
28.06.2019

Krumbach: Ärger um die „Stadtvilla“ am Hochfeld

Die Anwohner sind nicht glücklich über den Neubau, der im Hochfeld in Krumbach auf diesem Grundstück entstehen soll. Mehrere Anlieger haben sich zusammengeschlossen, im ihre Meinung kund zu tun. Ihnen gehe es darum, einen Kompromiss mit dem Bauherrn zu finden.
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Die Anwohner sind nicht glücklich über den Neubau, der im Hochfeld in Krumbach auf diesem Grundstück entstehen soll. Mehrere Anlieger haben sich zusammengeschlossen, im ihre Meinung kund zu tun. Ihnen gehe es darum, einen Kompromiss mit dem Bauherrn zu finden.
Foto: Christian Gall

Anwohner fühlen sich von der Stadt Krumbach und dem Bauherren übergangen. Der Bauherr wiederum wirft ihnen unsachliche Stimmungsmache vor.

Es herrscht Unfrieden im Krumbacher Hochfeld. Die Planung für die Errichtung eines Wohngebäudes mit sieben Wohneinheiten – zwei davon als Penthouse-Wohnungen – stößt bei Anwohnern auf Widerstand. Viele von ihnen wollen öffentlich Position beziehen und ihrer Meinung Gehör verschaffen. Es gehe ihnen darum, einen Kompromiss zu erzielen. Doch bisher sehen sie darin keinen Erfolg.

Der Bau am Hochfeld beschäftigt die Stadt Krumbach bereits seit Monaten. Im Februar dieses Jahres kam die Bauanfrage in den Krumbacher Bauausschuss. Geplant war zu diesem Zeitpunkt ein Gebäude mit Grundmaßen von 34 Metern Länge, 14 Metern Breite und neun Metern Höhe, als Dachform ist ein Flachdach vorgesehen. Anwohner bezweifelten massiv, dass sich der Bau in die Umgebung einfügt. Im Hochfeld gibt es keinen Bebauungsplan, was bedeutet, dass Paragraf 34 des Baugesetzbuches entscheidend ist, nach dem sich das Vorhaben in die Umgebung einfügen muss. Die Mitglieder des Bauausschusses – mit Ausnahme von Bürgermeister Hubert Fischer – sprachen sich dafür aus, dem Antrag zunächst nicht das Einvernehmen zu erteilen und das Gespräch mit dem Bauherren zu suchen.

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Rund vier Monate darauf, Anfang Juni, schlug die Bauanfrage wieder im Bauausschuss auf. Die Planung hatte sich in einigen Punkten geändert. Anstelle von neun geplanten Wohnungen waren noch sieben Wohneinheiten vorgesehen. Außerdem ist die Grundfläche des Gebäudes kleiner geworden – dadurch vergrößert sich der Abstand zu den benachbarten Grundstücken. Das Aussehen des Gebäudes änderte sich ebenfalls, anstelle eines durchgehenden Baukörpers wurde ein Teil in der Mitte entfernt, dadurch verliert das Gebäude optisch an Massivität. Letztendlich erteilte der Bauausschuss dem Antrag des Bauherren mit zwei Gegenstimmen das Einvernehmen. Ein Vorstoß von Krumbachs zweitem Bürgermeister Gerhard Weiß, die Entscheidung zu vertagen und nochmals das Gespräch mit den Anwohnern zu suchen, wurde abgelehnt.

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Anwohner wollen nicht als "Wutbürger" abgespempelt werden

Die Anwohner sind nach wie vor unzufrieden mit der Bauplanung. „Entgegen der Äußerung des Bauherren, dass man unsere Kriterien weitestgehend erfüllt habe“, sagte Martin Pletzer. Er ist einer von mehreren Anwohnern, die das Gespräch mit unserer Redaktion gesucht haben. In einem Gesprächskreis äußerten die unmittelbaren Anwohner oder Personen, die in der Nähe des Grundstücks wohnen, ihre Sichtweise. Ihnen sei es wichtig, nicht in die Kategorie „Wutbürger“ eingeordnet zu werden. Ihnen gehe es darum, ihre Meinung kundzutun.

Die Anwohner sind nicht der Meinung, dass sich das Gebäude in die Umgebung einfügt. Im Hochfeld handele es sich um eine Siedlung, die von Mehrfamilienhäusern mit Satteldächern dominiert wird. Das geplante Gebäude würde darauf optisch extrem hervorstechen – einerseits durch die großen Ausmaße, andererseits durch die unpassende Dachform. Die Anwohner haben daher einen Kompromiss vorgeschlagen – die Bebauung des Grundstücks mit zwei frei stehenden Mehrfamilienhäusern, die sich in Maß, Stil und Dachform in die Umgebung einfügen. „Gegen einen Bau mit Satteldach hätten wir nichts. Aber die Penthouse-Mentalität verschandelt das gesamte Viertel“, sagte Karl-Heinz Striegel, der ebenfalls in der Nähe des Baugrundstücks wohnt.

