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Krumbach

30.10.2019

Krumbacher Orgel in ihrer ganzen musikalischen Klasse

Professor Karl Maureen führte den Krumbachern im Konzert vor, wozu die renovierte Orgel in der Lage ist.
Bild: Heinrich Lindenmayr

Professor Karl Maureen zeigt in der Kirche St. Michael das ganze Spektrum des restaurierten Instruments.

Der Programmzettel war ungewöhnlich, denn er versprach zweierlei: Ein Konzert sollte es werden mit prachtvoller Orgelmusik von insgesamt 9 Komponisten. Es sollte aber mehr noch werden, eine hörbare Nagelprobe für die renovierte Orgel der Stadtpfarrkirche St. Michael. Eine ganze Seite Information bot der Programmzettel über das, was die Orgel alles hat und kann. Und natürlich sollte möglichst viel davon hörbar und erlebbar werden. Man hatte für dieses außergewöhnliche Konzert Prof. Karl Maureen gewinnen können. Er genießt den Ruf des besonders vielseitigen Virtuosen auf der „Königin der Instrumente“. Das Konzertprogramm, das er vorbereitet hatte, tat ein Übriges: Musik aus drei Jahrhunderten, Stücke unterschiedlichen Charakters, von den 9 Komponisten leben noch drei.

Besonders gut eignen sich Stücke, die aus Variationen zu einer vorgegebenen Melodie bestehen, beispielsweise Johann Sebastian Bachs Partita „Wenn wir in höchsten Nöten sein“. Die Melodie lässt hier, entgegen ihrem Titel, gar nichts spüren von Not und Angst. Sie schreitet ruhig, hoffnungsstark dahin und verbreitet eine große Seelenruhe, als wollte sie mitteilen, dass in der größten Not sich Gott am deutlichsten zeige. Um dieses Melodiefundament herum bewegen sich die Variationen, bei der ersten als Klangkreisel und Klangstrudel, bei der zweiten als rasche Bewegungen hin und her auf mehreren Stufen. Bei der vierten Variation versetzt Bach den Hörer in ein ganz unerwartete Klangsphären von berückender Süße und Anmut. Souverän arbeitete Prof. Maureen die faszinierende Differenz zwischen der völlig gelassenen Melodie in der Mitte und ihrem funkelnden und perlenden Umfeld heraus. Zugleich demonstrierte er Teile des großen Klangspektrums der Orgel, vor allem aber die Möglichkeit einer phänomenalen Gleichzeitigkeit von zwei Bewegungen, die eine ruhig und die andere präzise vibrierend. Noch mehr Gestaltungsmöglichkeiten eröffnete die Interpretation der „Variationen über Amazing grace“ von Denis Bedard. Auch hier steht eine ruhige, seelenhafte Melodie in der Mitte.

Tänzerisch-schüttelnd, dann feierlich

Sie wird einmal tänzerisch-schüttelnd, dann feierlich begleitet. Nach einem melancholisch angehauchten Zwischenteil folgt eine quirlige Variation und dann eine Variation, bei der auf die dumpf unterlegte Melodie Töne gesetzt werden, als würden mit Pinselhieben Flecken von Klangfarbe aufgetragen. Das Marschmäßige, das Witzig-Pointierte, die Geste vertrauensvoller Anbetung, auch das reihte sich ein in den Kosmos der Dispositionen, die der Organist vorführte. Am Ende hatte der Konzertbesucher beides bekommen. Ein herrliches Konzert war es, eine machtvolle Demonstration von Klangkultur, darunter einige Raffinessen, beispielsweise das Glockenspiel-Intermezzo in der „Berceuse“ von Margaretha de Jong. Zudem war es eine erstaunliche Probe der ungeheuren Möglichkeiten der Orgel.

Es war, als wollte Prof. Karl Maureen die einleitenden Worte von Stadtpfarrer Josef Baur bewahrheiten: Die Unerschöpfbarkeit von Musik bringe den Menschen der unendlichen Schöpferkraft Gottes ein Stück näher. (hli)

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