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Krumbach

08.05.2020

Krumbacher Demo: „Wir brauchen eine neue Ordnung“

Demo gegen die staatlichen Corona-Bestimmungen am vergangenen Samstag im Krumbacher Stadtgarten: Unser Bild zeigt Mitglieder des Organisationsteams. Am Mikrofon Andreas Mayer, ferner von links Torsten Böhm, Kerstin Podlech und Mareike Kosebach. An diesem Samstag gibt es eine Neuauflage der Demonstration im Stadtgarten.
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Demo gegen die staatlichen Corona-Bestimmungen am vergangenen Samstag im Krumbacher Stadtgarten: Unser Bild zeigt Mitglieder des Organisationsteams. Am Mikrofon Andreas Mayer, ferner von links Torsten Böhm, Kerstin Podlech und Mareike Kosebach. An diesem Samstag gibt es eine Neuauflage der Demonstration im Stadtgarten.
Bild: Angelika Stalla

Plus Warum sich der 27-jährige Krumbacher Andreas Mayer zum Protest entschlossen hat und wie er die Positionierung von „Nicht ohne uns“ in der aktuell aufgeheizten Stimmungslage sieht.

Bund und Länder haben in den vergangenen Tagen mit Blick auf die Corona-Krise zahlreiche Lockerungen auf den Weg gebracht. Beispielsweise sind Treffen zwischen Kindern und Eltern oder Geschwistern zu Hause und im öffentlichen Raum wieder möglich. In Bayern sollen rund 50 Prozent der Kita-Kinder bis Pfingsten wieder ihre Kitas besuchen können. Doch Fakt ist auch, dass sich die Stimmung im Land im Zuge der Krise verändert hat. Das Murren bei vielen über „die da oben“ ist mitunter unüberhörbar. Die Kritik an den staatlichen Maßnahmen im Zuge der Krise ist lauter geworden. So gab es auch in Krumbach bereits zweimal Demonstrationen gegen die staatlichen Beschränkungen. Für den heutigen Samstag, 9. Mai, ist wieder eine Demo geplant. Sie soll um 15.15 Uhr auf dem Parkplatz vor dem Stadtsaal beginnen und dann im Stadtgarten ihre Fortsetzung finden.

Demonstrationen dieser Art finden mittlerweile in zahlreichen Orten in Deutschland statt. Zentrum ist Berlin. „Dort vereint die Wut auf strenge Corona-Regeln gar linke und rechte Kräfte. Das Virus bringt Konstellationen hervor, die vorher undenkbar waren: Neonazis marschieren neben Linksautonomen bei den ’Hygienedemos für Verfassung, Grundrechte & transparente Gestaltung der neuen Wirtschaftsregeln durch die Menschen selbst’, veranstaltet von einer Gruppe ’Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand’“, schrieb Stefan Lange, Berlin-Korrespondent unserer Zeitung, vor einigen Tagen in einem großen Beitrag zum Thema. Initiator der „Kommunikationsstelle Demokratischer Widerstand“, die hinter der Online-Plattform „Nicht ohne uns“ steht, ist der Schriftsteller Anselm Lenz, massiv unterstützt wird er vom ehemaligen Rundfunkmoderator Ken Jebsen. Der Plattform „Nicht ohne uns“ hat sich bekanntlich auch die Krumbacher Initiative um Andreas Mayer angeschlossen.

„Eine unheimliche psychische Belastung“

Warum hat der 27-jährige Andreas Mayer die Krumbacher Initiative ins Leben gerufen? „Die Einschränkungen des alltäglichen Lebens, stellen für mich eine unheimlich psychische Belastung dar.“ Der gelernte Fachinformatiker sagt: „Wie soll man sich fühlen, wenn es illegal ist, Freunde oder Bekannte umarmen zu dürfen?“

Mayer berichtet, dass er bereits im Alter von 18 Jahren politisch aktiv gewesen sei. Damals sei er bei einem Parteitreffen der Linken in Günzburg dabei gewesen. Aber dabei blieb es dann. Er habe gemerkt, „dass dies nichts mit Demokratie zu tun hat.“