Der Bauherr will jedoch nicht von seiner Planung abweichen – er sei durch die Anpassung seines Planes den Anwohnern bereits entgegengekommen. „Die Form des Dachs spielt rechtlich keinerlei Rolle, da der Paragraf 34 des Baugesetzbuchs dies nicht als Faktor für das Einfügen in die Umgebung einbezieht“, sagte er. Mit der Reduzierung von neun auf sieben Wohneinheiten bewege er sich bereits am Rand der Wirtschaftlichkeit: „Man muss einem Bauherren oder Investor auch zugestehen, dass er wirtschaftlich handelt.“

Bauherr verspricht Schaffung von Wohnraum

Neben den wirtschaftlichen Faktoren folge der Bauherr seiner Aussage nach einem allgemeinen Trend – der Schaffung von Wohnraum auf begrenzter Fläche. „Ich finde es egoistisch von den Anwohnern, dass sie ihre Interessen über das allgemeine Bedürfnis nach Wohnraum stellen.“ Wer weniger Fläche versiegeln will, müsse zudem in die Höhe bauen. Der Bauherr betonte dabei, dass die Höhe des geplanten Hauses nicht über der Firsthöhe der umliegenden Häusern liege. Wie er sagte, soll im Hochfeld ein luxuriöses und ansprechendes Wohnhaus entstehen. Auf ein Argument der Anwohner, dass Wohnraum nicht gleichbedeutend mit gehobenen Wohnungen oder Penthouse-Wohnungen sei, entgegnete er: „Es steht immer noch dem Bauherren und nicht den Nachbarn zu, die Entscheidung zu fällen, welche Art von Wohnungen er errichten will.“

Die Straßen am Hochfeld sind relativ schmal. Anwohner befürchten, dass zusätzlicher Verkehr zu Behinderungen führt. Der Bauherr ist der Meinung, dass es durch die Errichtung einer Tiefgarage und zusätzlicher Stellplätze keine Probleme geben wird.
Foto: Christian Gall

Auch das Thema Verkehr sehen die Anlieger kritisch – da die Straßen im Viertel recht schmal sind, könne zusätzlicher Verkehr Behinderungen auslösen – sowohl für den normalen Verkehr als auch für Rettungskräfte oder Feuerwehr. Auf diesen Punkt entgegnet der Bauherr, dass durch die Errichtung einer Tiefgarage mit zwölf Plätzen und drei Stellplätzen auf dem Grundstück dieser Punkt berücksichtigt sei. Die Anlieger sind dennoch skeptisch – sie befürchten, dass Besucher die Straßen mit ihren Autos einengen werden.

Darüber hinaus sind die Anwohner unzufrieden über den Umgang des Bauherren und der Stadt Krumbach mit den Anliegern. Es stimme nicht, dass der Bauherr auf die Anwohner zugegangen sei, um eine Lösung zu finden – so, wie es im Bauausschuss hieß. Vielmehr sei ein Kontakt nur auf Bestreben der Anwohner zustande gekommen. Der erste Plan, der im Februar im Bauausschuss besprochen wurde, sei eingereicht worden, ohne dass zuvor ein Gespräch mit den Anwohnern stattgefunden hatte. Der Bauherr wiederum bestätigt, dass die erste Kontaktaufnahme nach der ersten Ablehnung im Bauausschuss stattgefunden habe – allerdings sei der Kontakt zu den Anwohnern von seiner Seite aus zusammengekommen. Bereits vor der ersten Antragsstellung habe die Grundstückseigentümerin zudem die Anlieger über das Vorhaben informiert.

"Öffentliche Stimmungsmache auf unsachliche Art“

Auch das Verhalten des Bauausschusses stößt bei den Anliegern auf Unverständnis. Nicht nur die Entscheidung, der Bauanfrage nun zuzustimmen. In der Sitzung im Juni hatte Stadtbaumeister Björn Nübel davon gesprochen, dass es „Angriffe bis ins Persönliche“ gegeben habe. Dem widersprechen die Anwohner entschieden – zwar hätten sie den Mitgliedern des Ausschusses ihre Meinung mitgeteilt, doch in keinem Fall sei es zu irgendeiner Art von persönlichem Angriff gekommen. Auf Nachfrage unserer Redaktion wollte sich Nübel dazu nicht äußern. „Ich möchte in diesem Punkt kein Öl ins Feuer gießen“, sagte er. Der Bauherr hingegen findet scharfe Worte: „Die Anwohner betreiben öffentlich Stimmungsmache auf unsachliche und objektive Art.“

Die Bauanfrage liegt nun dem Landratsamt als Baugenehmigungsbehörde vor. Dort wird letztendlich die Entscheidung über das Vorhaben gefällt, wie der Sachbearbeiter für Bauangelegenheiten, Stephan Fischer, erklärt. „Wir befinden uns noch ganz am Anfang des Prozesses,“ sagt er. Bei einem derart umstrittenen Projekt könnte die Entscheidungsfindung noch längere Zeit in Anspruch nehmen.

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