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Krumbach

16.11.2019

Krumbach: Vom Manager zum „Expeditionsleiter“

Professor Dr. Wolfgang Jenewein von der Universität St. Gallen referierte im Stadtsaal zum Thema „Führung im Unternehmen neu gestalten“.
Foto: Emil Neuhäusler

Welche Rezepte der St. Galler Professor Wolfgang Jenewein für die erfolgreiche Führung von Unternehmen hat. Wirtschaftsgespräch in Krumbach.

Über 250 Gäste konnte Daniel Gastl, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Günzburg-Krumbach zum traditionellen „Wirtschaftsgespräch“ für das Jahr 2019 willkommen heißen. Wegen des großen Interesses war die Veranstaltung dieses Jahr zum ersten Mal in den Krumbacher Stadtsaal verlegt worden. Überhaupt stand das Wort „Interesse“ immer wieder im Mittelpunkt des informativen und überaus kurzweiligen Vortrags von Professor Dr. Wolfgang Jenewein von der Universität St. Gallen zum Thema „Führung im Unternehmen neu gestalten“.

Warum Neugierde so wichtig ist

Allzu schnell verfallen wir Menschen, stellt Professor Jenewein bedauernd fest, in ein schematisches schwarz-weiß oder gut-böse Denken und verschließen uns so einem anderen, kreativen und innovativen Blickwinkel auf eine Sache oder ein Problem. Dabei liegt das Interessante fast immer dazwischen. „Wir müssen uns die Neugierde eines sechsjährigen Kindes bewahren“, verlangt Jenewein, und „Bleibt neugierig!“ ist dann auch seine erste These für eine erfolgreiche Unternehmensführung. Firmen, die zu hierarchisch, bürokratisch und starr aufgebaut sind, können den Anforderungen unserer Zeit nicht mehr gerecht werden. „Veränderung ist die neue Konstante!“, hebt der Referent hervor.

Die Mitarbeiter mit ins Boot nehmen

Damit ein Unternehmen in unserer schnelllebigen und komplexen Welt erfolgreich bleiben kann, bedarf es einer positiven Betriebskultur, in der Neugierde und Interesse vorrangig geschätzt werden. Dies setzt eine Führungsebene voraus, die es versteht, die Mitarbeiter mit ins Boot zu nehmen. Mit dem bisher ausschließlich favorisierten Managertyp wird das nicht gelingen, genauso wichtig ist in Zukunft der „Leader“. Diesen nennt Prof. Jenewein auch „Expeditionsleiter“ und beschreibt sein Anforderungsprofil aufgrund der Bedeutung für den Betrieb ausführlichst. War bisher das Sachwissen größter Indikator für Aufstiegschancen in einem Betrieb, haben Führungsqualitäten in Zukunft einen mindestens genauso großen, wenn nicht sogar größeren Stellenwert. Der „Leader“ muss motivieren und den Menschen Kraft, ja „Flügel“ geben können. Das setzt eine Persönlichkeit voraus mit Charaktereigenschaften wie flexibel, humorvoll, geduldig, wertschätzend, kreativ, weise und dankbar. Ohne solche sind nämlich weitere bedeutende Komponenten, wie der Aufbau einer positiven zwischenmenschlichen Beziehung und die fruchtbare Zusammenarbeit oder Interaktion von Führungs- mit Angestellten- bzw. Arbeiterebene, nicht möglich. Hier verweist er auf seine 4-M-These: „Man muss Menschen mögen!“ Leadership ist also keine Frage der Position, des Titels, des Tools oder des Status, sondern eine Frage der Persönlichkeit.

Vom „Leader“ verlangt Professor Jenewein die Kunst des „sowohl als auch“. Er muss zum einen Manager sein, der es versteht, mit Daten und Fakten zu arbeiten. Fähigkeiten wie Organisation, Planung, Optimierung, Controlling sind hier gefragt. Daneben steht mindestens gleichwertig und auf keinen Fall „nur nebenbei“ die Arbeit mit Menschen und Gefühlen. Eine Absage erteilt er dem Laissez-Faire-Führungsstil, der zu Frustration, Konflikten und Performance-Defiziten führt. Auch der transaktionale Führungsstil, bei dem Anweisungen von oben nach unten durchgegeben werden, führt lediglich zu einer rationalen, mechanischen Beziehung. Allein der transformationale Führungsstil, der Verstand und Emotion gleichermaßen anspricht, ist die richtige Lösung. Dieser gibt Perspektiven, ermöglicht Vision und Identifikation, Inspiration und Innovation und vermittelt dem Menschen das Gefühl der Wertschätzung.

Sachwissen und Humor gleichermaßen

Der überaus kurzweilige und „interessante“ Vortrag von Professor Jenewein wurde von den Zuhörern mit starkem Applaus gewürdigt. Er war gleichsam ein vorbildlicher „Leader“, der nicht nur Sachwissen vermittelte, sondern die Zuhörer mit humorvollen Anekdoten, informativen Schaubildern, treffenden Karikaturen und mit einem leisen Anklang an den Comedianstil emotional fesselte. Damit gewährte er immer wieder Momente des Mitkommens und Erholens, sodass alle frisch, motiviert und aufgeschlossen für das Leadership-Prinzip am Ende der informativen „Expedition“ ankamen.

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