Nun hat er sich entschlossen, sich wieder intensiv politisch zu engagieren. „Aktuell werden die Grundrechte in massiver Form ausgehebelt. Selbst bei der Demonstration vergangene Woche in Krumbach mussten mehr als 50 Personen heimgeschickt werden. Das ist ein enormer Verstoß gegen das Grundgesetz der Meinungsfreiheit.“

Bild: Angelika Stalla

Die körperliche Unversehrtheit sei grundrechtlich geschützt. Aber wenn es eine Impfpflicht gegen das Coronavirus geben solle, dann „scheint dieser Artikel unter den Politkern aber auch nicht mehr so wichtig zu sein“, erklärt er. „Die getroffenen Schutzmaßnahmen im Umgang mit dem Coronavirus zeigen, dass wir eine neue Ordnung brauchen, in der es mehr Liebe und weniger Distanz gibt“, appelliert er.

Mayer berichtet, wie er am Tag, als in Bayern die Ausgangsbeschränkung verkündet wurde, durch Krumbach gelaufen sei, mit einem Schild in der Hand, das mit dem Wort „Grundrechte“ beschriftet gewesen sei. „Viele Leute haben mich auf der Straße angehalten und mich gefragt, wann eine Demonstration stattfinden wird.“ Mayer ist der Ansicht, dass die Probleme mit dem Coronavirus nicht so gravierend seien, „dass sie es rechtfertigen, das wirtschaftliche und soziale Leben derart einzuschränken.“

Maßnahmen der Bundesländer „überzogen“

Ende März hätte es „in den Medien“ geheißen, dass mit mehreren Tausend Toten zu rechnen sei. Die insgesamt entspannte Situation in der Krumbacher Kreisklinik zeige aber, dass die Zahl der Infizierten deutlich geringer sei und die getroffenen Maßnahmen der Bundesländer überzogen seien. Der Verlauf der Infektionen in Schweden zeige, dass auch mit minimalen wirtschaftlichen und sozialen Einschränkungen Erfolge erzielt werden könnten.

„In unserer Gesellschaft entscheidet derjenige, der am meisten Geld hat.“ Selbst Medienhäuser würden „nur die Meinung ihrer Geldgeber vertreten und kein realistisches Bild der Gesamtsituation vermitteln.“

Mayer weiter: „Die Medien sagen nicht die Wahrheit und Politiker stützen sich auf die Aussagen von wenigen Wissenschaftlern, die behaupten, dass Corona eine ganz schlimme Krankheit sei.“ In jeder Grippewelle seien Coronaviren nachweisbar und man könne die Ausgangsbeschränkungen nicht für immer aufrechterhalten.

„Wir wünschen uns, dass der Bürger mehr mitbestimmen darf. Wir werden die Leute fragen und um eine direkte Abstimmung vor Ort bitten, ob sie eine Maske im Alltag aufziehen wollen oder nicht.“

Wie bewertet Mayer die umstrittene Positionierung von „Nicht ohne uns“ in Berlin? „Wir identifizieren uns nicht mit konkreten Parteien“, sagt Andreas Mayer. „Unser Ziel ist es, mehr in den politischen Entscheidungen mitzubestimmen. Da ist es doch egal, wie der politische Hintergrund ist.“

Wie Bürgermeister Fischer nochmals bestätigte, sei für die Demo eine Obergrenze von 375 Personen festgelegt worden. Mit Blick auf die Vorbereitungen zur Veranstaltung sei der Stadtgarten am Samstag, ab 12 Uhr gesperrt. Die Stadt habe sich sehr darum bemüht, dem Veranstalter mit Blick auf die aktuelle Rechtslage so weit wie möglich entgegenzukommen. Der Veranstalter hat zuletzt angekündigt, dass er über einen Eilantrag bei Gericht eine höhere Anzahl möglich machen wolle.

Weitere Informationen zum Thema finden Sie hier:

Lockerungen in Bundesländern: Verliert Merkel die Kontrolle?

Rund 500 Menschen bei Krumbacher Demo gegen Corona-Beschränkungen

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